24 Aug

Insektenschutzgitter: Doppelter Schutz für Mensch und Vogel – Teil 2

Der Hüttensänger im Flug. Foto: Steve Byland / Depositphotos.com

Prof. Dr. Peter Berthold, Jahrgang 1939, ist emeritierter Professor. Bis 2005 lag der Schwerpunkt seiner Tätigkeit auf Vogelzug, Populationsdynamik und Grundlagenforschung des Naturschutzes. Seit 2004 ist er selbsternannter Landschaftsgestalter für Naturschutzzwecke. Zu seinen Aufgaben gehört die Neugestaltung von Biotopen, um dem Artensterben entgegenzuwirken. Ziel ist es, diese gut laufende Renaturierung auf ganz Deutschland auszuweiten. Über den Niedergang der Artenvielfalt in Deutschland verfasst Berthold zur Zeit ein Buch.

Im 2. Teil des Interviews gibt er Tipps, warum die Ganzjahresfütterung so wichtig ist und verrät mehrere Verhaltensweisen der Vögel.

Was empfehlen Sie noch, damit Vögel sich nicht beim Anflug auf Fenster und Türen verletzen?

Prof. Dr. Berthold: Es gibt die Möglichkeit Netze vor die Fenster zu hängen, wie man das bei Obstbäumen macht. Die Netze haben natürlich den großen Nachteil, dass sie den Ausblick beeinträchtigen. Viele Leute mögen das nicht. Womöglich verfängt sich der Vogel darin.

Also lieber doch auf das Fliegengitter zurückgreifen…?

Prof. Dr. Berthold: Ein Fliegengitter ist eigentlich gesellschaftsfähig, und es hat den großen Vorteil, dass es zwei Aufgaben erfüllt. Mache ich das Fenster auf, kommen keine Insekten rein. Mache ich es zu, fliegen keine Vögel gegen die Scheibe. Es muss natürlich außen angebracht sein, der Abstand zur Scheibe muss auch nicht groß sein. Wir haben das ziemlich gespannt, aber ohne Abstandhalter, angebracht. Die Folge: Die Vögel können trotzdem gegen die Scheibe fliegen, aber die Wucht des Aufpralls wird durch die Fliegengitter deutlich gebremst. Dadurch stirbt kein Vogel. Manche sind benommen, erholen sich aber und fliegen wieder weg.

Warum fliegen Vögel überhaupt gegen Glasfenster?

Prof. Dr. Berthold: Für den Vogel ist der Raum hinter einem Fenster oft dunkler. Er nimmt diesen Raum im Grunde genommen wie ein Gebüsch wahr, in das er hinein fliegen kann. Vögel machen, so wie wir, gerne in der Mittagszeit größere Ruhepausen. 

In der Aktivzeit sucht er den hellen Bereich auf, in der Ruhezeit den abgedunkelten Bereich. Auch bei Flucht nutzt der Vogel solche dunklen Räume. Bei Gefahr fliegt er also Richtung Scheibe. Wenn hinter dem Fenster noch Blumen stehen, wirkt das für den Vogel wie ein Gebüsch.

Viele Menschen sorgen sich um das Wohl der Vögel. Welchen Tipp haben sie für Leute, die Vögel füttern wollen?

Prof. Dr. Berthold: Denen gebe ich natürlich den aller wichtigsten Tipp mit, nämlich unser Buch „Vögel füttern, aber richtig“ zu lesen. Es ist ein großes Plädoyer für die Ganzjahresfütterung. Das wird immer wichtiger. Viele Vogel-Paare, die Junge haben, sind nicht mehr in der Lage ausreichend Insekten zu sammeln, um damit ihre Jungen aufzuziehen und sich so am Leben zu erhalten. Die Ganzjahresfütterung ist eigentlich heute das absolute Gebot der Stunde.

Vielen Dank für das Interview!