15 Jan

Ekel Insekt oder Mensch?

Eine Schüssel voller Mehlwürmer - von Pengo - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4412449

Ekel ist wahrlich kein angenehmes Gefühl, doch er hat durchaus seinen Sinn. Damit halten wir Abstand zu Objekten, die uns vermeintlich schaden könnten. Der Mitmensch an sich läuft Gefahr, auf der Liste zu landen, auf der sich seit langer Zeit eine Vielzahl von Insekten tummeln.

Viele Menschen ekeln sich vor Insekten. Nicht vor allen, aber vor vielen. Warum ist das so? Ekel ist keine angeborene Reaktion. Fachleute wissen zwar, dass die Fähigkeit zum sich ekeln in jedem von uns steckt, doch wann das Programm anspringt, ist sehr unterschiedlich. Von Kulturkreis zu Kulturkreis, aber auch innerhalb gibt es kunterbunte Unterschiede.

Die einen ekeln sich vor Haaren, andere vor glatter Haut und viele vor Schmutz in allen Ausprägungen. Besonders interessant sind die Unterschiede bei Lebewesen und bei der Nahrung, vor allem, wenn diese leicht verderblich ist. Spitzenplätze bei den Lebewesen belegen neben Schlangen, Nagetieren und Spinnen eben auch Insekten. Mit Abstand! Selbst die allseits beliebten Bienen lösen bei nicht wenigen empfindlichen Zeitgenossen Ekelgefühle aus.

Die persönliche Ekelliste füllt sich bereits in einem Alter, in dem der Mensch anfängt, die Welt zu entdecken. Danach wird sie immer länger. Neben eigenen Erlebnissen sorgen vor allem die Vorbilder dafür, wer hier landet und wer nicht. Panikreaktionen der Eltern beim Anblick etwa einer Wespe werden genauso berücksichtigt wie das persönliche Erleben des Schmerzes nach deren Stich. Schlimmer noch als der Schmerz ist die Gefahr, sich über den Kontakt mit gefährlichen Krankheiten anzustecken, womit sich wiederum die elterliche Panik begründet. In Mithaftung landen anschließend alle ähnlich aussehenden Kreaturen ebenfalls auf dem Ekelteller.

Womit wir beim Essen wären. Auch hier hat der Ekel eine ziemliche Bandbreite und kennt eine Menge Geschichten der Herleitung. Über Geschmack und Gerüche, über Bilder und schlechtes Gewissen bilden sich die Gefühle, die uns die leckersten Gerichte verleiden können. Über erworbene Ekelgefühle wenden sich derzeit zum Beispiel immer mehr Menschen vom Fleischkonsum ab.

Doch dieser Mechanismus ist keine Einbahnstraße. Schließlich sind wir lernfähig und, wenn es sein muss, auch mutig, dem Ekelreiz zu widerstehen und diesen gegebenenfalls zu überwinden. Viele kennen dies nicht nur von ihren ersten Erfahrungen mit zuckersüßen weißen Mäusen, Meeresfrüchten oder Sushi, sondern immer häufiger auch mit lecker zubereiteten Insekten. Offensichtlich ist, dass positive Erfahrung die Ekelliste umschreiben kann.

Stattdessen machen wir gerade die Erfahrung, dass der direkte Kontakt mit unseren Nachbarn, Arbeitskollegen und Freunden, ja selbst mit den nächsten Familienangehörigen zu einer ernsthaften Erkrankung führen kann. Kann es sein, dass aufgrund der geschilderten Funktionsweise das Treffen dieser Menschen bald ähnliche Ekelreaktionen auslösen kann wie zum Beispiel eine Große Winkelspinne?

Wer weiß… Vorsicht ist geboten, denn wer will das schon? Und wenn es doch so kommt, dürfen wir dies nach der Pandemie gemeinsam mit ganz viel Engagement und gezielt positiven Erlebnissen wieder ausradieren. Besser ist das, denn gegen Ekel helfen nicht einmal Muggergitter…

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