15 Sep

Erlebnisbericht eines „verstochenen“ Spanien-Urlaubers

Die schönste Zeit des Jahres ist bekanntlich die Urlaubszeit. Die schönste Zeit des Jahres für spanische Stechmücken offensichtlich auch. Endlich steht mit deutschen Touristen mal ein anderer Fraß auf dem Speiseplan. Nach gut zwei Stunden Flug nach Alicante bezogen wir (drei Familien mit sechs Erwachsenen und sechs Kindern) unser Traumdomizil mit Finca und hauseigenem Swimmingpool. Zum Anwesen gehörten zusätzlich 16.000 Quadratmeter wilde Natur sowie gefühlte 16.000 Stechmücken. Trotz spärlicher Nachbarschaft sollte es vom ersten Tag an nicht langweilig werden und wir waren in „bester“ Gesellschaft.

Weltweit gibt es mehr als 3.600 Stechmückenarten, in Europa kommen 104 Varianten vor. Offensichtlich trafen sich alle in unserer zweiwöchigen Wahlheimat. Ob Gelsen, Staunsen, Stanzen oder Schnaken war an dieser Stelle egal. So nennen nämlich Österreicher, Schweizer oder Süddeutsche die Plagegeister auf zwei Flügeln. Der Spanier betitelt die stechenden Biester als „Mosquitos“. Die wörtliche Übersetzung wirkt mit „kleine Fliege“ recht liebevoll, lenkt von der juckenden Wahrheit aber ab.

Hausverwalter Antonio klärte uns über die Gepflogenheiten der Kleintiere auf. Vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang treiben sie ihr Unwesen. Diese Aussage stellte sich als richtig heraus. Zur ganzen Wahrheit gehört allerdings dazu, dass sich fleißige Bienchen ohne Einladung an unserem „Open-Air-Buffet“ bedienten. Hier half bis zu einem gewissen Grad der „Ablenkungs-Trick“. Wir opferten eine Scheibe Schinken, welche für die Nutztiere als „Bauernopfer“ fungierte. Trotzdem nahmen die Kinder ihr Mahl zur Risikominimierung innerhalb der vier Wände ein.

Antonio tröstete uns etwas mit der Information, dass sich die Einheimischen genauso vor den Stechmücken schützen müssen. Da also der Heimvorteil entfällt, schmiert er seine gesamte Familie mit extra aus Thailand importierten Mittelchen ein. Einen entscheidenden Vorteil habe sein Zuhause im Vergleich zu unserer Finca allerdings schon: Fliegengitter. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Spanien wirken die engmaschigen Abwehrnetze Wunder. Der natürliche Schutz ist bei allen auf dem Markt angebotenen Produkten weitgehend alternativlos. Das Ergebnis von fehlenden Gittern merkten einige von uns bei der „Nachtruhe“. Nachtruhe im wörtlichen Sinn ist nicht mal falsch, denn die „spanischen Plagegeister“ unterscheiden sich etwas von den deutschen Spezies. Sie produzieren kaum Lärm. Positiv: Nervige Summ-Geräusche rauben einem nicht den Schlaf. Negativ: Die Vorwarnung der „Juckreiz-Injektion“ bleibt aus.

Weniger Schutz vor Insekten benötigen Menschen, die neben einem sogenannten „Mückenmagneten“ schlafen. Die stechenden Flugobjekte treffen nämlich nicht nur durch Zufall auf ihre Lieblingsopfer. Hier spielen die Gene, der Stoffwechsel, die Körpertemperatur und der Bakterienzoo des Menschen entscheidende Rollen. Mir scheint, als ob ich in allen vier Kategorien für die Plagegeister der Hauptgewinn war. Nur so kann ich mir die etwa sechzig Einstichstellen erklären. Als eine Art „Märtyrer“ opferte ich mich somit für meine Frau, die summa summarum null Stiche im nächtlichen Schlafgemach verzeichnete. Für einen ruhigen Schlaf empfehlen Experten transportable Moskitonetze, welche das komplette Bett schützen. Insbesondere bei Aufenthalten außerhalb der eigenen vier Wände ist dies immer eine wirksame Alternative und werde ich bei meinem nächsten Spanien-Urlaub berücksichtigen. Prophylaxe ist meist besser als Nachbesserung. Eine gute Lösung gegen den plagenden Juckreiz fanden wir dennoch schnell heraus. Der Sprung in den Pool wirkte Wunder, da das kalte Wasser die betroffenen Stellen in Windeseile beruhigte. Damit war es trotz unserer ungeliebten Mitbewohner ein sehr schöner Urlaub.

Foto oben: Florian Geiger

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