22 Jun

Es ist Viren-Zeit

Asiatische Tigermücke, von James Gathany, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3670049

Nach wie vor sind die Schlagzeilen der Tagespresse geprägt von Meldungen über die aktuelle Coronavirus-Pandemie. Dies dürfte – leider – noch einige Zeit so bleiben. Während SARS-CoV-2 dank Abstands- und Hygieneregeln zumindest hierzulande offensichtlich Stück für Stück erfolgreich eingedämmt wird, breiten sich in seinem Schatten andere Erreger aus.

Das Robert-Koch-Institut warnt aktuell vor dem West-Nil-Virus, das durch Stechmücken übertragen wird. Obwohl das von ihnen ausgelöste West-Nil-Fieber vor allem bei Vögeln auftritt, können daran auch Säugetiere, hier vorwiegend Pferde und eben auch Menschen erkranken.

Zwar treten nur bei etwa 20 % der Infizierten grippeähnliche Symptome auf, die nach mehreren Tagen wieder abklingen, vor allem bei Menschen mit Vorerkrankungen kann es jedoch auch zu schweren Verläufen mit Entzündungen innerer Organe wie Gehirn, Herz, Leber oder Niere kommen. Eine durch das Virus ausgelöste Enzephalitis, eine Gehirnentzündung, kann durchaus zum Tode führen.

Eine wirksame direkt auf das Virus zielende Therapie Erkrankter ist aktuell nicht bekannt, Betroffene müssen also auf die Selbstheilungskräfte ihres Körpers vertrauen. Im Gegensatz zu Corona laufen Angehörige hier nicht Gefahr, zwischenmenschlich angesteckt zu werden.

Wie der Name verrät, stammt das Virus ursprünglich aus Nordafrika. Allerdings konnte dieser tropische Erreger aufgrund des vergangenen milden Winters offensichtlich in Mitteleuropa überwintern. Begünstigt wird die Ausbreitung des West-Nil-Virus durch Hitze- und Dürreperioden nach ausgiebigen Regenfällen. Infolge der feuchten Witterung der letzten Wochen herrschen derzeit ideale Bedingungen für die massenhafte Vermehrung der kleinen Blutsauger.

Mehrere Faktoren sprechen nun für die Gefahr einer Epidemie: Einerseits startet in diesen Tagen bei uns der Hochsommer so richtig durch, andererseits zieht es heuer viele Deutsche in die einheimischen Urlaubsgebiete, die zum Großteil an Gewässern liegen, wo wiederum die Mückenschwärme auf der Lauer liegen.

Das West-Nil-Virus ist übrigens meldepflichtig. Nehmen Sie deshalb Grippesymptome nach einem Mückenstich nicht auf die leichte Schulter, sondern gehen Sie zum Arzt!

Um dieser Infektionsgefahr möglichst aus dem Weg zu gehen, können wir neben dem üblichen Einsatz von mückenabwehrenden Sprays, Duftkerzen und ähnlichem Waffenarsenal auch von Corona lernen: Strikte Abstandsregeln zwischen Mensch und Mücke helfen garantiert. Statt eineinhalb Metern genügt in diesem Fall bereits ein engmaschiges Geflecht: ein Muggergitter.

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