13 Dez

Insekt des Jahres 2011: Die Große Kerbameise – Kleines Tier ganz groß

Von April Nobile und www.AntWeb.org, CC-BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8159049

Herzlichen Glückwunsch, Formica exsecta! Mit dem wissenschaftlichen Namen kann der „Otto-Normal-Verbraucher“ nichts anfangen. Mit der biologischen Benennung durchaus etwas mehr. Die „Große Kerbameise“ setzte sich im Jahre 2011 gegen große und harte Konkurrenz durch. Verdienter Lohn: Die Trophäe bei der „Wahl zum Insekt des Jahres“. Nach näherer Analyse wird die Entscheidung der Jury verständlich.

Besonders bedrohte Insektenarten küren Fachexperten jährlich zum „Insekt des Jahres“. Diese Ehre wurde 2011 der „Großen Kerbameise“ zuteil. „Groß“ ist hier natürlich ein sehr relativer Begriff. Die Arbeiterinnen messen 4,5 bis 7,5 Millimeter, die Männchen zwischen 4,0 und 9,5. Die Königinnen machen ihrem Namen alle Ehre und werden zwischen 7,5 und 9,5 Millimeter lang. Bei Sichtung der „zoologischen Verwandtschafts-Verhältnisse“ kommt für den Hobby-Biologen noch mehr Licht ins Dunkel. Denn die Kerbameise gehört zur Familie der Ameisen, insbesondere zur Gattung der Waldameisen.

Aus der Gattung leitet sich automatisch der bevorzugte Lebensraum des Kleingetiers ab. Offene oder leicht beschattete Areale mit hohem Grasanteil. Waldlichtungen oder Magerrasen mit vereinzeltem Baumbestand sind das Lieblings-Domizil des Insekts. Flussauen sowie dürre Steppen sind dagegen kein Reiseziel. In Mitteleuropa und Skandinavien besiedelt die Kerbameise allerdings durchaus die feuchten Sphären von Moorgebieten. Ansonsten zieht sich das Verbreitungsgebiet von Iberien bis zu den Britischen Inseln. Auch vor Ostsibirien macht die Ameise keinen Halt. In den südlichen Alpen sind Berge bis zu einer Höhe von 2.400 Metern nicht vor ihr sicher.

Sicherlich gibt es in der Tierwelt gefährlichere Exemplare, denn die „Große Kerbameise“ verfügt nicht über Giftstachel. Doch Vorsicht! Feinde müssen trotzdem vor ihren kräftigen Mundwerkzeugen auf der Hut sein. Der Oberkiefer ist sehr breit angelegt. Unmittelbar nach einem Biss spritzt sie aus ihrer Giftblase am Hinterleib Ameisensäure in die Wunde. Zur Lieblingsbeute gehören beispielsweise Raupen, die sich kaum zur Wehr setzen können. Ebenso wie Aas oder tote Insekten. Honigtau von Blattläusen zählt zu den Lieblingsspeisen aller Waldameisen. Hierbei handelt es sich um den zuckerhaltigen Kot der Blattläuse. Kurioserweise gehört die „Kerbameise“ selbst zur Beute des Insektes aus dem Jahr 2010. Der Ameisenlöwe hat es nämlich durchaus auf seinen Nachfolger abgesehen.

Wie entstand der Name „Kerbameise“ eigentlich? Am ersten Segment des Hinterleibes ist eine aufrechte Schuppe zu erkennen. Diese ist eingekerbt. Ansonsten sind Kopf und Hinterleib braunschwarz, der Rumpf rot eingefärbt. An der Mitte des Hinterkopfes befindet sich eine starke Einbuchtung. Das ist ein typisches Erkennungsmerkmal. Die männlichen Tiere haben ein ganz schlimmes Schicksal, denn sie leben nur kurz. Ganz anders die Königinnen, welche bis zu 20 Jahre auf dem Buckel haben können.

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