28 Nov

Gut gemeint, aber nicht immer gut gemacht: Bienen und der Artenschutz

Holzbiene - Star unter den Wildbienen - von jacilluch - https://www.flickr.com/photos/70626035@N00/8977544525/, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75369037

Menschen neigen gerne zu Denkfehlern, im Kleinen wie im Großen. Das erkennen sie spätestens, wenn gut gemeinte Aktionen nach hinten losgehen. Ein Beispiel dafür ist der Aktionismus rund um die Bienen.

Dank ihrer Rolle als Bestäuber und ihres untadeligen Rufs ist die Biene ein ideales Symbol für den Artenschutz. Seit Jahrtausenden domestiziert, zählt die Honigbiene zu den Nutztieren und ist unverzichtbar für die menschliche Ernährung. Dabei übersehen wir gerne, dass außer den von Imkern gepflegten Völkern zahlreiche Wildbienenarten im gleichen Revier unterwegs sind und dabei ums Überleben kämpfen müssen. Mit jedem neu angesiedelten Bienenvolk verdrängt der Mensch in vielen Regionen, ohne es zu wollen, die freilebenden Honigsammler, im guten Glauben, etwas für den Artenschutz zu tun.

Stattdessen verstärken sie damit die Abhängigkeit der Landschaftsräume von menschlichem Tun. Die Zuchtbienen sind dabei vergleichbar mit Hochleistungsrindern, getrimmt auf Ertrag, also auf Leistung und Effizienz. Besonders dort, wo Honigbienenvölker unkoordiniert angesiedelt werden, gerät das natürliche Gleichgewicht zwischen Blühpflanzen und Bestäubern in eine Schieflage. Leidtragende sind die Wildbienen. Mehr als 500 Arten aus dieser Familie sind hierzulande bekannt, zu denen übrigens auch die Hummeln zählen.

Während ein Zucht-Honigbienenvolk aus bis zu 60.000 Individuen bestehen kann, das im Kollektiv lebt und arbeitet, sind die meisten Wildbienen Einzelflieger, andere in Familiengröße sozialisiert. Zuchtbienenvölker besitzen eine Lebenserwartung von mehreren Jahren, wohingegen der Lebenszyklus wilder Arten oft nur wenige Wochen beträgt.

Neben der Lebensweise besteht ein weiterer wesentlicher Unterschiede in der Speisekarte. Honigbienen sind quasi Allessammler, wobei es zahlreiche Blütenformen gibt, die Spezialisten erfordern. Mit den Bestäubern solcher Blühpflanzen sind also auch diese zwangsläufig gefährdet.

Auch wenn die Imker ihre Bienenvölker mit Zufütterung von Zuckerwasser durch die Jahre helfen, damit der Honig geerntet werden kann, sind auch die Massensammler manchen Gefahren ausgesetzt. Neben der Bedrohung durch Varroamilben, Parasiten und Viren sind es mancherorts auch Menschen, die – aus unterschiedlichen Gründen – ganze Völker zerstören. Wildbienen sind in dieser Hinsicht eindeutig im Vorteil, bestäuben zudem bereits bei unwirtlicher Witterung, während Honigbienen erst ab etwa 12 °C tätig werden.

Im Sinne des Insektenschutzes und damit funktionierender Ökosysteme sollten wir also darauf achten, dass uns die robusten Wildbienenarten erhalten bleiben. Artenschutz braucht Schutzzonen. Dies bedeutet Landschaftsräume ohne industrielle Landwirtschaft wie in Nationalparks oder Biosphärenreservaten. Dazu zählen möglicherweise auch Zonen ohne hochfrequente Mobilfunkstrahlen.

Damit Wildbienen in den städtischen Siedlungen ebenfalls einen Lebensraum finden, können Gartenbesitzer gezielt Blühwiesen anlegen und Totholz oder Insektenhotels anbieten. Schließlich sind alle Bienenarten in der Regel gern gesehene Mitbewohner, im Gegensatz etwa zu den Stechmücken, womit wir wieder beim Thema Fliegengitter wären.

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