11 Sep

Insekt des Monats September: Das Grüne Heupferd

Foto: Erich Keppler, pixelio.de

Das Zirpen von Heuschrecke, Grille und Co ist ein unverzichtbarer Bestandteil sommerlicher Lagerfeuerromantik. Gleichzeitig leitet der schrille Gesang aber das nahende Ende des Sommers ein – und auch einen neuen Lebenszyklus in der Insektenordnung der Heuschrecken, denn die Paarungszeit der grünen Hüpfer hat begonnen. Aber Vorsicht: Wer sich auf die Suche nach dem Ursprung dieser Laute begibt, kann ganz schön erschrecken. Es könnte ein vier Zentimeter großes, stachelbewehrtes Heupferd sein, das da gerade nach seiner zukünftigen Partnerin ruft.

Grünes Heupferd: sieht gefährlich aus, ist es aber nicht

Das Große Grüne Heupferd (Tettigonia viridissima) ist in Mitteleuropa mit 2,5 bis 4,5 cm eine der größten vorkommenden Heuschreckenarten und hauptsächlich in Gebieten bis 500 m über dem Meeresspiegel heimisch. Trotz seiner Größe und eines langen Stachels am Hinterleib stellt es aber keine Gefahr für Menschen dar. Der stachelförmige Auswuchs am Hinterleib ist nämlich tatsächlich ein “Legebohrer”.

Furchterregend aber harmlos: Der "Legebohrer" eines Weibchens überragt teilweise die Flügelspitzen. Foto: Annamartha, pixelio.de

Furchterregend aber harmlos: Der “Legebohrer” eines Weibchens überragt teilweise die Flügelspitzen. Foto: Annamartha, pixelio.de

Wenn ein Männchen mit seinem Gesang ein passendes Weibchen angelockt und anschließend befruchtet hat, platzieren die Weibchen ihre 200 – 600 Eier im Boden oder in verrottenden Pflanzenresten. An der Länge des Fortsatzes kann auch das Geschlecht bestimmt werden: Das Fortpflanzungsorgan der Männchen ist wesentlich kürzer als der Legebohrer der Weibchen.

Interessant ist die Art der Lauterzeugung: Die Männchen zirpen, zischen oder brummen durch Aneinanderreiben der Flügelflächen, -kanten oder -adern, wobei jede Unterart ihre ganz eigenen Klänge erzeugt. So fühlen sich nur Weibchen der eigenen Spezies angesprochen und finden ihren zukünftigen Partner auf über 150 Meter Entfernung. Ein Katzensprung für Heupferde, denn sie zeichnen sich nicht nur durch hohe Sprungkraft, sondern auch durch eine ausgezeichnete Flugfähigkeit aus.

Video: Die Lauterzeugung eines Männchens durch Aneinanderreiben der Flügelflächen in Nahaufnahme. Quelle: Jan Klomp, YouTube.

Göttliche Plage oder Überlebenskünstler?

Von der weiten Verbreitung des Grünen Heupferds geht in Europa keine Gefahr aus. Heuschreckenplagen, wie bei Moses’ Auszug aus Ägypten geschildert, wurden in unseren Breiten seit dem Mittelalter nicht mehr gesichtet. Ganz im Gegenteil: Heupferde sind Räuber und ernähren sich zu einem Großteil von anderen Insekten und deren Larven sowie schwachen und verletzten Artgenossen. Sie sorgen also für eine gesunde Auslese und sind Teil des natürlichen Gleichgewichts. Kahlfraß und Ernteausfälle durch Verwandte des Heupferds sind zwar in Afrika und Asien bekannt (und gefürchtet), werden jedoch mit der Hilfe von Insektiziden meist schnell und wirkungsvoll bekämpft.

Eine weite Verbreitung von Heuschreckenarten ist also nicht unbedingt selbstverständlich. Allein in Bayern stehen mehr als die Hälfte aller etablierten Arten auf der Roten Liste bzw. Vorwarnliste für ausgestorbene oder bestandsgefährdete Arten. Als Gründe für die Gefährdung werden unter anderem die Intensivierung der Landwirtschaft und die fortschreitende Flurbereinigung angeführt. Interessanterweise wird anhand der Ausbreitung mancher Arten die Klimaerwärmung eher als positive Auswirkung erkannt.

Das Große Grüne Heupferd ist also ein echter Überlebenskünstler und scheint sich mit seiner Größe, Fortpflanzungstechnik und Populationsgröße perfekt an die aktuellen Gegebenheiten unserer Umwelt angepasst zu haben. Eine gute Nachricht für alle, die Spätsommerromantik gerne mit der richtigen Geräuschkulisse genießen.

Quellen: Wikipedia, Bayerisches Landesamt für Umwelt

5 Gedanken zu „Insekt des Monats September: Das Grüne Heupferd

  1. Das Insekt des Monats, herrlich! Viel zu wenig Beachtung bekommen diese wunderbaren und wichtigen Lebewesen geschenkt!! Und aus der Nähe betrachtet, sieht z.B. hier das Grüne Heupferd doch wohl wirklich richtig toll aus!!

  2. Ich habe das Glück in Asien zu leben was aber gerade bei Heuschrecken ein Nachteil ist. Jedes Jahr so gegen Juni bis Oktober fallen Milliarden (wenn nicht paar Nullen fehlen) Heuschrecken über alles fressbaren Blätter her. Ich habe auf meine Farm junge Bäume die sind nach 3 Wochen komplett entlaubt.

  3. Ich hatte neulich so ein Tier in meiner Küche auf der Kaffeemaschine sitzen. Das ist eigentlich erstaunlich, weil ich in der dritten Etage wohne.
    Ich hab es per Glas und Pappe eingefangen und wieder in die Freiheit entlassen.

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