20 Jun

Mückeninvasion – ein Eigentor in Wolgograd?

Mückenparadies Wolgadelta, Von Markv, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1759441

Seit einer Woche rollen und fliegen sie wieder. Gemeint sind einerseits die Bälle bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland, andererseits soll mehr noch der Rubel rollen. Neben den Bällen sind aber auch unerwünschte Flugobjekte im Einsatz und sorgten bereits für Schlagzeilen: Stechmücken als massenhaft ungebetene Gäste in der neuen Arena in Wolgograd.

Auf diesem Blog hatten wir Sie bereits auf eine Reise nach Russland eingeladen und Sie dabei auf die Insektenvielfalt in wasserreichen Regionen hingewiesen. Dass wir nun wieder dorthin blicken, liegt an einer Meldung, die es in die Top-Schlagzeilen von der Fußball-WM geschafft hat. Beim Spiel England gegen Tunesien litten Spieler und Zuschauer unter dem enormen Zuschauerinteresse aus den Wiesen und Sümpfen zu beiden Seiten des Wolgastrandes, dass selbst die deutsche ARD-Korrespondentin Julia Scharf vor Ort mit Insektenschutzkleidung vor die Kamera trat.

Interessant ist vor allem die Frage, warum die Invasion der Blutsauger ausgerechnet hier stattfand, während andernorts die Fußballfans weitgehend unbehelligt bleiben. Handelt es sich bei den Mücken am Wolgaknie etwa um ausgesprochen clever organisierte Exemplare, die das Spiel ohne Eintritt, aber mit “all you can drink” ohne Warteschlangen an den mehr als 45.000 Getränkeständen zum abendlichen Dinner-Happening nutzten? Oder gelten die zahlreich herbeigeströmten englischen Touristen als unwiderstehliche Delikatessen im Vergleich zur gewohnten Alltagsnahrung der Mückenweibchen? Bekanntlich saugen ja nur diese Blut, während die Männchen sich voll und ganz auf das Spiel konzentrieren können.

Ein Satz in der Meldung führt in eine andere Richtung und zeigt, wie man sich irren kann. In nicht ganz so weiser Vorausschau soll die russische Regionalverwaltung veranlasst haben, dass rund um die Metropole Insektengift versprüht wird, damit die Besucher aus aller Welt vor zudringlichen Insekten verschont bleiben. Die Planer rechneten allerdings wohl nicht mit der Reaktion der Angegriffenen. Anstatt wie beabsichtigt zu sterben flohen diese nun mutmaßlich in die Stadt hinein und fanden schließlich beim Fußballspiel ein Ziel mit reich gedecktem Tisch vor.

Während die russische Mannschaft sehr erfolgreich in das Turnier gestartet ist, ist den Organisatoren in Wolgograd wohl ein bemerkenswertes Eigentor gelungen. Wir wissen nicht, ob sie nun die Taktik des Verschleierns anwenden, doch erscheint uns dieses Stichwort als guter Rat für die Fans der nächsten Spiele in der Arena. Den Spielern der nächsten Begegnung Island gegen Nigeria könnte das Geschwirr jedenfalls Beine machen.

Was uns noch dazu einfällt, ist naheliegenderweise die Frage nach der Ausrüstung eines ganzen Fußballstadions mit Insektenschutzgittern inklusive vernetzter Dachkonstruktion. Eine Muggergitter-Arena wäre doch eine weltmeisterliche Herausforderung, die wir glatt annehmen würden.

Bis dahin ergeht unser Gruß an die Wolgograder Mücken: Na sdorowje!

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