29 Mrz

Der Award für Krabbeltiere: Eine Videoreise durch die „Insekten des Jahres“ – Das Jahr 2007

Chinche Zapatero (Lygaeus equestris), Foto: Ferran Pestaña, Barcelona, España, Wikimedia Commons

Auszeichnungen gibt es viele. Neben den Bekannteren, beispielsweise dem Oscar oder dem Nobelpreis, die ausschließlich der menschlichen Spezies vorbehalten sind, werden auch dem Tierreich Auszeichnungen verliehen. Eine davon ist die zum “Insekt des Jahres”. Im Jahr 2007 wurde diese Ehre einem besonders farbenfrohen Exemplar der Insektenwelt zuteil: Der Ritterwanze. 

Aussehen

Würde es unter Insekten Schönheitswettbewerbe geben, hätte diese Wanze gute Chancen, unter den Gewinnerinnen zu rangieren. Vermutlich brachte ihr dieses gute Aussehen auch die Auszeichnung zum Insekt des Jahres 2007 ein. Sie ist etwa 8 bis 14 mm groß und hat, wie es für Wanzen typisch ist, einen länglichen und leicht abgeflachten Körper. Ihre Zeichnung stellt ein schwarzes Kreuz – ähnlich einem Ritterkreuz, das ihr auch den Namen einbrachte – auf rotem Grund dar, sie ist farblich also vergleichbar mit einem Marienkäfer. Sie hat voll ausgebildete Flügel und lange, kräftige Beine. Auf den Membranen befindet sich je ein kreisrunder weißer Fleck. Aufgrund ihres Aussehens wird sie oft mit der gemeinen Feuerwanze verwechselt, der sie tatsächlich sehr ähnlich sieht und die deutlich häufiger in der Natur anzutreffen ist.

Die intensive rot-schwarze Zeichnung der Wanze dient ihrem Schutz. Größere Ansammlungen ihrer Art erhöhen die abschreckende Signalwirkung gegenüber Feinden. Ein weiterer Schutzmechanismus von Wanzen ist ein starker Geruch – bei manchen Exemplaren könnte man ihn auch als Gestank bezeichnen – den sie im Gefahrenfall absondern. Die Ritterwanze zählt jedoch zu den Exemplaren, die weniger stark  und eher angenehm riechen.

Entwicklung 

Die Partnerfindung der Ritterwanze erfolgt durch Laute, die für das menschliche Ohr kaum hörbar sind. Der Paarungsakt an sich dauert sehr lange, oftmals bis zu 24 Stunden. Die etwa  60 Eier legt sie dann in kleinen Gruppen in einer lockeren Bodenstreu ab. Die jungen Larven schlüpfen dann etwa nach einem Monat. Sie häuten sich mehrmals, bevor sie nach ca. 40 Tagen ausgewachsen und flugfähig sind. Nach jeder Häutung werden die Larven ein wenig größer und dem erwachsenen Tier ähnlicher. Ein Puppenstadium, wie es beispielsweise Schmetterlinge oder Käfer durchleben, gibt es bei Wanzen nicht.

Im Video von DJAlMighty247 zeigen wir Ihnen  einen Ausschnitt aus dem ausdauernden Liebesspiel der  Lygaeus equestris, wie die Ritterwanze in der Fachsprache heißt.

Ernährung

Wie viele andere Wanzen ernährt sich die Ritterwanze von verschiedenen Pflanzensäften, denn durch ihre Mundwerkzeuge, die stechen und saugen können, kann sie nur flüssige Nahrung zu sich nehmen. Sie lebt besonders gerne an Frühlings-Adonisröschen und weißem Schwalbenwurz. Durch ein spezielles Verfahren wandelt sie die giftigen Inhaltsstoffe ihrer Nahrungspflanzen um oder speichert sie, sodass sie selbst für potenzielle Fressfeinde ungenießbar wird. Die älteren Larven sind weniger wählerisch bei der Wahl ihrer Nahrung, man kann sie auch an Löwenzahn finden. Sie saugen vor allem an unreifen oder reifen, abgefallenen Samen.

Ritterwanzen werden etwa ein Jahr alt und überwintern als erwachsene Insekten geschützt am Boden, aber auch in unbenutzten Bruthöhlen von Bienen oder an Steilwänden. Sie verlassen ihre Winterquartiere, sobald die Tage länger werden und die Sonne wärmer wird.

Lebensraum

Die Ritterwanze ist eine Bodenwanze. Sie bevorzugt vor allem wärmere Lagen, beispielsweise in lichten Wäldern, auf trockenem Rasen oder an Gebüschen. Sie ist verbreitet von Südengland bis Sibirien und von Mittelschweden bis zum Mittelmeerraum. Nördlich der Mittelgebirge findet man sie eher selten. Meistens bewegt sie sich im Rudel auf dem Boden oder klettert an Pflanzen herum. In Österreich ist sie häufiger anzutreffen, in Deutschland wird sie immer seltener, ist aber nicht vom Aussterben bedroht.

Wissenswertes

In Mitteleuropa sind etwa 1000 Wanzenarten bekannt. Nur wenige davon sind Parasiten, beispielsweise die Bettwanze.

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