07 Dez

Bienensterben durch Herbizide?

Bombus lapidarius, Deutsch: Steinhummel. Foto: ray_eye, Wikimedia Commons

Sind Glyphosat und Co. direkt oder indirekt für den dramatischen Rückgang der Insektenpopulationen und insbesondere für das Verschwinden unzähliger Bienenvölker verantwortlich? Aktuelle Nachrichten über Studien dazu liefern handfeste Indizien.

Das Thema lässt viele Menschen nicht los und das ist gut so. Bereits mehrfach haben wir auf die lebenswichtige Rolle der Insekten für unsere natürlichen Existenzgrundlagen hingewiesen. Manche Wissenschaftler beurteilen den Verlust der Artenvielfalt gar als verheerender als die Folgen des Klimawandels. Obwohl die Erkenntnisse deutlich auf dem Tisch liegen, tun sich die meisten Verantwortlichen aus Wirtschaft und Politik schwer, Konsequenzen zu ziehen. Einfach machen es sich die wenigen, die die Fakten schlicht leugnen.

So zieht der Umwelt- und Ernährungsexperte Stephan Börnecke in seinem Artikel “Wen kümmern die Insekten?” in der Frankfurter Rundschau ein ernüchterndes Fazit. Er zitiert einen aktuellen Aufruf eines internationalen Insektensymposiums aus Stuttgart: „Der dramatische Rückgang der Insekten hat in Mitteleuropa inzwischen alarmierende Ausmaße erreicht. Ihn zu meistern, bedarf es jetzt eines gemeinsamen gesellschaftlichen Kraftaktes, um eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu bewältigen“.

Damit spricht er die Pläne des EU-Agrarkommissars Phil Hogan an, von Brüssel geschützte ökologische Vorrangflächen zum Schutz der Artenvielfalt abzuschafffen. Somit überlässt er den Artenschutz den Mitgliedsländern, die der industriellen Landwirtschaft bereits jetzt wenig entgegensetzen. Anders ist es kaum zu verstehen, dass trotz hinreichender Erkenntnisse weiterhin massenhaft Herbizide ausgebracht werden, die nahezu allen Insektenarten heimlich, still und leise den Garaus machen.

Pflanzenschutz mit chemischen Mitteln besitzt Nebenwirkungen mit unkalkulierbaren Folgen

Auch wenn sich die Hersteller vehement hinter Gutachten verstecken, die das Gegenteil behaupten: Pflanzenschutzmittel schaden den Bienen! Eine umfangreiche Studie aus dem Jahr 2015, zu der vor kurzem im Fernsehen eine Dokumentation ausgestrahlt wurde, erläutert ausführlich die schädliche Wirkung von Glyphosat auf den Orientierungssinn der Bienen. Dies zeigt sich besonders bei den Wildbienenarten, die im Vergleich zu den domestizierten Völkern wesentlich wirkungsvoller für Bestäubung sorgen. Orientierungslose Arbeiterinnen finden dadurch entweder die Futterquelle oder den heimischen Stock nicht mehr, sodass kein Nachwuchs mehr aufgezogen werden kann.

Vor wenigen Wochen war außerdem im Spiegel zu lesen, dass Glyphosat die Darmflora der Bienen schädigt, indem es dort ein lebenswichtiges Enzym blockiert. Biologen der University of Texas in Austin wiesen nach, dass dadurch Wachstum und Immunsystem der Insekten signifikant beeinträchtigt wird. Zusammen mit den klimatischen Veränderungen können wir uns ausmalen, was dies für die Ökosysteme bedeutet.

Wir erkennen an, dass der Nahrungsmittelgewinnung und -Versorgung eine vorrangige Aufgabe zukommt, doch diese soll Leben und Gesundheit erhalten und nicht schaden. Nach den Beobachtungen und Erkenntnissen müssen wir davon ausgehen, dass es mit geringer Verzögerung auch den Menschen so ergehen kann wie den Insekten. Trotzdem bauen wir darauf, dass sich Einsicht und menschliche Intelligenz durchsetzen, bevor der Zeiger die Zwölf überschritten hat.

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