06 Dez

Wo sind all die Insekten hin – wo sind sie geblieben?

von MVittoria (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

Seit einigen Monaten liegen die Ergebnisse einer Langzeitstudie auf dem Tisch, deren Ergebnisse höchst alarmierend sein sollten: Die Anzahl der Insekten in Deutschland ist drastisch zurückgegangen – mit unabsehbaren Folgen für unser gesamtes Ökosystem.

Forscher des Entomologischen Vereins Krefeld untersuchten in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund Deutschland e.V. anhand sogenannter Malaise-Fallen die Entwicklung der Biomasse von Fluginsekten an 88 Messstellen in Nordrhein-Westfalen und verzeichneten dabei einen kontinuierlichen Verlust von mehr als 75 % innerhalb von 23 Jahren seit 1989. Dieser betrifft alle eingefangenen Arten. Die Ergebnisse wurden im vergangenen Jahr dem Umweltausschuss des Bundestags vorgestellt und gingen als alarmierende Headline durch die Presse.

Auf diesem Blog hatten wir kürzlich erst auf das dramatische Bienensterben hingewiesen und dabei mögliche Ursachen genannt. Dass sich der nun dokumentierte Insektenschwund hierzulande über viele tausend Arten erstreckt, ist noch weit gravierender und lässt sich anhand mehrerer Folgen täglich beobachten. Zum einen finden sich selbst in feuchten Sommern sehr viel weniger tote Insekten als noch vor wenigen Jahren auf Windschutzscheiben und Scheinwerfern, zum anderen – und das erschreckt wesentlich mehr – sind mit den Insekten auch die Singvögel signifikant selten geworden, was höchstwahrscheinlich am geringen Nahrungsangebot liegen dürfte.

Was wir hier beobachten, ist wohl nichts weniger als eine ökologische Katastrophe und wir hoffen, dass es nicht zu spät ist, den Trend umzukehren. Die komplette Nahrungskette ist betroffen und wir alle müssen befürchten, dass in der Folge immer mehr Tierarten aus unserer Umwelt verschwinden werden. Ganz gleich, ob die Ursachen in der intensiven Landbewirtschaftung, dem Einsatz von Pestiziden, der Gentechnik, der Ausbreitung von Krankheiten und Parasiten, dem Klimawandel, der Zersiedlung der Lebensräume oder anderen Faktoren wie etwa der Lichtverschmutzung liegen, wir machen uns ernsthafte Gedanken um unsere Existenzgrundlage.

Keine Angst haben wir davor, dass niemand mehr Insektenschutzgitter benötigen würde. Fliegen und Mücken wird es auch weiterhin reichlich geben. Wir brauchen allerdings die Insekten in ihrer ganzen Vielfalt in ihren angestammten Lebensräumen – als Muggergittermacher und noch mehr als Menschen, die sich um ihre Heimat und um ihre Familien sorgen.

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