26 Feb

Der Wald ist krank – und die Insektenwelt mit

Stark geschädigter Wald, von ArtMechanic, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2430399

Kürzlich legte das Bundeslandwirtschaftsministerium den neuesten Waldzustandsbericht vor. Auch wenn von weit oben viele Waldflächen bald wieder grün aussehen werden, bestätigt sich bei näherem Hinsehen – und das flächendeckend – das Fazit des Berichts: Der Wald ist krank.

Wie geschädigt unsere Wälder schon sind, ist gerade jetzt besonders sichtbar. Sogar relativ robuste Baumarten wie Buchen und Eichen werden immer lichter, können große Äste nicht mehr tragen oder verlieren ihre Rinde. Die Anzahl geschädigter Bäume übersteigt mittlerweile erheblich die aus den 80-er Jahren, als es der saure Regen regelmäßig in die Schlagzeilen schaffte. Heute liegt es vornehmlich an der gestiegenen Temperatur und in der Folge vor allem an der Trockenheit. Der Wald verdurstet.

Ein Ende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil, es ist sehr wahrscheinlich, dass die Trockenheit noch zunimmt, mutmaßlich immer mal unterbrochen von Extremwetter. Kann also sein, dass die Niederschlagsmenge über das Jahr gleichbleibt, mit dem Unterschied, dass sich diese auf wenige Tage konzentriert.

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, der Wald besteht bei Weitem nicht nur aus Bäumen. Auf einen Baum entfallen viele Millionen von Kleinstlebewesen, die ihren Lebensraum auf, unter, neben und in den hölzernen Majestäten gefunden haben. Was die Anzahl der Lebewesen im Ökosystem Wald angeht, könnte man Bäume eigentlich vernachlässigen, doch dann wäre es kein Wald mehr. Kein Baum – kein Wald! Für die Lebewesen, deren Lebensräume direkt mit den Bäumen verknüpft sind, bedeutet es: Kein Baum – kein Baumbewohner! So einfach ist das.

Ein erheblicher Teil dieser Bewohner besteht aus Insekten. In europäischen Wäldern sind etwa 30.000 Arten bekannt, besonders viele davon sind Käfer, Ameisen und Falter. Zahlreiche Insekten sind im Wald als Bestäuber unverzichtbar. Ohne die Nektarliebhaber blüht es im Wald umsonst und nicht lange.

Es ist hinlänglich bekannt, dass der Bestand an Insekten innerhalb von 30 Jahren um drei Viertel abgenommen hat, selbst in deutschen Naturschutzgebieten. Ein Grund dafür mag aus benachbarten landwirtschaftlich genutzten Flächen importiert sein, der Hauptgrund jedoch liegt daran, dass im Ökosystem Wald alles miteinander vernetzt ist.

Wenn das System aus dem Gleichgewicht gerät, lässt sich dies zwangsläufig auch am Insektenbestand ablesen. Manche Arten nehmen Überhand, andere verschwinden. Bekannte Profiteure der Entwicklung sind Borkenkäfer, Eichenprozessionsspinner und manch andere, die sich bei uns in den letzten Jahren massenhaft ausgebreitet haben.

Ein sterbender Wald ist ein Festmahl für zahlreiche Insektenarten, doch irgendwann – manchmal sehr schnell, zum Beispiel dann, wenn es brennt – ist die Biomasse verarbeitet, als Asche oder Staub im Endstadium angekommen und kann bei Extremwetterlagen ganz schnell fortgeschwemmt werden.

Zu allem Überfluss kürzen Menschen die Entwicklung ab, indem sie wertvolle Waldflächen großflächig abholzen, verbrennen, um Platz zu schaffen für Viehweiden, Palmölplantagen oder Gewerbegebiete. Die Folgen sind allseits bekannt: Unsere Erde verliert ihren wichtigsten CO2-Speicher, Permafrostböden tauen auf und setzen Unmengen an gebundenem Methan frei und durch Raubbau an den Böden werden immer mehr Flächen dauerhaft vergiftet.

Und dann noch die Frage: Wer soll unseren Sauerstoff produzieren, wenn die Bäume verschwunden sind?

Nicht nur Waldliebhaber sollten wissen: Jeder Baum ist schützenswert. Leider nützt es nichts, Bäume mit Insektenschutzgittern zu ummanteln. Bei unseren Häusern schon. Selbst bei denjenigen aus Holz.

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