25 Feb

Gastbeitrag: Was machen Bienen im Winter?

Photo by James Wainscoat on Unsplash

Im Sommer sieht man sie überall schwärmen: Bienen. Wie aber verbringen die nützlichen Insekten eigentlich den Winter, wenn es keine Nahrung mehr gibt und draußen eisige Temperaturen herrschen? Honigbiene und Wildbiene gehen dabei unterschiedlich vor – nicht alle überstehen die kalte Jahreszeit. 

Honigbienen leben in Völkern, die gemeinsam im Bienenstock überwintern. Winterschlaf halten sie dabei nicht. Sie halten sich stattdessen warm, indem sie eine sogenannte Wintertraube bilden. Die Königin wird in der Mitte warmgehalten, denn dort ist der wärmste Platz innerhalb der Traube. Durch Bewegungen ihrer Muskeln können die Tiere dabei Wärme erzeugen – weshalb im Bienenstock auch bei kalten Außentemperaturen wohlige 25 Grad Celsius herrschen. Weil diese Art der Wärmeerzeugung viel Energie verbraucht, wird nur alle paar Tage “gezittert”. Dazwischen fällt die Temperatur im Bienenstock wieder ab.

Muskelbewegungen halten das Bienenvolk warm

Durch die Muskelbewegungen wird die Körpertemperatur der Insekten nicht nur hochgehalten, sondern auch der gesammelte Honig flüssiger gemacht. Durch kalte Temperaturen kann dieser sehr zähflüssig werden. Der verflüssigte Honig kann dann von den Tieren wieder aufgenommen werden und hilft ihnen als Energievorrat über die nächsten Tage, in denen es wieder kälter ist – bis zur nächsten zyklischen Erwärmung des Volkes.

Damit keine Biene erfriert, wechseln die Insekten innerhalb der Traube regelmäßig ihren Standort, denn im Inneren der Wintertraube ist es wärmer als am Rand.

Bei etwas milderen Temperaturen von etwa 12 Grad Celsius schwärmen Bienen zudem regelmäßig zum sogenannten Reinigungsflug aus, um Kot abzusetzen. Wenn es zu kalt ist, um draußen zu fliegen, verrichten die Tiere ihre Notdurft auch mal mehrere Monate lang gar nicht. Andernfalls würden sie den Bienenstock verschmutzen.

Der Stoffwechsel wird heruntergefahren 

Damit die durch das gemeinsame Zittern erzeugte Wärme keine Infektionen durch Keime begünstigt, überziehen die Insekten Oberflächen innerhalb des Nests mit einem dünnen Film aus pflanzlichen Stoffen, die eine harzartige Masse bilden. Die sogenannte Propolis bekämpft Keime, Pilze und Viren.

Zum Überleben auch in langen, kalten Wintern hilft den Bienen ihre Fähigkeit, ihren Stoffwechsel zu verlangsamen. So benötigen sie weniger Energie, die Vorräte im Bienenstock halten länger. Während des Winters zehren die Insekten von gesammeltem Honig oder Ersatzfutter, das der Imker bereitstellt. Zum Frühjahr endet die Zeit im Bienenstock. An den ersten warmen Tagen sammeln die Insekten wieder Pollen und Nektar.

Bei Wildbienen überlebt häufig nur die nächste Generation

Bei Wildbienen sieht die Sache jedoch anders aus. Im Gegensatz zu Honigbienen bilden diese keine mehrjährigen Völker. Sie leben entweder als sogenannte Solitärbienen allein oder nur ein Jahr lang im Volk. Für den Winter schließen sie sich häufig zusammen, um gemeinsam zu überwintern. Dafür suchen sie etwa in Baumhöhlen, Mauerspalten oder Lehmwänden Unterschlupf. Andere Wildbienenarten bevorzugen Pflanzenstängel, etwa von Brombeer- oder Holunderpflanzen, als sicheren Rückzugsort für den Winter.

Die Lebensspanne von Wildbienen beträgt häufig ohnehin nur ein Jahr. Im Sommer legen die weiblichen Tiere Eier in die Brutzellen des Nestes, die, versorgt mit Vorräten und sicher verschlossen, sich selbst überlassen werden. Als Nest werden dabei etwa Pflanzenstängel, Erdlöcher oder Totholz-Plätze bevorzugt. Die Biene selbst stirbt, sobald sie im Sommer ihre Eier gelegt hat. Die Larven verpuppen sich rasch und ruhen dann im Nest. Im Frühjahr oder im Frühsommer schlüpft dann die nächste Generation der Wildbienen.

Das Hummelvolk stirbt, die Königinnen überwintern

Auch Hummeln zählen zu den Wildbienen, leben jedoch in Völkern. Das Jahr über sorgen sie dafür, dass mehrere starke Jungköniginnen herangezogen werden. Kurz vor dem Winter stirbt das Hummelvolk, nur die Königinnen überleben. Sie graben sich in der Erde ein oder suchen an anderer Stelle Schutz vor der Kälte. Sie suchen einen Platz, der so ausgerichtet ist, dass er nicht allzu schnell von den ersten Sonnenstrahlen erwärmt wird. Andernfalls würden die Hummeln zu früh aus dem Winterschlaf erwachen und hätten keine Chance, Nahrung zu finden. Sie müssen deshalb durch die Wahl ihres Überwinterungsortes sicherstellen, dass sie ausreichend lange schlafen. Weil sie sich bis zum Herbst ein Fettpolster angefressen haben, können sie auch eisige Temperaturen überstehen – theoretisch zumindest.

Tatsächlich ist die Sterberate bei Hummeln im Winter hoch. Nur eine von zehn Königinnen überlebt die kalte Jahreszeit.

Die Überwinterung wird Wildbienen erleichtert, indem Kompost- oder Reisighaufen liegengelassen werden. Auch Totholz oder abgestorbene Pflanzenstängel sollten zu diesem Zweck nicht entfernt werden. Hummeln können sich hier verkriechen, wenn es draußen zu kalt für sie wird.

Wer sich mehr über Bienen und ihren Bienenstaat informieren möchte, kann dies hier machen.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Beitrag stammt von einem unserer Gastautoren, bei dem wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bedanken! Auf eigenen Wunsch bleibt er anonym. 

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