30 Sep

Insektenschutz nun auch für Rund- und Bogenfenster

Foto von A.Savin (Wikimedia Commons · WikiPhotoSpace) - Eigenes Werk, FAL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51086339

Der weitaus größte Teil der Fenster weist ein rechteckiges Format auf. Gleiches gilt damit für Spannrahmen mit Insektenschutzgittern, die vor den Fenstern befestigt werden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Rundbogenfenster und weitere Formen bei Öffnung unbewehrt dem Insekteneinflug ausgesetzt sein müssen.

Seit diesem Jahr sind die Muggergittermacher in Ansbach in der Lage, Fliegengitter in bewährter Qualität und allen möglichen Formen herzustellen. Dies unterscheidet den mittelfränkischen Fachbetrieb vom Gros seiner Mitbewerber. In einem Interview erläutert Geschäftsführer Dr. Hans Mehringer die Erweiterung des Sortiments.

Frage: Was war der Anlass dafür, in die Fertigung gebogener Teile zu investieren?

Dr. Mehringer: Einfacher Insektenschutz wird inzwischen von relativ vielen Anbietern geliefert. Wir sind in diesem Bereich Spezialist und haben daher den Anspruch, jedes Fenster und jede Tür mit Insektenschutz in verschiedensten gewünschten Ausführungen bestücken zu können. Dazu gehören auch Fenster und Türen, die nicht rechtwinkelig sind oder Bögen beinhalten. Mit solchen Kompetenzen können wir uns gut von leichter oder beliebig austauschbaren Anbietern abgrenzen und uns als Spezialist positionieren.

Frage: Bitte beschreiben Sie die Investitionen in Maschinen, Software und Mitarbeiterschulungen im Detail. Wie groß war das Volumen?

Dr. Mehringer: Insgesamt haben wir einen hohen fünfstelligen Betrag investiert. Mit Kosten, die nicht extra festgehalten werden wie interne Einarbeitung, ist dieser dann sogar sechsstellig geworden. Die größte Position war eine Biegemaschine für Profile mit dem für die unterschiedlichen Profile benötigten Zubehör.

Frage: Wie viele Mitarbeiter wurden wie lange, wo und von wem geschult? Sind dies alle Mitarbeiter in der Fertigung?

Dr. Mehringer: Geschult haben wir unsere Sachbearbeiter im Hinblick auf die Erfassung der Aufträge und die dazu gehörende Arbeitsvorbereitung, außerdem zwei Mitarbeiter aus der Fertigung im Hinblick auf Biegen und Sägen der Profile. Die Montage und das Bespannen der Elemente werden von Mitarbeitern gemacht, die dafür keine besondere Schulung haben, aber viel handwerkliche Erfahrung und Fingerspitzengefühl. So haben diese sich dazu selbst qualifiziert und eingearbeitet.

Frage: Wurde hierfür ein eigenes Team gebildet?

Dr. Mehringer: Dafür ist der Anteil, den wir mit diesen Elementen machen, zu niedrig. Alle Mitarbeiter, die an der Erstellung dieser Elemente beteiligt sind, haben nach wie vor ihren Schwerpunkt im bisherigen Tagesgeschäft.

Frage: Wie hoch ist ggf. etwa der zeitliche Mehraufwand in der Herstellung eines gebogenen Elements gegenüber einem rechteckigen gleicher Fläche?

Dr. Mehringer: Da gibt es eine relativ große Bandbreite. Der Mehraufwand besteht im Wesentlichen aus Erfassung der Bestellung, Erstellung einer Zeichnung, Biegen der Teile, Verklebung (statt Verpressen) der Eckverbindungen und einem wesentlich aufwendigeren Bespannungsvorgang der Elemente mit dem Schutzgewebe. Für Spannrahmen bedeutet das einen Mehraufwand von etwa zwei Stunden, bei Elementen mit einem Rahmen erhöht sich dieser auf drei bis vier Stunden und besonders anspruchsvoll sind zweiflügelige Elemente. Insgesamt verkaufen wir die meisten Elemente über Wiederverkäufer und Händler (Schreiner, Glasereien, Raumausstatter), sodass mit den vorgenannten Arbeiten unser Aufwand abgedeckt ist. Bei Verkauf an Privatkunden kommt noch die Montage dazu, die meist auch aufwendiger ist als für rechteckige Elemente.

Frage: Wie spiegelt sich der höhere Aufwand im Preis wider?

Dr. Mehringer: In Abhängigkeit von den vorgenannten unterschiedlichen Situationen betragen Mehrpreise meist zwischen 100 und 300 €, es können auch mal 600 € werden.

Frage: Wie groß schätzen Sie den zukünftigen Anteil gebogener Teile am Gesamtauftragsvolumen?

Dr. Mehringer: Die Erweiterung unserer Kompetenz auf gebogene Teile haben wir 2020 umgesetzt. Unsere statistischen Auswertungen haben wir dazu noch nicht überarbeitet. Das sind meistens Arbeiten, die wir dann in der umsatzschwächeren Zeit um den Jahreswechsel vornehmen.

Frage: Ist ein Trend hin zu Sonderformen erkennbar?

Dr. Mehringer: So kann man das nicht formulieren. Es ist eher so, dass Kunden eine besondere Ergänzung benötigen und dazu auch den entsprechenden Spezialisten brauchen, der das kompetent erledigt. Und es ist natürlich auch auf der Baustelle ein guter Handwerker nötig, der das zunächst richtig ausmisst und dann routiniert einbaut. Menschen, die da weniger kompetent sind, neigen schon mal dazu, sich gegenüber Privatkunden so zu äußern, dass es so etwas nicht gibt, weil sie nicht zugeben wollen, dass sie sich damit nicht auskennen.

Frage: Wie kommt das erweiterte Angebot bei den Kunden an?

Dr. Mehringer: Insgesamt kommt das Angebot gut an, unsere Leistungsfähigkeit ist damit einfach gestiegen. Viele Kunden schätzen das und honorieren es dadurch, dass sie sich mit ihren Bestellungen insgesamt mehr auf uns konzentrieren. Wir haben in diesem Jahr einen ordentlichen prozentual zweistelligen Zuwachs des Auftragseingangs. Dieser resultiert jetzt nicht überwiegend aus gebogenen Elementen, diese tragen aber eben mit dazu bei, dass wir insgesamt als sehr leistungsfähiger Lieferant wahrgenommen werden.

Frage: Akquirieren Mitarbeiter im Außendienst jetzt gezielt Hausbesitzer mit Rund- und Bogenfenstern?

Dr. Mehringer: Nein, das findet in der Form nicht statt. Aber wir freuen uns über jede Nachfrage, bei denen solche Teile dabei sind, weil wir wissen, es gibt nur wenige Anbieter, die das überhaupt können.

Frage: Gibt es noch Besonderheiten in bezug auf die Fertigung gebogener Teile zu erwähnen?

Dr. Mehringer: Insgesamt gibt es in Deutschland nur wenige Anbieter, die gebogenen Insektenschutz fertigen können. Wir denken deshalb darüber nach, ob wir diese Elemente auch an andere, weiter entfernte Produzenten (z.B. in Frankfurt, Köln, Berlin, Hamburg) liefern können, die das nicht selbst können und zu denen es keine regionale Wettbewerbssituation gibt.

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