13 Aug

Bitte klatschen für die Klatsche – die Fliegenklatsche wird 65

Eine Fliegenklatsche im Einsatz, © Heron, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=910120

Billig und effektiv. Das sind Fliegenklatschen sicherlich. Zumindest, wenn es sich bei den Lebewesen mit integriertem Sinn nach Hausfriedensbruch nicht um eine Massenbewegung handelt. Die Vernichtung von einigen Spezies ist Dank dieser Erfindung leicht möglich. Doch wer steht hinter dem Patent? Welche Gedanken schwebten diesem Tüftler durch den Kopf? Wir gingen den Spuren auf den Grund und trafen auf eine interessante Person mit weiteren bahnbrechenden Errungenschaften.

„Einen an der Klatsche haben“ ist eine bekannte Schimpftirade. Jemanden nicht für ganz voll nehmen ist die passende Übersetzung. Im wörtlichen Sinn kann ein Mensch auch einen an der Klatsche haben, nämlich einen fliegenden Quälgeist an der Fliegenklatsche. Dieses einfache Instrument gehört mittlerweile zu fast jedem Haushalt. Durchbrechen Insekten die ersten Barrieren in Form von Fenstern, Türen und deren Fliegengittern, so greifen die Wohnungsbesitzer oftmals zu dieser Waffe.

Als zeitlos darf die „Fliegenpatsche“ sicherlich bezeichnet werden. Eine genial einfache Erfindung – einfach genial. Ein Abstecher zum Urheber lohnt sich. Der gebürtige Stuttgarter Erich Schumm darf sich dieses Patent auf seine Fahnen schreiben. Er lebte von 1907 bis 1979 die meiste Zeit im schwäbischen Murrhardt. Jeher wird den Schwaben eine geizige Grundeinstellung zugeschrieben. Eine weitere Lebensweisheit besagt, dass Not erfinderisch macht. Vielleicht war es bei Schumm die Kombination aus beidem? Eventuell machte ihn Geldnot erfinderisch? Dem Tüftler werden weit mehr als tausend Patente zugeordnet. Es war keine Spinnerei aus der Laune heraus, sondern eine Berufung. Insbesondere Erleichterungen für den Alltag standen bei Schumm hoch im Kurs.

Zweifelsohne darf die Fliegenklatsche als ein „echter Helfer“ im Kampf gegen eine Mückenplage bezeichnet werden. Die Schwaben nennen das Utensil liebevoll „Muggabatscher“. Sicherlich machte sich Schumm bei seiner Erfindung mehr Gedanken über Details als die heutige Menschheit beim Einsatz gegen einen Quälgeist. Kunststoff ist beispielsweise das ideale Material. Biegsam beim Auftreffen auf andere Gegenstände, dennoch mit der nötigen Robustheit beim Schlagen auf die Zielobjekte. Die Trefferfläche ist engmaschig gestaltet. Hierdurch kann der Luftzug entweichen, dennoch bleiben die Insekten hängen. Zwischen Trefferfläche und Stiel befindet sich ein kleines Gelenk. Dadurch kann das Werkzeug kaum abbrechen. Selbst an das Aussehen verschwendete der Erfinder Gedanken. Schumm wies darauf hin, dass Kunststoff ohne Probleme mit gefälligen Farben produziert werden könne. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, den ungeliebten Flugobjekten schon.

Alleine die Erfindung der Fliegenklatsche hätte Schumm die Murrhardter Ehrenbürgerschaft vermutlich nicht beschert. Allerdings gehen zig weitere Neuheiten ebenso auf sein Konto. Experten sprechen von „über tausend Erleichterungen für den Haushalt“. Verschlüsse für Plastiktüten, Körbe für Kühlschränke, verschiedene Formen von Rührschüsseln oder Hauben für Torten und Käse streifen nur den Gesamterfolg. Natürlich waren auch „kleinere Fische“ darunter, die wieder von der Bildfläche verschwanden. Die Handtuchspender mit Rolltüchern gehören zum Beispiel zur anderen Kategorie. Sie sind heute noch im Einsatz. Esbit lautet die Abkürzung für „Erich Schumm Brennstoff in Tablettenform“. Die leicht entzündbaren Würfel zählen zwar zu seiner größten Errungenschaft, doch für uns ist es eindeutig die Fliegenklatsche.

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