06 Mai

Hightech-Bienenstock: “reale“ Vision

Photo by James Wainscoat on Unsplash

Haben Sie auch das Gefühl, dass sich die Welt immer schneller dreht? Ein „Schwindel-Risiko“ kann sicherlich die negative Folge sein. Vorteile hat das neue Zeitalter der Digitalisierung zweifelsohne auch im Überfluss. Ein Paradebeispiel wurde am heutigen Tag auf dem Dach des Bayerischen Digitalministeriums in München eröffnet. Eine vielversprechende Symbiose zwischen Insekten und Digitalisierung: Der Hightech-Bienenstock.

„Ich freue mich sehr über unsere neuen schwarz-gelben Untermieter“, gibt Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach zu Protokoll. In wörtlicher Hinsicht stimmt der Begriff „Untermieter“ nicht, denn ab sofort brummt es AUF dem Dach. Verträgt sich ein wichtiges Stück Natur in Form eines Bienenstocks ausgerechnet mit digitaler Forschung? Die Antwort ist ein dickes „Ja“ und wird den einen oder anderen sicherlich vom „Hocker hauen“.

Das Unternehmen „we4bee“ brachte für das „Insekten-Projekt“ zwei Lager zusammen. Auf der einen Seite die Forscher der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg, auf der anderen Seite das Digitalministerium in München. Alle Beteiligte haben ab sofort ein Zielobjekt im Visier. Die digital überwachten Bienenstöcke über Münchens Dächern sollen detaillierte Erkenntnisse über die Gewohnheiten und Bedürfnisse der Kleintiere liefern. Dies könnte im Hinblick auf Insektenschutz einer neuen Zeitrechnung gleichkommen.

Natürlich profitieren vom Insektenschutz nicht nur die Flugobjekte, sondern auch der Mensch. Die Forscher versprechen sich für den Zweibeiner allerdings weitere Vorteile, die es in dieser Form bislang noch nicht gibt. Berechtigte Hoffnungsträger sind die Bienen, welche als sogenannte „Biosensoren“ einen unheimlichen Mehrwert für den Menschen leisten könnten. Was ist damit gemeint? Insekten wittern mit ihren Sinnen klimatische Veränderungen einige Zeit im Voraus. Das könnte sich der Mensch zunutze machen. Die Forscher versprechen sich von Datenauswertungen mittels künstlicher Intelligenz in Zukunft Erkenntnisse über Unwetter, Trockenperioden oder andere massive Witterungsbedingungen. Damit würde die Biene den sogenannten „Wetterfrosch“ ablösen.

Laut der bayerischen Digitalministerin habe das zukunftsträchtige Projekt einen weiteren positiven Effekt. Mitten in der Landeshauptstadt, in der Nähe des Englischen Gartens, fördere das Vorhaben die Biodiversität. Das natürliche Gleichgewicht gewinnt insbesondere in Großstädten an zunehmender Bedeutung. Eines macht das Projekt auch noch deutlich: „Teamplaying“ schlägt „geistige Alleingänge“. Nicht nur zahlreiche Personen wirken mit, sondern auch unterschiedliche Fachbereiche und das Unternehmen „wee4bee“, welches das gemeinnützige Projekt ins Leben rief. Das Digitalministerium sorgt für die notwendige künstliche Intelligenz. Kameras und Sensoren erheben automatisch wichtige Daten. In der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg laufen die Erkenntnisse zusammen und werden dort interpretiert. Frau Dr. Claudia Leikam ist die Geschäftsführerin von „wee4bee“ und kommt mit einem von zahlreichen Träumen um die Ecke: „Unsere Vision ist es, eines Tages Erdbeben mithilfe von Bienen vorhersagen zu können und auf dem Weg dahin möglichst viele Menschen für den Bienenschutz zu begeistern – unterstützen Sie uns dabei!“

Ob das Digitalministerium seine Fenster- und Türöffnungen mit Insektenschutzgittern ausgestattet hat, ist nicht überliefert. Grundsätzlich fühlt sich die Bienenwelt sicherlich in ihrer neuen Heimat in den „Hightech-Bienenstöcken“ wohl. Verirren kann sich das eine oder andere Flugobjekt trotzdem. Das gilt auch im privaten Bereich, sollten Sie Bienenhotels oder einen insektenfreundlichen Garten besitzen. Fliegengitter sind und bleiben der wirksamste Schutz vor ungebetenen Gästen.

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