19 Mai

Der Award für Krabbeltiere: Eine Videoreise durch die „Insekten des Jahres“ von 1999 bis 2017 – Das Jahr 2003

Nymphe der Feldgrille. Foto: Hedwig Storch, Wikimedia Commons

Neben der Gemeinen Florfliege, dem Goldglänzenden Rosenkäfer, dem Plattbauch und dem Zitronenfalter – den Insekten der Jahre 1999 bis 2002 – ist das Insekt des Jahres 2003 zwar optisch ein eher weniger auffälliges Wesen, in seinen Fähigkeiten steht es seinen Vorgängern jedoch in nichts nach. Es verfügt über eine akustische Kommunikation und ist wegen seines Gesanges bei jedermann bekannt: Die Rede ist von der Feldgrille.

Die Feldgrille gehört zur Art der Echten Grillen Gryllus campestris innerhalb der Ordnung der Langfühlerschrecken (Ensifera). Sie wird etwa 17 bis 23 mm lang und verfügt über eine Legeröhre, die zusätzlich noch einmal etwa 8 bis 12 mm misst.

Aussehen

Diese Grillenart ist schwarz gefärbt und wird durch ihren schwarzen, kugeligen Kopf mit den kräftigen Beißwerkzeugen und die langen Fühler zu einer imposanten Erscheinung. Der Körper und die Flügel erinnern an einen Frack, der mit Gold bestäubt wurde. Bereits als Larven sehen sie aus wie erwachsene Tiere, allerdings besitzen sie in diesem Stadium noch keine Flügel.

Vorkommen 

Warme, sonnige und trockene Plätze sind der Feldgrille am liebsten. Dabei ist es ihnen egal, ob sie in trockenen Feldern, Kiesgruben oder Nadelwäldern leben – Hauptsache, sie können sich dort eingraben.
Die Grille ist vor allem in Europa verbreitet, kommt aber auch in Asien und Afrika vor. In Süddeutschland sieht man sie tendenziell öfter als in Norddeutschland. Dies ist teilweise der intensiven Landwirtschaft geschuldet, der oftmals ganze Grillenpopulationen zum Opfer fallen.  In manchen Regionen sind sie bereits ausgestorben. Aus diesem Grund wurden sie auf der Roten Liste der Bundesrepublik als gefährdet eingestuft.

Fortpflanzung 

Die Paarung der Insekten beginnt, wenn das Männchen einen Lockgesang ausstößt, um das Weibchen anzuziehen. Dann wird es vom Weibchen angewandert: Die Anwanderung erfolgt in einer zickzackförmigen Linie, jedoch immer auf das Männchen zu. Dichtes Gras oder Moos hält die Insekten nicht davon ab, aufeinander zuzugehen. Wenn das Männchen seinen Gesang unterbricht, verharrt das Weibchen so lange in der Anwanderung, bis das Männchen seinen Gesang fortsetzt. Treffen sich die Insekten, so betasten sie sich mit den Fühlern und das Männchen beginnt mit einem Werbegesang, während es sein Körperende dem Weibchen zuwendet. Schließlich steigt das Weibchen auf das Männchen und lässt sich durch dessen zugereckten Hinterleib begatten.Nach dem Akt balzt das Männchen noch einige Zeit nach, indem es ruckartige Bewegungen vollführt und mit seinen Fühlern wackelt.
Drei bis vier Tage nach der Begattung legt das Weibchen seine Eier ab. Dabei vergräbt sie diese einzeln im Boden und überlässt sie danach sich selbst.  Nach zwei bis drei Wochen schlüpfen schließlich die Larven.

Ernährung

Der Speiseplan der Feldgrille ist nicht besonders spezifisch: Sie frisst, was sich gerade anbietet. Obwohl sie überwiegend pflanzliche Nahrung zu sich nimmt, kommt es auch vor, dass sie kleinere Bodentiere oder deren Kadaver verspeist.  Ihre Larven ernähren sich vorwiegend von Blättern und Wurzeln verschiedener Pflanzen und Kräuter.

Gesang

Die Fähigkeit, für die Grillen gemeinhin am bekanntesten sind, ist ihr Gesang. Ausschließlich geschlechtsreife Männchen sind in der Lage, Laute zu bilden, die im Volksmund auch als Zirpen bekannt sind. Dabei hat jede Form des Gesangs eine eigene Bedeutung: Sie können als Lock-, Rivalen- oder Werbegesang fungieren.
Der Lockgesang dient, wie es der Name schon vermuten lässt, der Anlockung des Weibchens, sobald das Männchen paarungsbereit ist. Er ist etwa 50 Meter weit zu hören und hat einen unverkennbaren Klang, der aus mehreren kurz aufeinanderfolgenden Silben besteht, die durch Intervalle getrennt sind.
Der Rivalengesang  dient einem Revierinhaber dazu, Eindringlinge zu verscheuchen und deutlich zu machen, wer der Herr im Revier ist. Er ist ein eindeutiges Warnsignal für jedes  revierfremde Männchen und signalisiert den Beginn einer Auseinandersetzung, die oft tödlich enden kann für den Fall, dass sich das fremde Männchen nicht zurückzieht.
Der Werbegesang findet vor einem Weibchen statt und ist der leiseste Ton, zu dem der Grillenmann in der  Lage ist. Er besteht aus einer unregelmäßigen Folge kurzer Impulse, die in unterschiedlicher Lautstärke abgegeben werden.
Von Mai bis Ende Juni/Anfang Juli sind die Männchen akustisch aktiv. Ihre Aktivität hängt von der Außentemperatur ab. Vor allem an sonnigen, warmen Tagen ist der Gesang vom späten Vormittag bis in die Nacht hinein zu hören.

Der Gesang der Grille ist, auch wenn sie so manchem den Schlaf raubt, ein ganz besonderes Phänomen! Lassen Sie sich im Video von VideoOrthoptera beeindrucken vom einzigartigen und ausdauernden Gesang eines paarungsbereiten Liebhabers: Film ab für die Feldgrille!

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