29 Jul

Mit Musik gegen Stechmücken

Foto: Dario Valerani / Depositphotos.com

Es gibt vielfältige Wege für Musiker, bekannt und gespielt zu werden. Auf ungewöhnliche Art sorgt der US-amerikanische DJ und Produzent Skrillex derzeit für Aufmerksamkeit, denn die Elektro-Beats seines Dubstep-Stückes “Scary Monsters and Nice Sprites” sollen Mücken abschrecken.

Verantwortlich für den “Hype” ist ein thailändisches Forscherteam. Das tropenmedizinische Fachjournal “Acta Tropica” berichtete unlängst über dessen Experiment zur Geräuschempfindlichkeit von tropischen Stechmücken. Hierzulande wurde die Meldung von namhaften Medien wie Stern, ProSieben und n-tv aufgenommen und verbreitet. Dort wird die Versuchsanordnung wie folgt beschrieben:

“Für seinen Versuch stellte das thailändische Forscherteam zwei Käfige bereit. In beide Käfige sperrten die Wissenschaftler je zehn Mückenweibchen, die seit Tagen keine Blutmahlzeit erhalten hatten und dementsprechend hungrig waren. Dazu gesellten sie je zehn Mückenmännchen sowie je einen Goldhamster. Einen der beiden Käfige beschallten die Wissenschaftler dann mit dem Song “Scary Monsters and Nice Sprites” des Elektro-DJs Skrillex. Um den Versuchskäfig Nummer zwei blieb es indes ruhig.”

Ohne akustischen Einfluss stürzten sich die Weibchen innerhalb einer halben Minute auf ihr Opfer. Mit der lautstarken Beschallung zeigten sich die Mücken irritiert und ließen den Nager so lange in Ruhe, bis das Stück verklungen war.

Die Forscher erklären das Verhalten damit, dass die schrillen Beats das Johnstonsche Organ der Insekten stört. Dieser Vibrationssensor koordiniert die Feinsteuerung des Fluges und ermöglicht das Zusammenfinden von paarungswilligen Mückenweibchen und -männchen. Offenbar überlagert die Frequenz des Skrillex-Stückes das Sirrgeräusch ihres Flügelschlags und stört damit sowohl das Paarungsprozedere als auch die Stechlust.

Ob der US-DJ hier ein Alleinstellungsmerkmal besitzt, dürfte nun ausführlich zu testen sein. Skrillex-Fans haben jedenfalls beste Argumente, die Anlage voll aufzudrehen. Freunde gediegener Entspannungsmusik jedoch mögen die schrillen Töne mehrheitlich als nervtötend bezeichnen. Manch einer mag sich lieber stechen lassen, als permanent den Beats ausgesetzt zu sein. Auch die Nachbarn dürften sich bedanken, denn die mückenabwehrende Wirkung bedarf einer gehörigen Lautstärke. Sollte sich Musik als massentauglicher Mückenschutz durchsetzen wollen, bedarf es also weiterer Erfolge in gemäßigteren Stilen. Vielleicht lassen sich die Insektenweibchen nicht nur irritieren, sondern mit heißen Rhythmen zum Tanzen bis zur Erschöpfung bringen oder mit sphärischen Entspannungsklängen einschläfern. Dies wäre eine richtige gute Nachricht.

Bis dahin und für alle, die lieber ganz ruhig schlafen wollen, empfehlen wir dann doch die bewährten Insektenschutzgitter an Fenster und Türen, oder, wie sie bei uns heißen, Muggergitter.

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