16 Jul

Insekt des Jahres – Schwarzblauer Ölkäfer

Schwarzblauer Ölkäfer; von Kurtsoeser / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0); https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Schwarzblauer_Ölkäfer.jpg

Herzlichen Glückwunsch dem „Schwarzblauen Ölkäfer“. Das Kleintier hat auch in Zeiten der Corona-Pandemie Grund zum Jubeln. Die Fachjury wählte ihn zum „Insekt des Jahres 2020“. Eines muss man dem Käfer-“Dino“ lassen: Er besticht durch seine giftigen Argumente und Cleverness.

Die Larven des „Schwarzblauen Ölkäfers“ klettern auf Blüten, um dort per Anhalter von Wildbienen in deren Nester mitgenommen zu werden. Dort bedienen sie sich bequem der Bieneneier und Pollenvorrat. Beste Grundlagen, um im Frühling als Käfer zu schlüpfen. Schon alleine aufgrund dieses cleveren Schachzugs halten sich die ausgewachsenen Tiere in der Nähe von Bienenstämmen auf. Heiden, Streuobstwiesen und Trockenrasen gehören somit zu den bevorzugten Lebensräumen.

Der „Schwarzblaue Ölkäfer“ hat bei genauerer Betrachtung in der roten Liste aller gefährdeten Tierarten etwas überraschend einen festen Platz. Das ist deshalb so verwunderlich, weil ein Weibchen innerhalb von zwei Wochen 3.000 bis 9.500 Eier zu legen im Stande ist. Nur ein Bruchteil dieser Anzahl schafft es allerdings in den „Käfer-Status“. Wie so viele bedrohte Arten kämpft das Kleintier mit dem zunehmenden Verlust seines Lebensraums. Auch ist Straßenverkehr ein potenzielles Risiko für den Käfer. Bereits minimale Störfeuer verhindern eine gesunde Entwicklung der Larve.

Seit sage und schreibe 4.000 Jahren wird dem „Schwarzblauen Ölkäfer“ sein Dasein zugerechnet. Dabei spielte er schon vor langer Zeit in den Augen der Menschheit keineswegs nur eine Nebenrolle. Vielmehr warfen Zweibeiner bereits früher auf den Reizstoff Cantharidin ein Auge. Ihm wurde eine heilende Wirkung für viele Krankheiten nachgesagt. Ein „Honig-Käfer-Gemisch“ habe die sexuelle Potenz gesteigert, allerdings ging der Schuss oftmals nach hinten los. Das Gift eines einzigen Käfers reicht für einen Menschen nämlich als Sargnagel. Das wiederum war den antiken Griechen bewusst, denn sie nutzten das „toxische“ Lebewesen als Werkzeug für Hinrichtungen und Morde.

Heute leben über 30 Arten von Ölkäfern in Mitteleuropa. Dabei ist der „Schwarzblaue Ölkäfer“ auch unter dem Namen Maiwurm bekannt. Fressfeinde gibt es aufgrund der giftigen Zusammensetzung des Käfers kaum. Diese „toxische Konstitution“ frisst sich das Lebewesen geradezu an. Frühblüher wie beispielsweise die Küchenschelle stehen nämlich auf dem Speiseplan und diese besitzen teilweise in all ihren Pflanzensegmenten Giftstoffe. So produziert die Küchenschelle Protoanemonin, welches sich wiederum als Reizstoff für Haut und Schleimhäute herauskristallisiert.

Vor der nächsten Begegnung mit den 10 bis 35 mm langen Lebewesen beim Spaziergang in der Natur braucht also niemand Angst zu haben. Es sei denn, er isst die dunklen Geschöpfe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.