28 Sep

Der Award für Krabbeltiere: Insekt des Jahres 2008 – Das Krainer Widderchen

By Bernd Haynold [CC BY-SA 2.5 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], from Wikimedia Commons Das Krainer Widderchen ist Insekt des Jahres 2008

Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Was für den einen ein Augenschmaus ist, das empfindet ein anderer als eklig oder bedrohlich. Insbesondere ein Ausflug in die Tierwelt weckt unterschiedliche Gefühlswelten. Eine Jury kürt jedes Jahr das “Insekt des Jahres”. Das Aussehen spielt in der Bewertung eine Rolle, allerdings nicht alleine. 2008 machte ein interessanter Schmetterling das Rennen. Alter Falter!

Namensherkunft
Das Insekt des Jahres 2008 verdient sich die Auszeichnung alleine schon durch die zahlreichen Namensgebungen. Der Falter heißt offiziell „Esparsettenwidderchen“ oder „Krainer Widderchen“. Wissenschaftlich steht der Name „Zygaena carniolica“ in seinem Personalausweis. Der Volksmund gab dem Tierchen den Namen „Blutströpfchenfalter“. Doch der Reihe nach – welche Gründe liegen den verschiedenen Namensgebungen zu Grunde? Das Krainer Widderchen ist die wörtliche Übersetzung der zoologischen Bezeichnung. Eine Landschaft in Slowenien heißt „Krain“. Hier wurde die Schmetterlingsart zum ersten Mal beschrieben. Die bedeutendste Futterpflanze für Raupen ist die „Esparsette“. Danach wurde der Name „Esparsetten-Widderchen“ abgeleitet. „Widderchen“ deshalb, weil die Fühler etwas verdickt und gebogen an die Hörner eines Widders erinnern. Bleibt noch die Klärung der Namensgebung durch den Volksmund. Diese richtet sich wie so oft auch in diesem Fall nach dem Aussehen. Die roten Punkte auf den schwarzen Vorderflügeln verliehen dem Flugobjekt den Namen „Blutströpfchenfalter“.

Vorkommen
Grundsätzlich ist das Krainer Widderchen in unserer Heimat anzutreffen. Allerdings gibt es Ausnahmen: Im Norden Deutschlands ist es ihm offensichtlich zu kalt. Für die Fortpflanzung und die Entwicklung der Raupen benötigt das Tier wilde Wiesen. Zunehmende Bebauungen oder gemähter Rasen zerstören den Lebensraum zunehmend. Aus diesem Grund flüchtet der Blutströpfchenfalter folgerichtig in Randgebiete wie Böschungen oder Bahndämme. Beispielsweise errichteten Weinbauern am Kaiserstuhl Weinberge. Seitdem verschwanden die Esparsettenwidderchen dort aufgrund fehlender Grünflächen völlig von der Bildfläche. Die Raupen fühlen sich bei der Futterpflanze Esparsette wie im Schlaraffenland. Diese wächst auf nährstoffarmen, leicht sandigen Kalkböden. Kein Wunder, dass diese Gebiete der sogenannten Magerrasen die idealen für Raupen in ihrer Entwicklung sind. Die Schmetterlinge unternehmen zur Aufnahme von Nektar allerdings Ausflüge zu Gewächsen wie Disteln, Flockenblumen sowie Dolden- und Korbblütlern.

Fortpflanzung
Das Krainer Widderchen schlüpft ab Juni aus einem gelben, gesponnenen Kokon. Diesen spinnt zuvor eine große Raupe an der Spitze eines Grashalms. Nach etwa zwei Wochen schlüpft der Schmetterling. Obwohl ihnen wissenschaftlich der Status „Nachtfalter“ zugeordnet wird, sind sie am Tag mit zwei Hauptzielen beschäftigt: Aufspüren von Nektar und Fortpflanzungspartner.

Aussehen
Sowohl Raupen als auch Falter des Krainer Widderchens produzieren giftige Blausäure. Doch die Natur hat für ihre Gegenüber eine Hilfe entwickelt, damit die nicht in Versuchung kommen, das Insekt des Jahres 2008 zu fressen. Die grellen Farben sollen potenzielle Feinde abschrecken, also aufgrund der Giftigkeit eine „Win-win-Beziehung“. Natürlich sollte auch der Mensch Berührungen vermeiden sowie Kinder vor dem Kontakt mit dem Mund schützen. Die Flügelspannweite des Blutströpfchenfalters beträgt vier Zentimeter. Nicht zuletzt die künstlerisch wirkenden Flügeloberflächen verschafften dem Falter den begehrten Award.

Foto von Bernd Haynold [CC BY-SA 2.5], from Wikimedia Commons

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