26 Okt

Insekt des Monats Oktober: Die Gemeine Binsenjungfer

Grazil, blitzschnell und geheimnisvoll: Die Libelle ist ein außergewöhnliches Insekt – ein Räuber, der verschwindet, bevor man ihn richtig gesehen hat. Die Gemeine Binsenjungfer kann sogar noch mehr: sie warnt uns vor dem Klimawandel.


Die Gemeine Binsenjungfer ist so gefräßig, dass sie selbst unter den Libellenarten als Superräuber bekannt ist. Leider ist ihre Populationsstärke aufgrund der fortschreitenden Klimaerwärmung rückläufig. Deswegen hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sie zur Libelle des Jahres 2016 gekürt und wir sie zu unserem Insekt des Monats.

 

Die Gemeine Binsenjungfer: Wie erkenne ich sie?

Männliche Gemeine Binsenjungfer. Foto: J Wolf BUND

Männliches Exemplar. Foto: J. Wolf, BUND.

Weibliche Gemeine Binsenjungfer. Foto: J Wolf, BUND

Weibliches Exemplar. Foto: J. Wolf, BUND.

Die Gemeine Binsenjungfer (Lestes sponsa) gilt mit 3,5 bis 4 Zentimetern als eine der kleineren Libellenarten. Eine grün-metallische Färbung auf der Oberseite ist ihr Markenzeichen, wobei die Männchen an der Unterseite und am Kopf hellblau bereift sind. Die Weibchen sind minimal größer als ihre männlichen Artgenossen und bronzefarben unterlegt.

 

Libellen – Langschläfer und Vielfraße

Paarungsrad Gemeine Binsenjungfer. Foto: J Wolf, BUND

Herzensangelegenheit: Libellen verbinden sich bei der Befruchtung zum sogenannten Paarungsrad. Foto: J. Wolf, BUND.

Die Lebensdauer von Libellen liegt bei circa einem Jahr. Die meisten Arten verbringen die Hälfte davon allerdings im Eistadium. Die Eier werden nach der Paarung in Pflanzenreste, unter Wasser oder am Gewässerrand gelegt. Dort halten sie ihren Winterschlaf und sichern so die Population im Folgejahr.
Die Larven der Gemeinen Binsenjungfer schlüpfen, wie alle anderen Libellenarten, im Frühjahr. Allerdings entwickelt sich diese Art teilweise doppelt so schnell wie die anderen. Bereits innerhalb von 5 bis 12 Wochen wird aus der Larve eine flugfähige Libelle. Der Grund: Die Gemeine Binsenjungfer ist ein Vielfraß. Durch die erhöhte Nahrungsaufnahme wird die Jungfer jedoch auch schnell zur Bedrohung für andere Arten. Wenn eine starke Generation Binsenjungfern ihren Hunger stillt, fallen ihr sogar die Larven anderer Arten und Insekten zum Opfer. Eine langfristige Gefahr für andere Arten stellt die Jungfer aber nicht dar.

Bilder der Larven finden Sie auf der Webseite der Königlichen Gesellschaft für Vogelschutz. Der englische Name der Binsenjungfer ist Emerald Damselfly.

 

Die Libelle im Kampf gegen den Klimawandel

Im Kampf ums Überleben nutzt der Binsenjungfer ihre Gefräßigkeit langfristig leider nicht viel. Obwohl diese Libellenart offiziell noch nicht gefährdet ist, geht ihr Bestand doch in großen Schritten zurück. Wärmere und längere Sommer trocknen kleine, stehende Gewässer, die Hauptlebensräume der Jungfer, immer häufiger aus. Die Austrocknung eines einzigen Tümpels kann so zum Tod einer ganzen Generation von Libellen werden. Ein Schicksal, das die Gemeine Binsenjungfer leider mit vielen anderen Arten teilt.
Um auf die Gefahr der Klimaerwärmung für die Artenvielfalt aufmerksam zu machen, kürt der BUND regelmäßig die Libelle des Jahres. Die Gemeine Binsenjungfer steht in diesem Jahr im Rampenlicht. Allerdings könnte es sein, dass wir sie bald nicht mehr so häufig zu Gesicht bekommen. Umso wichtiger ist es, dass wir alle unseren Teil zum Klimaschutz beitragen. Für die Gemeine Binsenjungfer und für uns selbst.

-> Offizielle Beschreibung der Gemeinen Binsenjungfer – BUND Libelle des Jahres 2016

-> Wissenschaftliches Profil der Gemeinen Binsenjungfer auf www.libellenwissen.de

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