22 Dez

Icaridin: In Sachen Insektenschutz Fluch und Segen zugleich

Von PiccoloNamek - Eigenes Werk, uploaded to the English wikipedia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=864636

Insektenschutz hat viele Facetten. Die eine Musterlösung gibt es nicht, vielmehr muss jeder Mensch seinen Weg finden. Faktoren wie Aufkommen der Quälgeister, natürliche oder chemische Wirkstoffe, Kosten oder Aufwand spielen eine Rolle. Allerdings gibt es einige Vorkehrungen, die fast bei jedem Zielobjekt der Blutsauger Sinn machen. So schützt ein Fliegengitter die eigenen vier Wände nie zu hundert Prozent, aber nachhaltig. Ebenso nehmen Menschen unter freiem Himmel gerne Insektensprays in die Pflicht. Durch einen Schutzfilm vermiesen sie den Angreifern ihren Appetit. Doch gibt es auch Nebenwirkungen? Eine interessante Studie brachte unlängst neue Erkenntnisse zu Tage.

Bevor ein neues Medikament seine Zulassung bekommt, muss es zahlreiche Stresstests bestehen. Natürlich muss es in erster Linie helfen, aber Nebenwirkungen und Risiken dürfen kein Glücksspiel sein. So verhält es sich auch mit Insektensprays. Sie belegen die Haut mit einem Schutzfilm, der drohende Blutsauger vor dem Nahkampf abschreckt. Negative Nebenwirkungen für beispielsweise besonders sensible Haut hat die Forschung vor Einführung getestet und weitgehend ausgeschlossen. Umso erstaunlicher, wenn nach einiger Zeit dennoch neue Erkenntnisse auftreten.

Eine Studie befasste sich mit fatalen Folgen von Anti-Mücken-Sprays. Diese enthalten den Wirkstoff Icaridin. Für den menschlichen Körper besteht keine Gefahr, allerdings für die Tierwelt. Die Substanz wird über den Abfluss in die Kanalisation gespült, obwohl es grundsätzlich wasserunlöslich ist. Zusatzstoffe in den Mittelchen erzeugen allerdings eine Reaktion, die das Icaridin abspült. Somit gelangt der Stoff am langen Ende in Flüsse und Seen.

Damit sind automatisch alle Lebewesen Icaridin ausgesetzt. Für Wasserflöhe, Algen und Fische stellt das kein Risiko dar. Allerdings brachten die Forscher vom Cary Institute for Ecosystem Studies in New York etwas anderes zu Tage. Sie stellten nach kurzer Zeit erschreckende Fehlbildungen von Schwanzlurchlarven in kontaminiertem Wasser fest. Wenige Tage später starben gut die Hälfte dieser Wasserbewohner sogar. 

Jetzt könnten Menschen sagen: „Zur falschen Zeit am falschen Ort, aber den Tieren trauert niemand nach.“ Doch das wäre viel zu oberflächlich. Erstens steht die Studie erst am Anfang, denn es ist nicht klar, ob weitere Tierarten von der Gefahr betroffen sind. Dies soll möglichst schnell untersucht werden. Zweitens gibt es im Hinblick auf Insektenschutz eine weitere schlechte Nachricht. Ausgerechnet die Schwanzlurchlarven sind der „natürliche Insektenschutz“ schlechthin. Ihre Hauptnahrungsquelle sind nämlich Insekten. Somit wirkt der Mensch durch Insektenspray direkt auf den Futterkreislauf ein. Die Insekten freuen sich, dass einer ihrer Hauptfeinde durch die dermatologische Industrie außer Gefecht gesetzt wird. 

Ein gutes Beispiel, dass auch die Forschung nie auslernt. Bisherige, klassische LC50-Tests stuften Icaridin nämlich als harmlos für die gesamte Umwelt ein. Ein typischer Fall von „Denkste“!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.