16 Jun

Insekt des Jahres 2017 – Die Gottesanbeterin

EricPoehlsen at German Wikipedia [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]

Es gibt auch Gewinner des Klimawandels. Hierzu zählt die „Gottesanbeterin“ als Insekt des Jahres 2017. Ohnehin wartet das Kleintier mit einigen Kuriositäten auf. Eine genauere Analyse über den Körperbau, das Verhalten und die Lebensgewohnheiten lohnt. Beispielsweise haben die Weibchen den Hut auf, zumal die Männchen nach der Paarung manchmal keinen mehr aufhaben können.

Verkehrte Welt zur Menschheit: Im Vergleich zu den Männchen ist der weibliche Rumpf im Durchschnitt weitaus länger. 75 Millimeter zu 60 Millimeter beträgt der Unterschied hinsichtlich der Maximalausdehnung. Während oder unmittelbar nach dem Paarungsvorgang bewegen sich die Männchen auf sehr dünnem Eis. Gelegentlich verspeisen ihre Sexualpartner den maskulinen Kopf. Ob mit oder ohne Partner leisten die Weibchen in der Folge Schwerstarbeit. Sage und schreibe bis zu 200 Eier legen sie an Steinen oder Grashalmen ab. Eine Schutzschicht aus einer harten Schaummasse rettet die Larven in den Wintermonaten vor dem Erfrieren. Ihre Eltern sterben bereits vor dem Wintereinbruch, im Frühling schlüpfen die Larven.

Täglich ist Bienen- und Insektensterben generell in aller Munde. Bei der Gottesanbeterin ist die Entwicklung eher invers zu sehen. Das Geschöpf fühlt sich insbesondere in warmen Gefilden pudelwohl. Kein Wunder, da die Fangschrecke ursprünglich in Afrika ihre Heimat hatte. Mit steigenden Temperaturen breitete sich das Tier immer weiter nach Norden aus. Somit ist es mittlerweile nahezu im gesamten deutschen Bundesgebiet zu finden. Die Entwicklung dürfte für Tierfreunde eine positive Nachricht darstellen, denn im Gegensatz zu anderen Lebewesen rechnen Experten mit einer rosigen Zukunft für die „Mantis religiosa“. Noch gilt sie in der Schweiz, Österreich und Deutschland als bedrohte Art, allerdings dürfte dieser Status bald der Vergangenheit angehören. Für die Gottesanbeterin muss Greta Thunberg also nicht auf der Straße protestieren. Hier würde die Naturaktivistin allerdings auch kaum auf die Heuschreckenart treffen. Die fühlt sich nämlich besonders in Gebieten mit südlicher Hanglage wohl. Weinberge, Gras- und Buschlandschaften, Halbtrockenrasen sowie Ruderalflächen mit lockerer Vegetation sind beliebte Wohngebiete.

Woher rührt der Name „Gottesanbeterin“? Auf Beutezug begeben sich die Tiere mit angewinkelten Vorderbeinen, welche einem knienden Kirchenbesucher ähneln. Für kleine Insekten, ab und zu auch Wirbeltiere wie Frösche, Eidechsen oder Mäuse, ist die Messe dann meist gelesen. Mit den zwei großen Facettenaugen observiert die Gottesanbeterin ihre potenzielle Beute. Binnen 50 bis 60 Millisekunden setzt die Fangschrecke ihre dornenbehafteten Beine per Fangschlag ein. Dagegen dauert ein Lidschlag beim Menschen eine halbe Ewigkeit. Die Heuschreckenart ist somit als „Raubinsekt“ zu sehen. Auch der unmittelbar vor dem Fangschlag gesenkte Kopf wähnt die Beute in Sicherheit. Der dreieckige Kopf mit den im Verhältnis sehr großen Augenpaaren und der grünen Farbe erinnern an das Aussehen von Aliens in einem Science-Fiction-Film.

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