07 Jan

Ein schmaler Grat: Schutz vor und von Insekten

von MVittoria (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

Pestizide und Insekten sind keine Freunde. Kein Wunder, da die Gifte eine tödliche Gefahr für die Lebewesen darstellen. Beim nackten Blick auf den Schutz des Menschen vor Insekten wären Pestizide & Co. ideale Handwerkszeuge. Allerdings ist diese Perspektive viel zu engstirnig und schadet dem Menschen bei umfassender Analyse sogar.

Es gibt verschiedene Gründe, die für den Schutz von Insekten sprechen. Einer ist die Tatsache, dass durch Gifte nicht nur Quälgeister, sondern auch nützliche Insekten sterben. Neben Stechmücken stehen auch Bienen und Schmetterlinge nah am unnatürlichen Tod. Wenn also Menschen der „Mutter Natur“ künstlich zur Hand gehen, gehören schlimme Folgen als Nebenwirkungen zur ganzen Wahrheit. Auch Wildkräuter leiden unter den Giften und verschwinden damit als Nahrungsquelle für nützliche Tiere von der Bildfläche.

Besonders alarmierend sind Zahlen, welche die BUND-Pestizidexpertin Corinna Hölzel präsentiert. Die Leiterin des Projektes „Pestizidfreie Kommunen“ beziffert die Leistungen von Bestäubern bei Kulturpflanzen, denn gut 65 Prozent dieser Gewächse sind zum Überleben auf diese Tiere angewiesen. Die Futterpflanzen sind als Nahrung für Tiere existentiell. Würde diese Quelle wegfallen, würde der Lebensmittelindustrie ein riesengroßer Ast wegbrechen. Um den Kreislauf am Leben zu halten, benötigt es also Insekten als Bestäuber. Diese Leistung schätzt Fachfrau Hölzel ausschließlich in Europa auf jährlich 22 Milliarden Euro. Hunderttausende Arbeitsplätze würden im Falle von Insektensterben den Bach hinunter gehen.

Ein Umdenken in Sachen Insektenschutz ist also alternativlos. Somit ist die Vermeidung oder wenigstens der restriktive Einsatz von Pestiziden sicherlich eine Angriffsfläche. Das ist auch Naturschützerin Hölzel nicht entgangen. Aus diesem Grund hob sie das Projekt „Pestizidfreie Kommunen“ aus der Taufe. Der aktuelle Stand ist überwältigend. Bereits 460 bundesdeutsche Städte und Gemeinden verzichten auf chemisch-synthetische Stoffe bei der Pflege ihrer naturbelassenen Flächen. Seit Anfang Dezember 2017 erreichte der Bund für Umwelt- und Naturschutz mehr Verbindlichkeit in seinem Ansinnen. In einer interaktiven Karte sind alle pestizidfreien Kommunen gelistet. Innerhalb eines Jahres ist die Anzahl auf 500 Prozent gestiegen. Es scheint, als wäre ein inoffizieller Wettbewerb entstanden.

Über die Fortschritte des Projektes freut sich Corinna Hölzel nicht ausschließlich aus dem Grund des Verbotes für Pestizide. Vielmehr spinnen viele Städte und Gemeinde das Ziel des Insektenschutzes in Eigenregie weiter. Beispielsweise wandeln sie Rasenflächen in mehrjährige Blumenwiesen um, da hierdurch der Einsatz von insektenunfreundlichem Saatgut wegfällt. Ebenso nehmen Kommunen einschlägige Klauseln in Pachtverträge für Ackerland auf, die dem Besitzer die Verwendung von Giftstoffen verbieten.

Die Erfolge der Organisation „BUND“ sind also spürbar und nachhaltig, aber noch lange nicht am Ende. Hölzel sieht sich offensichtlich in einem partnerschaftlichen Verhältnis mit den Kommunen. Dem Naturschutz-Profi sind deren verschiedene Funktionen nicht unbekannt. Der Mensch profitiere dabei von Lebensräumen und Spielplätzen sowie Orten der Ruhe. Bedrohte Insektenarten wie Wildbienen fänden hier Rückzugsgebiete und wären damit maßgeblich für die Produktion von Honig, Obst und Gemüse verantwortlich. Laut Hölzel hätten Giftstoffe in diesen Regionen nichts zu suchen. Naturverträgliche Alternativen gäbe es zuhauf. Die Expertin verweist in Kürze auf stärkende Pflanzenjauchen, resistente standortheimische Pflanzen, mechanische Entfernung von Schadinsekten oder das altbekannte Jäten.

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