22 Okt

Blumenwiesen – Symbiose von Ökologie und Ökonomie  

Eine Blumenwiese https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Blumenwiese2.jpg

Für Viele ist „Geld verdienen“ mit Abstand die wichtigste Triebfeder in ihrem Beruf. Landwirt ist sicherlich ein ganz spezieller Job. Dafür müssen Menschen „geboren sein“. Im Falle von Georg Zimmermann ist das nicht anders. Der 58-Jährige Familienvater aus Unterfranken gibt als Hobby „Pferdehaltung und reiten“ zu Protokoll. Viel mehr „Natur“ geht wohl kaum. Nun verrät der hauptberufliche Landwirt interessante Eindrücke aus der Welt der „Blumenwiesen“. In welchem Verhältnis steht der ökologische Mehrwert für Insekten zum finanziellen Ertrag für die Landwirte?

Im ersten Teil dieser Serie brachte Zimmermann deutlich zum Ausdruck, welchen Ertrag er sich aus Blühwiesen erhofft. In Kooperation mit Frau Marzini von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) erarbeiteten die Beteiligten Konzepte für die Ausgestaltung von Blühwiesen. Für zwei verschiedene Blühmischungen entschieden sich die Fachleute. Die erste verwandelte die Erdoberfläche laut dem Fachmann in eine sogenannte „Hanfwiese“. Sie steht mehr als sechs Jahre und wird jährlich Anfang Juli geerntet. Den Ertrag für die Biogasanlage beziffert Zimmermann mit lediglich 30 bis 50 Prozent im Vergleich zur Maisernte. Ein Glücksfall also für die Insekten, ein finanzielles Waterloo für die Landwirte. Vielmehr musste Zimmermann sogar eine Nullrunde in Kauf nehmen: „Nach fünf Jahren war der Bestand verdünnt. Um ein Aussamen zu ermöglichen, haben wir nicht geerntet. Die erhoffte Verbesserung blieb aufgrund extremer Trockenheit leider auch im sechsten Jahr aus.“ Als Sahnehäubchen blieben bislang staatliche Prämien aus, weil das Feld mehrmals geerntet wurde. Unter diesen Voraussetzungen macht eine Implementierung von verschiedenen, mehrjährigen Blühpflanzen wenig Sinn.

Etwas anders verhielt es sich mit der zweiten Blühmischung. Sie setzt sich aus Durchwachsene Silphie und anderen mehrjährigen Blühpflanzen zusammen. Bereits nach drei Jahren ist das Ende des Blüherfolges erreicht. Allerdings berichtet der Landwirt von anderen, großen Vorteilen: „Diese Wiese wird analog dem Mais erst im September geerntet. Das ist ein großer Vorteil im Vergleich zur ersten Blühmischung. Außerdem erhielt ich in diesem Jahr erstmals eine kleine Subvention, wodurch das Konzept natürlich attraktiver wird.“

Neben dem Blick in die eigene Bilanz verliert Zimmermann nicht den Blick über den Tellerrand hinaus: „Sinn der Blühwiesen ist es, den Insekten in der blüharmen Sommerzeit eine Nahrungsquelle zu geben. Darüber hinaus wäre eine großflächige Vernetzung über die gesamte Flur ideal. Das bietet nämlich Vögeln und Niederwild Schutz.“ Die LWG entwickelt die Zusammensetzungen der Blühwiesen aus dem Erfahrungsschatz weiter. Vergleichbar mit einem Fondsmanager, der ständig Einzelwerte verabschiedet oder aufnimmt. Trotz Verbesserungen besitzt Zimmermann eine deutliche Meinung: „Für die meisten Landwirte werden derartige Flächen ohne Prämien nicht rentabel sein. Die wirtschaftliche Situation bei unserer Biogasanlage stellt sich aktuell noch gut dar. Das ist der Grund, warum wir uns diese Blühflächen noch leisten können.“

Einen Pluspunkt möchte der Experte hinsichtlich der Pflege aber nicht unter den Tisch fallen lassen. Im Durchschnitt steht die Saat fünf Jahre. Eine jährliche Düngung mit Gärresten ist erforderlich. Probleme könnten dadurch entstehen, dass Gräser vom Rand einwandern. Hier nennt der Profi an erster Stelle Tresbenarten.

 

 

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