07 Aug

Insekt des Monats August: Der Ammen-Dornfinger

Foto: Rainer Altenkamp, Wikimedia Commons

Diese kleinen Tierchen haben in den letzten Wochen und Monaten einige Wellen geschlagen. Die Boulevardpresse spricht von “Todesspinnen” und der neuen “giftigsten Spinne Deutschlands”. Panik ist jedoch fehl am Platze. Denn: Wir leben schon seit Jahrzehnten mit ihnen in friedlicher Koexistenz.

Die Rede ist von einer Webspinne namens Ammen-Dornfinger (Cheiracanthium punctorium), häufig auch nur als Dornfinger bezeichnet. Üblicherweise sind Dornfingerspinnen eher im wärmeren Teil Mitteleuropas, also in der Mittelmeerregion beheimatet. Die Klimaerwärmung und milde Winter in den vergangenen Jahren tragen vermutlich dazu bei, dass sich die Achtbeiner auch bei uns wohlfühlen – aber nicht erst seit gestern. Untersuchungen haben bestätigt, dass Ammen-Dornfinger bereits seit 1990 nachweislich flächendeckend in Deutschland heimisch sind.

Gut versteckt und selten anzutreffen

Dass wir Dornfinger nur wenig zu Gesicht bekommen, liegt daran, dass sie generell selten vorkommen. Zudem sind sie mit bis zu 1,5 cm relativ klein und hauptsächlich nachtaktiv. Tagsüber verstecken sie sich in sogenannten Ruhegespinsten. Diese kleinen Kugeln bestehend aus Netzfäden dienen als Behausung und sind meist im hohen Gras oder Unterholz versteckt. Mit dem gelblich-grünen Hinterkörper und einem orangeroten Thorax, der in schwarzen Klauen ausläuft, sind die Giftspinnen zudem in ihren Lebensräumen wie Wiesen, Waldlichtungen oder Weggräben bestens getarnt.

Brutgespinst eines Ammen-Dornfingers in einem Farngewächs. Foto: Rainer Altenkamp, Wikimedia Commons

Brutgespinst eines Ammen-Dornfingers in einem Farngewächs. Foto: Rainer Altenkamp, Wikimedia Commons

Auffällig dagegen sind ihre Brutstätten: hühnereigroße Kokons, die zur Aufzucht der Nachkommen genutzt werden. Die Dornfinger weben diese Kokons meist in die Spitzen von Ähren, Blüten oder anderen Fruchtständen. Diesen “Kinderkrippen” sollte man sich allerdings nicht nähern. Wie der Name Ammen-Dornfinger bereits verrät, kümmert sich diese Spinnenart nämlich ganz besonders gut um ihre Nachkommen – notfalls auch unter Einsatz der giftigen Klauen. Schmerzhafte Bisse können die Folge sein.

 

Wie gefährlich sind Dornfinger tatsächlich?

Die meisten Spinnen sind giftig. Das ist nichts Neues. Mit Hilfe von Giftinjektionen lähmen beziehungsweise töten die Achtbeiner ihre Beutetiere, um sich anschließend von ihnen zu ernähren. Dornfinger sind nur deshalb gefährlich für uns Menschen, weil ihre Kieferklauen (Cheliceren) groß und kräftig genug sind, um die menschliche Haut zu durchdringen. Dazu sind in Europa außer dem Dornfinger nur wenige Spinnen, wie etwa die Schwarze Witwe oder die Kreuzspinne, imstande.

Glücklicherweise besitzen diese Spinnen nur wenig Gift und so ist ein Biss nicht lebensbedrohlich. Der Biss selbst ist allerdings schmerzhaft und vergleichbar mit einem Bienen- oder Wespenstich. Die Giftwirkung kann bis zu zwei Tage anhalten und folgende Symptome mit sich führen:

  • sich ausbreitender Schmerz in der gebissenen Gliedmaße
  • Schmerzen in den anliegenden Lymphknoten
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Fieber
  • Kreislaufversagen

Wichtig:

Dauerhafte Schädigungen oder gar Todesfälle sind bisher nicht verzeichnet. Bei einem Biss sollte aber unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Besonders Allergiker sollten vorab eventuelle Komplikationen mit ihrem Arzt klären.

Fazit:

Angst oder gar Panik vor dem Dornfinger sind unbegründet. Wie bei Zecken, Bienen und Wespen gilt auch hier: Bewegen Sie sich vorsichtig in möglichen Lebensräumen der Tiere und bereiten Sie sich mit langen Hosen und geschlossenen Schuhen auf einen Ausflug in Wald und Wiese vor.

Quelle: Ammen-Dornfinger

 

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