14 Jan

Pestizide gefällig?

Obststand auf einem Markt in Barcelona; von Daderot, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=193219

Während das Problembewusstsein der Deutschen hinsichtlich Klimawandel, Artenschutz und Ernährung offensichtlich wächst, werden weltweit nach wie vor Lebensmittel mit umweltschädlichen Giftstoffen behandelt, sehr zum Schaden der Insektenwelt.

Weintrauben aus Brasilien, Heidelbeeren aus Peru, Paprika aus Marokko. Dass exotische Früchte wie Ananas und Bananen aus fernen Ländern importiert werden, kennen wir seit vielen Jahrzehnten. Die permanente Verfügbarkeit von Obst- und Gemüsesorten, die auch europäische Erzeuger anbauen, überrascht zwar auch nicht mehr wirklch, doch rückt ein Aspekt gerade jetzt wieder in den Fokus der Medien.

Vor kurzem erschien der Pestizidatlas 2022. Nun merken Sie vielleicht, wohin dieser Artikel zielt. Immer wieder weisen wir auf diesem Blog auf das hochbrisante Thema des weltweiten Arten- und insbesondere des Insektensterbens hin. Ein wesentlicher Faktor, wenn nicht sogar die Hauptursache dafür, findet sich in der industriellen Landwirtschaft. Dort werden nicht nur weitgehend unverändert hochgiftige Pestizide in die Anbauflächen eingebracht. Schlimmer noch: Laut Pestizidatlas ist die Menge an eingesetzten Pestiziden seit 1990 weltweit um 80 Prozent gestiegen.

Genau in diesem Zeitraum verschwand ein Großteil der Insektenpopulation, vor allem solche aus flugfähigen Arten, die, was nahe liegt, besonders häufig mit der Landwirtschaft ins Gehege kommt. Ebenfalls signifikant: Die größte Steigerung des Pestizidverbrauchs schreiben die Verfasser dem südamerikanischen Kontinent zu.

Man kann dies natürlich damit erklären, dass im Zuge der stetig wachsenden Nachfrage aus der nördlichen Hemisphäre immer mehr Anbauflächen südlich des Äquators entstehen und hierbei sind die Voraussetzungen in Südamerika nunmal bedeutend besser als in Afrika und Australien.

Während allerdings in Europa mittlerweile zahlreiche Giftstoffe in den produzierten Spritzmitteln verboten sind, werden sie auf anderen Kontinenten munter weiter verwendet. Sehr bedenklich aus Sicht der Verbraucher und verheerend für die Insektenwelt!

Wussten Sie, dass ein wesentlicher Teil der hierzulande verbotenen Mittel von Produzenten mit Sitz in Deutschland exportiert wird? Auch interessant: Wussten Sie überdies, dass ein Großteil des Inhalts von Obst- und Gemüsekonserven in China geerntet wird?

Insektenschutz hängt hochgradig vom Kaufverhalten der Menschen ab. Wer in Deutschland im Winter frische Erdbeeren, im Frühling Weintrauben oder auch Äpfel verzehren möchte, sorgt in der Regel dafür, dass tausende Kilometer entfernt Böden und darin befindliche Lebewesen vergiftet werden. Selbst biologisch-dynamische Demeterware hinterlässt auf seiner Reise um die halbe Welt einen verhältnismäßig viel zu großen ökologischen Fußabdruck.

Natürlich wissen wir dies alle und viele Menschen versuchen, verantwortungsbewusst und umweltfreundlich zu wirtschaften. Trotzdem bleibt die Frage hartnäckig im Raum stehen, wo die Gründe für diese selbstzerstörerische Entwicklung liegen.

Bei den Insekten jedenfalls nicht!

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