08 Okt

Tarnen und Täuschen als Strategie

Täuschen und Tarnen sind bewährte Überlebensstrategien und wohl nahezu so alt wie das Leben selbst. Sowohl die Tier- als auch die Pflanzenwelt kennt unzählige Varianten. Insbesondere im Reich der Insekten hat sich die Evolution einiges einfallen lassen. Da liegt doch die Frage nahe, wie sich der Mensch die Erkenntnisse im Sinne der Insektenabwehr zunutze machen kann.

Zum großen Teil bestimmen Urinstinkte und Triebe den Tagesablauf von Lebewesen höherer Ordnung. Nahrungssuche und Fortpflanzung sind die Triebfedern für die erstaunlichsten Errungenschaften. Wir kennen dies von uns selbst. Je weiter entwickelt eine Spezies ist, desto ausgeklügelter dürfen die Methoden zur Erhaltung und Verbreitung der Art sein.

Im ewigen Wettbewerb des Fressens und Gefressen-werdens ist das Versteckspiel ein probates Mittel, länger am Leben zu bleiben. Jäger tarnen sich ebenso wie die Objekte ihrer Begierde, indem sie in Höhlen kriechen oder sich wie der Unter- oder Hintergrund verkleiden. Bestes Beispiel ist das Chamäleon, das sein Aussehen blitzschnell verändern kann, um wieder nahezu unsichtbar zu sein. Gemusterte Vogeleier oder die Physiognomie von Gespensterschrecken, die von Zweigen kaum zu unterscheiden sind, liefern weitere faszinierende Beispiele.

Neben der Tarnung als Versteck kann Täuschung auch als Abschreckung dienen. Einfache Beispiele dafür sind der Katzenbuckel, die Giftigkeit vorspielende Unterseite der Gelbbauchunke oder die Körperzeichnung mancher Schwebfliegenarten im Wespenlook. Die optische Nachahmung anderer Arten zur Abschreckung bezeichnet der Biologe auch als Mimikry und kommt bei Insekten häufig vor.

Eine weitere Methode, um an Nahrung zu gelangen, ist die Täuschung durch Lockmittel. Auch hier gibt es ganz erstaunliche Lebewesen. Ausgestattet mit einer körpereigenen Angel samt Köder, die sich aus dem vordersten Teil der Flosse bildet, geht der Anglerfisch in den Tiefen des Meeres auf Jagd. Diese Form der Täuschung wird auch Angriffsmimikry genannt. Florale Beispiele sind die fleischfressenden Pflanzen, die Fliegen mit verlockenden Düften in die Todesfalle locken.

Damit wären wir wieder beim Thema Insektenschutz. Auch wir locken lästige Schwirrgeister gerne in Fliegen- und Mückenfallen, indem wir ihnen ein Stück Schlaraffenland vorgaukeln. Haben Sie es andererseits schon mal mit Mimikry versucht? Es wäre einen Versuch wert herauszufinden, ob ein mit Hornissen bedrucktes Tischtuch Wespen abhält oder ob ein auf Hemd oder Bluse aufgedruckter Frosch Fliegen vertreibt. Modedesignern bieten sich hierfür eine Menge Möglichkeiten.

Um lästige Mücken am Einfliegen in offene Fenster zu hindern, könnten Sie Attrappen von Fressfeinden, etwa von Vögeln, auf den Fensterbänken platzieren. Möglicherweise hilft dies ein wenig, doch sollten Sie bedenken, dass wie bei uns Menschen auch im Tierreich nicht jedes Individuum gleich ist. Manche sind schlicht zu dumm, um die Gefahr zu erkennen, andere zu schlau, um auf die Täuschung hereinzufallen. Die Evolution bleibt halt nicht stehen, nicht einmal bei den Insekten.

Gleiches gilt für uns. Am Bewährten halten wir fest und so dürfen Sie mit unseren Muggergittern auf Nummer sicher gehen. Andererseits sind wir kreativ und finden auch für Ihre spezielle Strategie die passende Lösung – in Form, Farbe und fast unsichtbar. Im Sinne einer perfekten Tarnung…

Foto: Wespenschwebfliege; von Alvesgaspar, CC BY-SA 3.0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.