09 Apr

Eine Weltreise durch das Reich der Insekten – Teil 9: Japan

Kyoto, Kiyomizu-Tempel, © bildpixel / pixelio.de

Japan bzw. Nippon zählt für sehr viele Europäer zu den Traumzielen, die sie wohl nie in ihrem Leben bereisen werden. Zuviel hat der ostasiatische Inselstaat im Nordpazifik zu bieten: Eine zu große Entfernung, zu viele Sprachbarrieren, zu hohe Kosten. Wer dennoch eine Reise nach Japan wagt, wird mit sicherlich unvergesslichen Eindrücken entlohnt, Eindrücken von Landschaften und von Menschen, die so ganz anders sind als wir im alten Europa. Falls Sie sich jetzt im Frühling nach Japan begeben, dürfen Sie sich von der berühmten Kirschblüte berauschen und verzaubern lassen.

Heute: Nippon, das “Land der aufgehenden Sonne”

Japan besteht aus 6.852 Inseln, die sich vom 45. Breitengrad im Norden bis zum 20. Breitengrad im Süden erstrecken. Die Inselkette liegt in einer tektonisch sehr aktiven Region, d.h. hier bewegen sich vier Kontinentalplatten gegeneinander, was zu häufigen Erdbeben und zur Bildung von Vulkanen führt. Die Menschen leben quasi seit Jahrtausenden auf einem Pulverfass und tragen das Wissen darum in sich. Dies mag auch ein Grund dafür sein, dass etwa 99 % der mehr als 127 Millionen Einwohner Japaner sind.

Die spannende Geschichte Nippons in Kürze zu erfassen, sprengt den Rahmen unseres Beitrags. Nur so viel: Aufgrund der Insellage entwickelte sich in Japan bereits vor der Zeitenwende eine in sich geschlossene Kultur, die sich in Epochen immer wieder veränderte. Als sich das Land schließlich dem Rest der Welt öffnete, wurde aus dem traditionalistisch geprägten Kaiserreich eine der fortschrittlichsten Wirtschaftsmächte der Welt. Spätestens nach dem für Japan verheerenden Ende des Zweiten Weltkriegs wuchs das Land zum “Global Player” und wichtigen Partner der westlichen Welt.

Wer heute die japanischen Städte bereist, findet hier zumeist futuristisch anmutende Metropolen vor, allen voran die Hauptstadt Tokio, die als Verwaltungseinheit als solche allerdings nicht mehr existiert, sondern bereits im Jahr 1943 in 23 Bezirke aufgeteilt wurde. Der geschlossene Ballungsraum umfasst heute etwa 37 Millionen Menschen und ist damit der größte der Welt. Inmitten der dicht bebauten Stadtlandschaften finden sich gleichwohl zahlreiche Grünanlagen und auch architektonische Zeugnisse früherer Epochen.

Klima:

Auf den japanischen Inseln findet man eine große Bandbreite an Klimazonen vor. Da der überwiegende Teil des Gebiets aus Gebirgen besteht – die höchste Erhebung, der legendäre Fujiyama, Fuji-san oder kurz Fuji, erreicht stolze 3.776 m – kann der Reisende auch im Sommer in Regionen mit Schnee und Eis vordringen. In weiten Teilen der Inseln, vor allem an den Küsten, ist das Klima feucht-gemäßigt bis subtropisch. Dies bedeutet, dass in Japan eine üppige Vegetation und eine Artenvielfalt entstehen konnten. Auf den Inseln hat sich eine ganze Reihe von endemischen Arten herausgebildet, d.h. ihr Vorkommen beschränkt sich auf dieses Gebiet.

Insekten:

Im Gegensatz zu den Menschen, die durchschnittlich einen halben Kopf kleiner als die Mitteleuropäer sind, werden einige Insektengattungen hier vergleichsweise eine oder zwei Nummern größer als unsere heimischen. Bestimmte Arten sind bei den Japanern sehr beliebt. Besonders beeindruckend sind z.B. die im Sommer stimmgewaltigen allgegenwärtigen Singzikaden. Sie erreichen Längen von bis zu acht Zentimetern und eine Lautstärke von bis zu 120 Dezibel. Im Spätherbst sterben sie allerdings. Erst recht verehrt werden in Japan Schmetterlinge, die in diesem Klima besonders prächtig gedeihen. Sie sind ein Symbol für die Liebe und das Glück und als Motiv auf Kimonos weit verbreitet. Schließlich wird auch die Seide für die edle Bekleidung von einer Schmetterlingsart geliefert.

Gar nicht beliebt, aber ebenfalls größer als erwartet begegnet man in alten Häusern und auf Grünflächen öfters Tausendfüßlern. Ihr Biss kann sehr schmerzhaft sein und zu Entzündungen führen. Als lästige Hausgenossen geläufig werden Schaben und Kakerlaken mit Sprays bekämpft oder mit Lebendfallen aus Pappe namens “gokiburi hoihoi” eingefangen. Letztendlich gibt es auch in Japan allerlei stechende (Moskitos, Tigermücken) und beißende Mückenarten. Besondere Vorsicht ist vor Kriebelmücken geboten, die einen Krater in die Haut beißen, um daraus das Blut zu trinken. Da sich diese Wunden leicht entzünden können, sollte man sie sofort desinfizieren.

Was hilft?

Ein Großteil der japanischen Häuser ist mittlerweile mit Insektenschutzgittern ausgerüstet. Des Weiteren versuchen die Einheimischen, Mücken mit Räucherlampen zu vertreiben. Wer von Frühling bis zum Herbst draußen unterwegs ist, sollte stets mit Salben (“Muhi”) und Sprays präpariert sein. Falls Sie darauf verzichten möchten, sollten Sie entsprechende Kleidung tragen, die die Plagegeister nicht an die Haut lassen.

Zu guter Letzt

Japanisch ist eine schwere Sprache. Trotzdem kennen wir wohl alle einige Begriffe, zu denen wir auch passende Bilder vor Augen haben wie Bonsai, Origami, Harakiri oder Kamikaze. In der Popkultur der Mangas haben auch einige Insektenwesen ihren Platz gefunden, ebenso in der mystischen Katastrophenwelt rund um Godzilla, der atomar mutierten Riesenechse. Insekten dienen auch als Indikator für reale Folgen des jüngsten atomaren Supergaus. Nach der Katastrophe von Fukushima im Jahr 2011 wurden einige Arten untersucht und dabei Genmutationen festgestellt. Dies stellt wiederum die Verbindung her zur Urangst der Japaner vor der eigenen Zerstörung. In diesem wunderbaren Land ist einem die eigene Vergänglichkeit stets ein Stück bewusster.

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