30 Jul

Insektenfänger der Lüfte: Mauersegler

Mauerseglerschwarm, von Keta#, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2237997

Dass wir uns unmittelbar nach den Schwalben den fast “baugleichen” Mauerseglern widmen, liegt einerseits an der durch ihre Lebensweise bedingten Verbundenheit der nicht verwandten Arten, andererseits daran, dass sie derzeit in Mitteleuropa noch zahlreich anzutreffen sind, bevor sie sich bereits im August wieder zu ihren weit entfernten Winterquartieren im südlichen Afrika aufmachen.

Lange Zeit dachte man, dass Mauersegler und die etwas kleineren Schwalben nahe Verwandte sein müssten. In ihrer Physiognomie und ihrem Flugverhalten sind sie sich zum Verwechseln ähnlich. Dies rührt in erster Linie daher, da sie die gleiche Lebensweise und die gleichen Vorlieben pflegen. Als ausschließlich auf fliegende Insekten und Spinnen spezialisierte Flugjäger fühlen sie sich nahe menschlicher Siedlungen besonders wohl, denn hier finden sie geeignete Nistplätze.

Anders als Schwalben bevorzugen Mauersegler Nisthöhlen, die sie zahlreich in altem Gemäuer, bevorzugt unter Dächern, finden. Dort, wo sie keine geeigneten Bauwerke ausmachen können, suchen sich die Mauersegler wie vor Jahrhunderten Brutplätze in Felswänden und sehr selten in verlassenen Spechthöhlen.

Wenn sie nicht brüten, fliegen sie. Mauersegler leben fast ausschließlich im Flug. Bei manchen Exemplaren wurde angeblich nachgewiesen, dass sie mehr als drei Jahre ununterbrochen fliegend verbrachten, bevor sie sich wohl nur ganz kurz niederließen. Wie sie dies schaffen, ist wohl noch nicht restlos aufgeklärt, Vogelkundler vermuten jedoch, dass nachts abwechselnd die Hirnhälften schlafen, während die andere den Organismus aktiv hält.

In der Brutzeit sind die Elternpaare noch eifriger auf Beutejagd als sonst. Messungen ergaben, dass sie täglich mehr als 20.000 Insekten und Spinnen an ihre Jungen verfüttern. Dabei nehmen sie wenig Rücksicht darauf, was ihnen gerade vor den Schnabel kommt. Was klein genug ist und fliegt, wird gejagt. Dabei sind die Vögel mit ihrer charakteristischen Sichelform sehr wendig und schnell unterwegs. In der Spitze können sie eine Geschwindigkeit von 200 km/h erreichen.

Die Vielflieger sind leicht an ihren schrillen Rufen zu erkennen. Da sie gerne in Schwärmen unterwegs sind und dabei spektakuläre Flugshows vollführen können, besitzen sie unter Vogelfreunden zahlreiche Anhänger. So gibt es sogar eine Deutsche Gesellschaft für Mauersegler e.V., die diese Art aktiv unterstützt. Im Jahr 2003 wurden die eifrigen Insektenjäger in Deutschland und Österreich zum Vogel des Jahres gekürt, in der Schweiz zwei Jahre später.

Mauersegler besitzen eine vergleichsweise hohe Lebenserwartung. Viele von ihnen erreichen ein Alter von mehr als zehn, manche sogar von mehr als zwanzig Jahren. Gefahr droht ihnen aus der Luft. Insbesondere die noch schnelleren Wanderfalken sind hinter ihnen her. Nicht selten bilden die Segler in diesem Fall sogar gemeinsame Schwärme mit Schwalben.

Nach dem Motto “Wie du mir, so ich dir” gibt es auch Insekten, die die Nähe der Vielflieger suchen. Die Mauerseglerlausfliege hat sich sogar auf die Art spezialisiert und ernährt sich als Parasit von deren Blut.

Wer den Mauerseglern zur Aufzucht ihrer Jungen gerne Unterschlupf an oder in seinem Haus bieten möchte, kann geeignete Brutkästen unter dem Dach oder anstelle eines Mauersteins unter Putz in eine Wand setzen. Mauersegler als Mitbewohner hinterlassen dabei deutlich weniger Schmutz als die mit Lehm kleckernden Schwalben. Einmal eingezogen kommen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im kommenden Jahr wieder genau hierher.

Als aktiven Beitrag zur Wohngemeinschaft lockt eine verminderte Mücken- und Fliegenpopulation rund um Terrasse und Balkon. Spätestens ab Mitte August sind die Mauersegler wieder gen Süden entschwirrt und die Menschen dürfen sich glücklich schätzen, wenn sie Muggergitter an ihren Türen und Fenstern wissen.

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