07 Jan

Alien des Jahres 2021: Marienkäfer

Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata) (Seven-Spot Ladybug) Foto: User Quartl, Wikimedia Commons

Hätten Sie die Antwort auf die Preisfrage von Günther Jauch bei „Wer wird Millionär?“ gewusst? Immerhin ging es für den Kandidaten um 900.000 Euro. Die Antwort verbindet Österreich mit Aliens und Insekten. Wir lösen auf.

Natur- und Insektenschutz waren in unseren Artikeln schon häufiger ein Thema. Nicht ohne Grund standen diese Themen in der Öffentlichkeit zuvor kaum höher im Kurs. Eine interessante Perspektive eröffnete Quizmaster Günther Jauch mit seiner 900.000-Euro-Frage bei der gestrigen Rateshow. „Welche durchaus ernst gemeinte Auszeichnung wird alljährlich von Naturschützern in Österreich verliehen?“, lautete die Frage aller Fragen. Antwort: „Alien des Jahres“. Der Kandidat hätte richtig getippt, bekam aber kalte Füße und brachte lieber seine Gewinnstufe von 250.000 Euro ins Trockene.

Was auf den ersten Blick sehr skurril anmutet, das erklärte der Kandidat trotz fehlendem Wissen absolut korrekt. Der österreichische Naturschutzbund möchte mit dieser Auszeichnung nämlich auf „Eindringlinge“ aufmerksam machen, welche die einheimische Natur gefährden. Experten sprechen dabei von sogenannten „Neobiota“. Das sind Arten, die sich mit menschlicher Hilfe in Gebieten ansiedeln, in denen sie vorher nicht heimisch waren. Dazu zählen Pflanzen, Pilze oder Tiere. Die Ausbreitung dieser ehemals gebietsfremden Artgenossen kann den etablierten ihre natürliche Entfaltung streitig machen, bis hin zur Gefährdung. Damit ist der Titel „Alien des Jahres“ aufgrund einer Herkunft aus fernen Ländern verständlich.

Der „Import“ durch den Menschen passiert meist unbeabsichtigt. Weltweite Transportmittel wie den Güter- oder Schiffsverkehr machen sich „Neobiota“ als „blinde Passagiere“ zu eigen. Am Zielort angelangt bestechen sie meist durch eine hervorragende Anpassungsfähigkeit und können sich somit trotz veränderter klimatischer Bedingungen entwickeln und ausbreiten.

2021 wählte die Jury des österreichischen Naturschutzbundes den „Asiatischen Marienkäfer“ zum „Alien des Jahres“. Ende des 20. Jahrhunderts führten Menschen diese Käferart mit Absicht zunächst in die USA und im Anschluss nach Europa ein. Sie half uns Zweibeinern bei der Schädlingsbekämpfung. Mittlerweile sehen sie viele Experten allerdings selbst als Schädling an, denn sie verdrängt einheimische Marienkäferarten sowie Insekten. Im Herbst treten die Flugobjekte in Schwärmen auf und suchen vor allem Häuser und andere geschützte Orte für die Überwinterung.

Einst also ein „Freund des Menschen“ hinsichtlich Schädlingsbekämpfung, entpuppte sich der „Asiatische Marienkäfer“ in vielen Bereichen auch für den Menschen zum Feind. Beispielsweise sucht das Kleintier insbesondere in Zeiten der Weinlese direkt an den Trauben „Unterschlupf“. Sofern die Käfer in die Weinverarbeitung gelangen, sinkt die Qualität durch den Beigeschmack immens. Grundsätzlich setzt die Käferart ihren übel riechenden “Duft” zur Abwehr von Fressfeinden ein. Bei der Weinverarbeitung führt das zwangsläufig zu Qualitätsverlust. Ein Insektenschutzgitter müssen Sie ausschließlich wegen des „Asiatischen Marienkäfers“ womöglich nicht installieren. Aufgrund der nahezu unendlichen Anzahl anderer Kleintiere und Pollen macht es jedoch auf alle Fälle Sinn.

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