06 Aug

Insekt des Jahres 2019 – Die Rostrote Mauerbiene

Das Bienensterben ist schon längere Zeit in aller Munde. Spätestens seit der bayerischen Volksabstimmung ist es bei den Menschen im Bewusstsein fest verankert. Das Abstimmungsergebnis spricht Bände. Somit kommt die Kür zum Insekt des Jahres 2019 nicht aus heiterem Himmel. Eine von rund 700 mitteleuropäischen Wildbienenarten wählte die Jury stellvertretend.

Über die Wichtigkeit der Bienen für das ökologische Gleichgewicht gibt es keine zwei Meinungen. Einige Arten sind vom Aussterben bedrohter als andere, aber auf die leichte Schulter sollte dieses Thema niemand legen. Die „Rostrote Mauerbiene“ zählt laut dem Vorsitzenden des Auswahlkuratoriums, Herrn Dr. Thomas Schmitt, noch nicht zu den gefährdeten Arten. Allerdings ist das erstens keine Garantie für die Ewigkeit und zweitens möchte die Jury auf die immense Bestäuberleistung aller Bienen verweisen. Ohne sie würde die Nahrungsmittelproduktion gewaltig in Schieflage geraten.

Sobald Menschen Bekanntschaft mit der Rostroten Mauerbiene machen, können „frostige Gedanken“ im Gefrierschrank bleiben. Das Kleintier kommt nämlich erst aus dem Winterschlaf, wenn die Natur zum Frühlingserwachen übergeht. Als „ziemlich beste Freunde“ beurteilen Experten die Beziehung zwischen dem Menschen und Insekt. Berührungsängste sind der Bienenart nämlich fremd. Vielmehr hält es sich mit Vorliebe in der Nähe des Menschen auf, ohne jedoch auf „stacheligen Angriffsmodus“ umzuschalten. Der Zweibeiner kann das „biologische Flugobjekt“ wiederum oftmals aus der Nähe betrachten und sich über die Lebensgewohnheiten schlaumachen.

So ist es kein Wunder, dass die Bienenart auch ihre Brutnester häufig in der Umgebung von Menschen einrichtet. Keine kleine Ritze ist sicher davor und wie der Name bereits verrät, liebt das Insekt Mauern. Das zwischen acht und vierzehn Millimeter kleine Geschöpf nutzt aber gerne weitere Nisthöhlen in Löss- und Lehmwänden, Totholz oder lockerem Gestein. Seine Kreativität macht allerdings auch nicht vor Türschlössern oder Holzflöten Halt, in denen sie schon gesichtet wurde. Im Frühjahr legt das Weibchen die Nisthöhlen an den erwähnten Orten an und bis August entwickeln sich aus den Larven erwachsene Bienen. Allerdings schlüpfen diese erst im Folgejahr aus den Nestern. Das Prozedere erinnert dabei etwas an Akkordarbeit am Fließband. Zunächst bahnen sich die Männchen mit ihren kräftigen Kieferwerkzeugen den Weg in die Außenwelt. Dort erwarten sie die weiblichen – im wahrsten Sinne des Wortes – Nachkommen. Die sofortige Paarung ist der Startschuss für den nächsten Zyklus, welcher sich jährlich wiederholt.

Der wissenschaftliche Name der Rostroten Mauerbiene lautet „Osmia bicornis“. „Bicornis“ heißt übersetzt „zweihörnig“. Die Weibchen tragen zwei Hörnchen am Kopf, über die sie Blütenpollen ernten. Dabei ist so gut wie keine Blütenpflanze vor ihr sicher und das ist gut so, denn darüber kommen die Lebewesen der wichtigen Bestäuber-Aufgabe nach. Farblich sind die Männchen von ihren Geschlechtspartnerinnen kaum zu unterscheiden. Der Rücken ist rötlich braungelb und daher rührt der Name.

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