20 Jan

Insekt des Monats Januar: Der Dunkelbraune Kugelspringer

Foto: Andreas Stark / Depositphotos.com

Was in Großaufnahme etwas gruselig – ja sogar andersweltlich – aussieht, ist in der freien Natur sicherlich jedem schonmal über den Weg gesprungen. Zugegeben vielleicht nicht “über” sondern eher “unter”. Denn der Kugelspringer ist winzig und nennt weiche Humusschichten und das obere Erdreich sein Zuhause.

Der Dunkelbraune Kugelspringer, genannt Allacma fusca, ist das Insekt des Jahres 2016. Er steht beispielhaft für die Klasse der Springschwänze, der sogenannten Collembola, und die Bezeichnung “Kugelspringer” ist bei diesen Tierchen Programm: Am hinteren Ende des kugelrunden Insektenhinterns sitzt eine schwanzartige “Sprungfeder”, welche bei Gefahr auslöst und das Insekt ungezielt von einem etwaigen Fressfeind wegschleudert.

Doch die Sprungschwänze sind nicht nur akrobatisch begabte Überlebenskünstler, sondern haben auch sehr interessante und für die Umwelt wichtige Ernährungsgewohnheiten. Die kleinen Fressmaschinen kümmern sich nämlich aktiv um das mikrobielle Gleichgewicht in unseren Waldböden und stehenden Gewässern.

Sein großer Wert für die Umwelt

Hunderttausende von Springschwänzen können in einem Quadratmeter Waldboden vorkommen – und das ist auch gut so. Sie ernähren sich nämlich von Pflanzenresten, Algen, Bakterien, Einzellern oder Pilzsporen und zerlegen diese in ihre Grundbestandteile, welche wiederum von den Pflanzen in ihrer Umgebung als Nährstoffe aufgenommen werden. Die, wenn überhaupt, nur wenige Millimeter großen Insekten erhöhen also durch ihr Fressverhalten die Fruchtbarkeit des Bodens: zum Vorteil für Land- und Forstwirtschaft. Wenn Springschwänze für Sauberkeit sorgen, wachsen Pflanzen schneller, besser, gesünder.

Wahre Umwelthelden im Kleinstformat also. Für das Kuratorium des Julius-Kühn-Instituts ist der Kugelspringer damit der perfekte Kandidat für den Titel Insekt des Jahres 2016, und eine Galeonsfigur, um auf die weltweit immer schlechter werdenden Bodenqualitäten hinzuweisen.

Boden als endliches Gut benötigt Schutz

Ebenso wie Wasser ist auch gesundes Erdreich ein lebenswichtiger Rohstoff, den es zu schützen gilt. Verschmutzung und Baumaßnahmen lassen immer mehr Bodenflächen “verschwinden”, auf denen Lebensmittel angebaut werden können. Um das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit für diese Problematik zu schärfen, wurde im Jahr 2015 von den Vereinten Nationen bereits das Internationale Jahr des Bodens ausgerufen. Glücklicherweise haben auch politische Institutionen endlich verstanden, dass Handlungsbedarf gegeben ist. Der Appetit des Kugelspringers reicht leider nicht aus, um Bodenflächen zu erhalten und zu pflegen.

Über folgenden Link finden Sie mehr Informationen über die Arbeit des Julius-Kühn-Institutes.

Foto: Andreas Stark