07 Jun

Borkenkäfer – mein lieber Feind und „Kupferstecher“

Udo Schmidt from Deutschland [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)]

In unserer Rubrik „Insekt des Jahres“ stellen wir interessante Kleinlebewesen ins Rampenlicht. Interessant meist deshalb, weil sie vom Aussterben bedroht sind oder die Jury sie aufgrund ihrer Lebensleistungen kürte. So brilliert beispielsweise der „Dunkelbraune Kugelspringer“ durch seinen existentiellen Mehrwert für den Waldboden, indem er diesen lüftet und für neue organische Substanz sorgt. Heute stellen wir aus aktuellem Anlass einen Käfer vor, der schon einige Zeit durch die Medien geistert. Der kleine Borkenkäfer bringt große Waldgebiete zum Aussterben und schafft es damit in die Hauptnachrichten der Tagesschau. Wir durchleuchten die Schattenseiten seines Verhaltens für die Natur.

Es bräuchte ein überdimensionales Fliegengitter, welches über die Wälder gespannt ist. Genauer ausgedrückt über reine Fichtenwälder, denn genau die suchen sich Borkenkäfer mit Vorliebe für ihre Brutplätze aus. Jedes Kind weiß, dass ein derartiger Schutz ein Wunschtraum bleibt und somit müssen Förster andere Wege suchen. Leider gestaltet sich eine Prophylaxe als schwierig und somit sind aufwendige Nacharbeiten an den Symptomen vonnöten. Diese sind automatisch mit gravierenden ökologischen und ökonomischen Einbußen verbunden. Die Käferarten beschädigen die Rinde des Baumes und legen ihre Brut- und Fraßgänge darunter an. Problem: Das Gewächs benötigt die dort verlaufenden Leitungsbahnen für die im Wasser gelösten Nährstoffe, um die Versorgung zu gewährleisten. Bei zu großer Beschädigung stirbt der Baum ab. Etwa 150 verschiedene Borkenkäferarten sind bekannt, darunter sind die sogenannten Buchdrucker und sein kleinerer Artgenosse Kupferstecher die bekanntesten Schädlinge.

Haben es sich die Käfer unter der Rinde erstmal gemütlich gemacht, so ist die Rettung aussichtslos. Was also tun? Den Schaden in möglichst kleinem Umfang halten, lautet die Devise. Schnell breiten sich die Kleintiere auf die benachbarten Stämme aus und verursachen damit eine Epidemie. Aus diesem Grund müssen die Waldarbeiter rasch handeln. Die befallenen Stämme sollten gerodet und aus dem Waldgebiet gebracht werden. Hierfür ist zunächst eine Experten-Einschätzung erforderlich, damit keine gesunden Bäume abgeholzt werden. Bei für den Borkenkäfer passenden, also trockenen klimatischen Bedingungen können sich bis zu drei Generationen in einem Sommer bilden. Selbst Väterchen Frost beendet deren Regentschaft nicht. Entweder überwintern die Tierchen unter der Rinde oder sie graben sich im Boden ein.

Bei der Analyse des Befalls stoßen selbst Fachleute teilweise an ihre Grenzen. Die Bohrlöcher des Buchdruckers sind im unteren Bereich des Baumes noch recht einfach zu identifizieren. Der Kupferstecher treibt allerdings mit Vorliebe in oberen Sphären sein Unwesen. Profis erkennen einen Befall meist sehr spät an der Verfärbung der Krone. Sobald Stämme abgeholzt wurden, gibt es mehrere Möglichkeiten. Entweder sie werden bis mindestens 500 Meter Entfernung vom Waldgebiet wegtransportiert oder die Rinde wird abgezogen oder Insektizide lösen das Übel chemisch. Von allen Optionen empfehlen Profis den schnellen Export als die beste. Einen gewissen Charme haben allerdings auch entrindete Stämme, denn von ihnen geht keinerlei Gefahr mehr aus. Im Gegenteil: Das sogenannte Totholz bietet weiteren Lebewesen ein Zuhause und diese zählen wiederum zu den natürlichen Feinden des Borkenkäfers.

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