30 Nov

Insekt des Jahres 2022 gekürt

Kamelhalsfliege, Foto von Frank Vassen, Brüssel, Belgien, CC BY 2.0 , via Wikimedia Commons
Die Schwarze Kamelhalsfliege ist zwar nicht selten, aber selten zu sehen. Und: Sie ist ein Nützling. Jetzt darf sie ein Jahr lang die Insektenwelt repräsentieren.

„Alle Jahre wieder…“ Dieser in der Adventszeit vielzitierte “Opener” springt hierzulande auf etliche Themen an. Neben Weihnachtlichem (Lichterglanz, Christbäume, Glühwein etc.) und jahreszeitlich bedingten Aspekten (Schnee, Eis, Kälte, Dunkelheit, Winterreifen) reihen sich langjährige Traditionen und feste Termine im Jahreskalender ein.

Dazu zählt auch die Kür des Insekts des Folgejahres. Seit 1999 wird der Titel jährlich vergeben. Zuständig dafür ist das Kuratorium Insekt des Jahres. Aktuell wirken darin zehn Fachinstitutionen aus Deutschland, zwei aus Österreich und eine aus der Schweiz mit. Aus den eingebrachten Vorschlägen werden schließlich die Preisträger gekürt.

Zum neuen Titelträger: Die Schwarze Kamelhalsfliege (Venistoraphidia nigricollis) besitzt zwar Flügel und kann damit auch fliegen, doch auch, wenn sie so heißt, zählt sie nicht zu den Fliegen. Vielmehr bilden Kamelhalsfliegen eine eigene Ordnung innerhalb der Gruppe der Netzflüglerartigen. Laut Professor Thomas Schmitt vom Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut (Müncheberg, Brandenburg), das die Wahl koordiniert, sind weltweit etwa 250 Arten bekannt. Der Preisträger ist eine davon.

Warum Normalbürger den bis zu 15 Millimeter großen Winzling selten zu Gesicht bekommen, ist einfach zu begründen. Das Larvenstadium verbringt das Insekt verborgen unter der Rinde von Bäumen oder im Waldboden. Dabei ernähren sich die wendigen Läufer mit ihrem kleinen Kopf vor langgestrecktem Körper von Eiern und Larven anderer Insekten, etwa von Borkenkäfern, was sie für menschliche Maßstäbe zu Nützlingen macht. Geschlechtsreife Tiere werden vor allem standorttreu hoch oben in Baumkronen gesichtet. Auch hier ernähren sie sich von anderen Insekten, insbesondere von Blatt- und Schildläusen.

Bevor sie sich verpuppen, häuten sich die Larven im Lauf mehrerer Jahre neun- bis dreizehnmal. Aus der Puppe geschlüpfte Tiere besitzen einen markanten Körperbau. Wie dem Namen nach bereits zu vermuten ist, besitzen sie einen signifikant verlängerten Hals, der in diesem Fall das erste Brustsegment bildet. Bei der Preisträgerart besitzt der Hals eine auffallend schwarze Farbe. Vorne sitzt ein kleiner flacher Kopf mit Fühlern, hinten ein langgezogener Körper mit länglichen filigranen Flügeln.

Aus Fossilienfunden ist bekannt, dass Kamelhalsfliegen bereits zu Zeiten der Dinosaurier in allen Erdteilen gelebt haben. Für die Zeit nach deren Aussterben gilt als Verbreitungsgebiet nur die nördliche Hemisphäre. Dies liegt daran, dass offensichtlich nur die Arten die zurückliegenden Kälteperioden überlebt haben, die kalte Winter für ihre Entwicklung benötigen. Somit ist zu vermuten, dass sich ihr Lebensraum im Zuge der Klimaerwärmung drastisch verkleinern wird.

Als Insekt des Jahres dürften die kleinen, aber markanten Kamelhalsfliegen an Popularität gewinnen. Noch vieles gibt es über sie zu erforschen. Aufgrund ihres Lebensraums werden sie kaum an Insektenschutzgittern zu beobachten sein, es sei denn, an hoch oben erbauten Baumhäusern. Auf Wunsch liefern wir dafür exklusive Kamelhalsfliegengitter, 2022 natürlich ganz in schwarz…

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