12 Jun

Insektenschutzgesetz auf der Zielgeraden?

Eine Blumenwiese Blumenwiese; Foto von Ramessos; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Blumenwiese2.jpg

Eine “neverending Story” neigt sich einer Entscheidung zu. Die seit langem anvisierte Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes, auch Insektenschutzgesetz genannt, soll noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden. Woran hakt es noch?

Das Votum aus der Bevölkerung war deutlich: Dem seit Jahrzehnten fortschreitenden Artenrückgang bei Vögeln und Insekten sollte Einhalt geboten werden. Als einen der Hauptverursacher hatte man die industrielle Landwirtschaft identifiziert – Stichworte: Monokulturen und Glyphosat – und nicht nur ein Umdenken, sondern konkretes Handeln eingefordert. Dass sich ein Großteil der Landwirte gegen die massiven Änderungen sträubt, ist legitim, doch wären alle schon viel weiter, wenn die Insekten ein Wort mitreden dürften.

Noch immer werden zahlreiche Insektenarten als Bedrohung gesehen und chemische Produkte als probate Mittel dagegen. Dabei werden die kleinen Sechsbeiner durchaus positiv in die menschliche Erstwahrnehmung eingeführt. Die Biene Maja, der Maikäfer Herr Sumsemann oder die kleine Raupe Nimmersatt begeistern als nur drei von unzähligen niedlichen Helden seit Jahrzehnten unsere Kleinsten.

Auch die Filmindustrie hat seit langem umgedacht. Aus den furchteinflößenden Monsterameisen und -spinnen aus schwarzweißen Nachkriegsstreifen wurden mit Perfektionierung der Animationstechnik clevere Protagonisten mit Charme. Vielleicht ist es an der Zeit, auch das verbliebene Negativimage zu hinterfragen, das durch verheerende Heuschreckenschwärme, Mückenplagen und Zeckenbefall befeuert wird. Mit dem Insektenschutzgesetz haben wir ja die Chance, der Geschichte der Beziehung zwischen Mensch und Insekt ein neues Kapitel hinzuzufügen, eines, das allen nützt.

Wie so oft ist es die Angst, die einem unbefangenen Miteinander im Wege steht. Die Angst, zuviele Insekten könnten ganze Ernten wegfressen, hat sich ins Gegenteil verkehrt. Eine Welt ohne ausreichende Insekten zur Bestäubung und als wesentliche Bestandteile der Nahrungskette erzeugt wiederum Angst, bezeichnenderweise mit ähnlichem Endergebnis. Die Angst vor zuviel Gift in den Lebensmitteln ist offensichtlich noch nicht auf diesem Niveau angekommen, aber nachweislich auf dem Vormarsch.

Doch zurück zur “neverending Story”: Zur erfolgreichen Abstimmung in Bundestag und Bundesrat soll den Landwirten ein spürbarer finanzieller Ausgleich zufließen. Es klingt damit zwar so, als sei es die Norm, dass Insektengifte versprüht werden, doch würden auch die Sechsbeiner den Kompromiss abnicken. Wenn so die Erzeugung gesünderer Nahrungsmittel und die Schaffung besserer Lebensbedingungen für die Insektenwelt gewährleistet wird, soll es uns recht sein. Was meint ihr, liebe Insekten?

Ein großer Teil der Menschen hierzulande wird weiterhin Angst haben: vor Veränderungen und vor allem um den Verlust ihres Wohlstands. Auch mit Insekten sind weiterhin Ängste verknüpft: die einen fürchten sich nach wie vor vor piesackenden Blutsaugern, die anderen vor einer Welt ohne Insekten. Letzteren nützt hoffentlich die Gesetzesänderung, den anderen raten wir zu Muggergittern.

Genießen Sie die Sommertage!

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