23 Jan

Bauernproteste vs. Insektenschutz und was auf dem Spiel steht

Von goofup, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6143343

Im vergangenen Jahr war der Insektenschwund immer wieder auf den Titelseiten namhafter Medien zu finden. Wissenschaftler und Bürgerinitiativen forderten mehr Klima- und Artenschutz und nicht zuletzt dank “Frydays for Future” nahm schließlich auch die Politik dieses Thema auf die Prioritätenliste. Selbst auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos, der momentan dort sein 50-jähriges Jubiläum feiert, dürften mit der Klimadebatte auch Insekten – wenigstens am Rande – eine Rolle spielen.

Hierzulande haben sich derweil Meldungen über Schutzmaßnahmen zugunsten der kleinen Kreucher und Fleucher auf die hinteren Seiten verzogen. Für jedermann sichtbar stehen dafür weit verbreitet grüne Kreuze auf zahlreichen Feldern und immer wieder veranstalten Landwirte Sternfahrten und Flashmobs mit ihren Traktoren, um auf ihre Seite der Medaille hinzuweisen.

Zweifellos ist die Landwirtschaft einer der Grundpfeiler unserer Gesellschaft. Dort, wo sie sich zur Industrie ausgewachsen hat, ist mutmaßlich eine der Hauptursachen für den Artenschwund bei Insekten und in Folge davon bei Vögeln zu finden. Monokulturen und der großflächige Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sichern den Produktionsbetrieben zwar planbare Erträge, doch sind diese mit den dramatischen Folgen für die Natur teuer erkauft.

Mit den nun verschärften Düngeverordnungen zum Grundwasserschutz, der Erweiterung von Schutzräumen für die Artenvielfalt und die Forderung auf Verzicht bisher gängiger Pestizide fühlen sich die Landwirte, die sich ob des mit den Maßnahmen verbundenen Aufwands in ihrer Existenz bedroht sehen, an den Pranger gestellt und wehren sich mit medienwirksamen Aktionen gegen das “Bauernbashing”.

Allerdings dürfte sowohl den Großbetrieben als auch den Nebenerwerbslandwirten klar sein, dass ein “weiter wie bisher” keine nachhaltige Strategie zum Überleben sein kann – weder für sich selbst noch für die Menschen, die ihre Produkte kaufen sollen. Während sie dem Klimawandel mit künstlicher Bewässerung und Züchtung hitzerobusterer Sorten begegnen könnte, lässt sich die systemrelevante Rolle der Insektenwelt für unser aller Existenz kaum ersetzen.

So ist ein grundsätzliches Umdenken notwendig. Dabei hat die Landwirtschaft vielleicht die meiste Arbeit vor sich. Gefangen in einem System, das zwischen dem Preisdiktat der Handelsketten und EU-Subventionen festgezurrt ist, kann sie daraus nur eine Gruppe befreien: der sogenannte Verbraucher. Der Mensch ist es schließlich, an dem letztlich alles hängt: Mit seinen Ernährungsgewohnheiten und seinem Kaufverhalten bestimmt er seine Gesundheit und seine Zukunft. Eine entscheidende Frage ist, ob dem Großteil der Bevölkerung dies wirklich bewusst ist.

So tut Aufklärung not. Dass dies funktionieren kann, zeigen Tendenzen in der nachwachsenden Generation. Aus deren berechtigten Sorgen um eine lebenswerte Zukunft erwachsen Forderungen nach nachhaltiger Bewirtschaftung mit sauberem Trinkwasser und gesünderer Ernährung und zunehmenden Verzicht auf Fleisch. Dabei spielen nationale Interessen keine Rolle, denn diese Probleme kennen keine Grenzen, ebensowenig wie die Insekten.

Hoffen wir, dass – wie beim Thema Computer – Eltern und Großeltern bereit sind, von ihren Kindern zu lernen, denn die Zukunft ist kein Spiel, sie steht nur drauf…

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