21 Nov

Hygiene aus dem Insektenreich

Ameise, von photochem_PA from State College, PA, USA - Ant staring into the abyss, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75359989

Die Erfolgsgeschichte zahlreicher Lebewesen basiert auf einem Prinzip und einem Stoff, der ihnen das Überleben sichert. Im Besonderen sind es die Ameisen, die die nach ihnen benannte Säure zum begehrten Produkt gemacht haben.

Ameisen zählen zu den erfolgreichsten Tieren aller Zeiten. Seit mehr als 100 Millionen Jahren besiedeln sie nahezu alle Klimazonen der Erde. Eine Ausnahme bilden lediglich dauerhafte Eiswüsten. Bis auf die Antarktis gehören somit alle Kontinente zum aktuellen Ameisenreich. Die emsigen Achtbeiner haben die Staatenbildung perfektioniert. Dabei leben und arbeiten sie ganz selbstverständlich auf engstem Raum, den Nutzen des Gesamtorganismus stets im Zentrum ihres täglichen Tuns.

Bei diesem Eng-an-eng spielt die Hygiene eine große Rolle, denn schließlich machen auch Viren, Bakterien und andere Keime keinen Bogen um die Ameisennester. Das Zaubermittel dagegen heißt Ameisensäure. Dieses körpereigene Desinfektionsmittel produzieren die Winzlinge in einer Drüse, die im Hinterleib sitzt. Mindestens nach jeder Mahlzeit “waschen” sie ihre Beine damit und schlucken etwas davon hinunter, um sich innerlich und äußerlich zu reinigen.

Diese konsequente Körperpflege verhindert, dass sich Pilzsporen in der Nahrung entwickeln und Seuchen ausbreiten können. Auch gegen Fressfeinde hilft das Sekret. Ein Spritzer aus dem Hinterteil wirkt auch gegen größere Kaliber, vor allem, wenn die angegriffenen Tierchen aus der Gruppe heraus gemeinsam feuern.

Vor einigen Jahrhunderten hat auch der Mensch die Säure und ihre vielseitig anwendbare Wirkung entdeckt. Danach mussten Millionen von Ameisen zur Säureentnahme ihr Leben lassen. zu ihrem Glück entwickelten Forscher später Verfahren, wie sie den begehrten Stoff chemisch gewinnen konnten, denn Ameisensäure kommt nicht nur in Ameisen vor. Sicherlich hätten diese es begrüßt, wenn nicht sie, sondern andere Lebewesen zum Namensgeber geworden wären. So sind auch zahlreiche andere Insekten verschiedener Gattungen, aber auch einige Quallenarten und Pflanzen wie die bestens als gifthaltig bekannten Brennnesseln mit dem Stoff gesegnet.

Begehrt ist die Säure vor allem wegen ihrer nutzbringenden Anwendungsmöglichkeiten. Von der Verwendung als Arznei gegen Warzen oder Rheuma über den Einsatz als Desinfektions- und Imprägniermittel bis zum Entkalker und Spezialreiniger reicht die Bandbreite. Außerdem wird sie in der Imkerei gegen die berüchtigte Varroamilbe eingesetzt. Bis vor gut 20 Jahren war die Ameisensäure unter der Nummer E236 als Konservierungsmittel und damit als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen.

Wie zu vermuten ist, ist die Verwendung durch Menschen mit einer Gefährdung seiner Gesundheit verbunden. Es drohen Vergiftungen, Verätzungen, Allergien und schwere Organschäden. Vorsicht bei Einsatz und Umgang ist also dringend geboten.

Während wir Menschen auch auf andere weniger gefährliche Substanzen ausweichen können, ist die Ameisensäure für die Insekten lebensnotwendig. In Sachen Hygiene können wir jedenfalls von den geselligen Kleintieren eine Menge lernen. Gerade jetzt!

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