30 Dez

Insekt des Monats Dezember: Der Zitronenfalter

Ein Zitronenfalter wie unsere Cleopatra sitzt auf einer lilafarbenen Blüte.

Insekten im Dezember? Sind die nicht schon alle in ihre Verstecke gekrochen und in Winterstarre verfallen? Die meisten schon. Ein Zitronenfalter namens Cleopatra allerdings nicht. Die Schmetterlingsdame muss sich nämlich nicht verstecken und dreht an milden Wintertagen sogar immer wieder ihre Runden.

In unserer Dezemberausgabe begleiten wir den Zitronenfalter Cleopatra in einer kleinen Lehrgeschichte. Die Geschichte ist natürlich erfunden, allerdings mit realen Daten zum Zitronenfalter gefüttert und könnte sich jährlich ungefähr so abspielen:

Der Beginn eines Zitronenfalterlebens

Auf dem Ast eines Faulbaums in der Nähe eines kleinen Wäldchens sitzt ein gelbliches Ei. Das Ei ist winzig, gerade mal drei Millimeter groß und wurde dort von einem befruchteten Zitronenfalterweibchen abgelegt. Knapp zwei Wochen ist das her. Mittlerweile ist es Mai und in den letzten Tagen hat sich immer wieder etwas in dem Ei geregt. Heute soll es endlich soweit sein: Die Oberfläche des kleinen Ovals springt auf und eine grasgrüne Raupe krabbelt mühsam nach draußen.

Der Name der kleinen Raupe ist Cleopatra und sie freut sich über den ersten Anblick ihres Lebens: Futter so weit das Auge reicht. Sie kriecht zum nächsten Blatt und fängt sogleich genüsslich an zu fressen. Faulbaum schmeckt der Raupe besonders gut. Vor Räubern ist sie dabei bestens geschützt. Ihre Hautfarbe ist nämlich zufälligerweise genau dieselbe wie die des Blattes, auf dem sie sitzt. Sobald Cleopatra fertig ist, setzt sie sich in die Mitte des Blattes und verdaut. In den nächsten eineinhalb Monaten wird sie ihr Raupenleben damit verbringen, sich groß und kräftig zu fressen, bis sie eine Größe von drei bis vier Zentimetern erreicht hat, nur um sich dann in eine Puppe für die letzte Verwandlung zurückzuziehen.

Zum ersten mal ein Schmetterling

Es ist Ende Juli. Cleopatra sitzt auf einer lilafarbenen Blüte und spreizt zum ersten Mal ihre Flügel. Sie sehen noch ganz knittrig aus, strecken sich aber nach und nach zu ihrer vollen Größe aus. Die Sonnenstrahlen wärmen ihren länglichen, pelzigen Körper und die langen Fühler. Das warme Gefühl auf ihren neuen Flügeln ist besonders schön. Anfangs waren ihr die neuen Gliedmaßen aber gar nicht so geheuer. Ganz eng wurde es nämlich in dem kleinen Gehäuse, der Puppe, in die sie sich sechs Wochen lang eingeschlossen hatte. Sechs lange Beine hat sie jetzt und zwei wunderschöne blassgrüne Flügelpaare. Die Flügel laufen an den äußeren Enden spitz zu und haben jeweils einen dunkleren Punkt in der Mitte: ein unverwechselbares Kennzeichen für ihre Art – die Zitronenfalter.

Kurzes Erwachen aus dem Winterschlaf

„Was geschieht nur mit mir?”, fragt sich Cleopatra. „Normalerweise schlafe ich doch viel länger.” Es ist Dezember und die Zitronenfalterdame ist mittlerweile schon neun Monate alt. Eigentlich sollte sie gerade einen langen Winterschlaf halten, um genügend Kraft für den nächsten Frühling zu sammeln. Dann legt sie nämlich endlich selbst ihre Eier und kann für den Fortbestand ihrer Art sorgen. Schlaftrunken sieht sie sich um und bemerkt sogleich den Grund für ihr vorzeitiges Erwachen: die Sonne scheint und es ist warm. Nicht so warm wie im Sommer, aber warm genug, um noch etwas Energie zu tanken. Cleopatra freut sich und krabbelt unter ihrem Lieblingsast hervor. Wirklich vor der Kälte verstecken muss sich die Zitronenfalterdame nämlich gar nicht, denn durch ihre Adern fließt das natürliche Frostschutzmittel namens Glycerin. Sie krabbelt also nach oben ins Geäst des Faulbaums und klappt ihre Flügel zusammen. Sie richtet sie so aus, dass sie von der Seite angeschienen werden. Herrlich! Vielleicht könnte sie ja sogar noch eine Runde fliegen, denkt sich Cleopatra. Das würde so einen milden Wintertag perfekt machen. Nach ein paar Minuten in der prallen Morgensonne schlägt sie einige Male mit ihren blassgrünen Flügeln und hebt ab: zu ihrem letzten Flug, bevor sie ihren Winterschlaf fortsetzt.

Wer noch mehr über Zitronenfalter herausfinden will, findet weitere Daten unter www.nabu.de. Eine ausführliche Fotostrecke über Zitronenfalter finden Sie unter www.schmetterling-raupe.de. Unsere Cleopatra ist allerdings nicht unter den fotografierten Raupen und Schmetterlingen 😉 .

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