30 Nov

Insekt des Monats November: Die Bettwanze

Kommt in der Nacht aus ihrem Versteck, um sich vom Blut der Lebenden zu ernähren: die Bettwanze. Foto: Centers for Disease Control and Prevention

Sie schienen jahrzehntelang nahezu ausgestorben. Doch jetzt sind die Parasiten wieder in deutschen Schlafzimmern angekommen: Unterm Laken, auf der Lauer sitzt die kleine … Bettwanze.

Anfang des Jahres berichtete der MDR von einer erneut aufflammenden Bettwanzen-Plage in deutschen Großstädten. Die Zahl der Einsätze von Kammerjägern ist nach Angaben des Deutschen Schädlingsbekämpfungsverbandes von 2007 bis 2014 allein in Berlin von 200 auf über 1500 pro Jahr gestiegen – rein rechnerisch kämpften die Schädlingsbekämpfer also an jedem Tag viermal irgendwo in Berlin gegen die Blutsauger. Aktuelle Zahlen fehlen momentan leider noch.

Bettwanzen sind oval bis birnenförmig. Foto: Cem Topcu. Wikimedia Commons

Bettwanzen sind oval bis birnenförmig. Foto: Cem Topcu. Wikimedia Commons

Ein Grund für den rasanten Anstieg ist das erhöhte Reiseaufkommen weltweit: Touristen und Geschäftsleute tragen die Parasiten von Langstreckenflügen in Koffern, Mitbringseln und in der Kleidung ins Land. Dabei ist es egal, aus welchem Land die Reisenden kommen. Bettwanzen fühlen sich nahezu überall heimisch, wo es genug Nahrung gibt. Bevorzugte Wirte sind Säugetiere, also auch der Mensch, und Vögel.

Hotels, Hostels und Jugendherbergen wirken für die Parasiten wie Verteilerkästen. Die Wanzen verstecken sich unter der Matratze, in Fußzeilen oder auch in Bilderrahmen. Nachts kommen sie aus ihrem Unterschlupf und ernähren sich vom Blut der Übernachtungsgäste. Danach steigen sie in den nächsten Koffer, um sich weiter zu verbreiten.

Wie sehen Bettwanzen aus?

Bettwanzen (Cimex lectularius) sind 4 bis 8 Millimeter große, flache Insekten. Ausgewachsene Exemplare sind oval geformt, behaart und besitzen eine rötlich braune Färbung. Im Gegensatz zu vielen ihrer Wanzen-Verwandten sind sie allerdings nicht flugfähig, da ihre Flügel verkümmert sind. Die Larven der Bettwanzen sind blassrot bis weißlich.

Was sind die Anzeichen für einen Befall?

Wer im Schlafzimmer einen leicht süßlichen Geruch bemerkt, der sollte Bett und nahe gelegene Nischen und Ritzen untersuchen. Bettwanzen besitzen eine Drüse, die ein stinkendes Sekret absondert. Mit dem Geruch kommunizieren sie mit ihren Artgenossen.

Foto: Benjamin Haas / Depositphotos.com

Sobald wir schlafen, kriechen Bettwanzen unter der Matratze oder aus anderen Verstecken hervor. Foto: Benjamin Haas / Depositphotos.com

Leider merkt man häufig erst nach einem Stich, dass die Parasiten im Raum sind. Straßenartige Muster der Stiche weisen auf Bettwanzen hin, da sie während der Bewegung auch mehrmals Blut saugen können.

Der Speichel der Insekten kann zudem heftige allergische Reaktionen auf der Haut hervorrufen. Dicke, blutunterlaufene Pusteln können die Folge sein. Bei den meisten Menschen ist der Stich jedoch ähnlich einem Mückenstich und klingt schon nach ein paar Tagen ab. Krankheiten übertragen die Parasiten nicht.

Was kann ich dagegen tun?

Wenn der Verdacht für einen Befall besteht, gibt es ein paar einfache Vorgehensweisen, um eine aufkommende Bettwanzen-Plage zu bekämpfen:

  • Hitze: Bettwanzen sterben, wenn sie einer Temperatur von über 50 Grad für längere Zeit ausgesetzt sind. Manchmal reicht es schon, die Bettwäsche bei 60 Grad in der Waschmaschine zu waschen. Falls Gegenstände wie Bilderrahmen oder Bücher befallen sind, können Sie diese in einer Plastiktüte in die Sonne legen. Die darin entstehenden Temperaturen töten die Parasiten. Bei einem größeren Befall sollten Sie unbedingt einen Kammerjäger hinzuziehen. Diese können mit der Hilfe von speziellen Heizungen Ihre Wohnung für mehrere Tage auf über 50 Grad erhitzen und so die Parasiten bekämpfen.
  • Kälte: Gegenstände und Wäsche, die keine große Hitze vertragen, können stattdessen gefrostet werden. Den befallenen Gegenstand einfach in einen Gefrierbeutel geben und bei unter minus 18 Grad ins Gefrierfach legen. Wanzen und Eier sind nach spätestens drei Tagen Kältekur abgetötet.
  • Achtung: Befallene Elektroartikel wie Wecker oder Uhren sollten weder mit Hitze noch mit Kälte behandelt werden. Zu hohe oder niedrige Temperaturen zerstören die Geräte und Batterien können explodieren.
  • Insektizide: Den Einsatz von Insektiziden sollten Sie auf jeden Fall professionellen Schädlingsbekämpfern überlassen. Ihre Wohnung wird dann auf jeden Fall auch ein paar Tage unbewohnbar sein. Die Vorgehensweise und die Anzahl der Behandlungen können unterschiedlich sein. Für genauere Informationen hierzu setzen Sie sich mit einem Schädlingsbekämpfer in Ihrer Nähe in Verbindung.

Wie ernst die Bettwanzen-Lage momentan tatsächlich ist, zeigt eine Reportage auf Welt.de. Eine Reporterin hat am Frankfurter Flughafen ein Team von Hundeführern besucht, die sich auf die Suche nach den Parasiten spezialisiert hat.

Ein Gedanke zu “Insekt des Monats November: Die Bettwanze

  1. Ich fand diesen Artikel sehr interessant und ausführlich und kann leider aus meiner Erfahrung bestätigen, dass diese Parasiten sich wirklich fast überall in Europa verbreiten.
    Ich wohne nämlich in Lissabon (Portugal) und vor ca. 6 Monaten wurde ein Bekannter von mir von einem dieser Parasiten am Bein gestochen. Aufgrund einer darauffolgenden Allergie musste bei ihm ein kleiner chirurgischer Eingriff gemacht werden, was ihn für mehr als 2 Wochen arbeitsunfähig machte.

    Aus diesem Grund finde ich es wichtig, Leute vor diesen Parasiten zu warnen und deshalb danke ich euch schließlich für diesen Artikel.

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