21 Jan

Insekt des Jahres 2012: Der Hirschkäfer

Hirschkäfer; von Pavel / krasensky - Naturfoto.com, FAL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15167314

Der Hirschkäfer könnte mit seinen einzigartigen „Klauen“ die Hauptrolle in einem Horrorfilm spielen. Die männlichen Waldbewohner haben einen ausgeprägten Oberkiefer, der allerdings wie so oft in der Natur mehr Schein als Sein ist. Erstaunliche Parallelen zum Menschen gibt es beim Kampf um die Herzens-Dame. Vor der Paarung ist gelegentlich ein Konkurrenzkampf vorgeschaltet.

Lucanus cervus – so lautet der lateinische Name des Hirschkäfers. Wörtlich übersetzt bedeuten die zwei Wörter „Waldbewohner“ und „Hirsch“. Damit ist sein präferierter Aufenthaltsort kein Geheimnis mehr. In Süd-, Mittel- und Westeuropa sowie im Norden bis Schweden finden sich die Tierchen vor allem in Wäldern, vorzugsweise aus Eichen bestehend. In besonnten Randgebieten sowie offenen Gebieten wie Obstwiesen, Alleen, Parks oder Gärten fühlt sich der Hirschkäfer pudelwohl.

Das größte Unterscheidungsmerkmal zu anderen Käferarten ist sicherlich das markante Geweih. Dies kann bei den Männchen halb so groß wie der gesamte Rumpf werden. Bestandteil ist der extrem vergrößerte Oberkiefer. Die Weibchen weisen einen schmaleren Kopf und normal entwickelte Oberkiefer auf. Kurioserweise haben die größer ausgebildeten Exemplare der Männchen weniger Kraft. Sie saugen und lecken aus diesem Grund Pflanzensäfte. Beißen und kauen ist allerdings nicht möglich. Deshalb müssen sie auf Unterstützung der femininen Spezies hoffen. Die setzen ihre stärkeren Werkzeuge ein, um die Wunden an Eichen zur vergrößern. Daran können sich in Folge auch die männlichen Sauger laben.

Vor der Paarung kann es – wie bei Menschen – durchaus zu Streitigkeiten um das weibliche Geschlecht kommen. Es kann nur einen geben, der sich mit dem Weibchen paaren darf. Deshalb ist bei Männer-Überhang oftmals ein sog. Kommentkampf angesagt. Hier versuchen die Rivalen, den Konkurrenten mittels ihrer großen Oberkiefer auf den Rücken zu befördern. Der Gewinner hat dann „freie Fahrt“. Die Weibchen greifen unmittelbar vor der Paarung tief in die Trickkiste. Sie betören die potenziellen Väter ihres Nachwuchses mit Sexuallockstoffen (Pheromonen).

Die Entwicklung der Larven ist ein Wunder der Natur und erfordert jede Menge Geduld. Die Weibchen legen etwa zwanzig Eier bis zu 75 cm tief in der Erde ab. In der Nähe von Wurzeln kranker oder toter Bäume. Diese Umgebung benötigt die Entwicklung, welche bis zu acht Jahre in Anspruch nehmen kann. Die cremefarbigen Larven können bei der finalen Häutung bis zu elf Zentimeter lang sein. In einer Tiefe von etwa 20 cm verpuppen sie sich in einer faustgroßen Kammer. Wenn es am schönsten ist, ist das Ende nah. Ausgerechnet nach jahrelangem Aufenthalt unter der Erde sterben die männlichen Exemplare bereits nach wenigen Wochen an der Erdoberfläche. Die Weibchen ereilt der Tod spätestens am Ende des Sommers. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass die Käfer krabbeln und fliegen können.

Die Jury wählt vor allem besonders gefährdete Spezies zum Insekt des Jahres. Dies trifft auf den Hirschkäfer zu. In der bekannten „Roten Liste“ Deutschlands nimmt das Insekt einen ungeliebten Platz in der Kategorie 2 ein. Grund für das Gefährdungspotenzial sind entgegen der landläufigen Meinung keine Sammler. Vielmehr hat sich der Brutraum durch die landwirtschaftliche Entwicklung deutlich verringert. Für alle Insekten der Kategorie 2 sieht die „rote Liste“ eine Verbesserung der Bedingungen in Form von besonderem Schutz sowie Ausbau von Nistplätzen vor.

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