29 Sep

Pflanzen, Insekten, dann der Mensch

Pionierpflanzen auf erkalteter Lava; von Quinn Dombrowski (quinn.anya) - https://www.flickr.com/photos/quinnanya/2182570137/sizes/o/in/set-72157603501300056/, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26743300

Der Kreislauf des Lebens zeigt sich wohl nirgends so plastisch und spektakulär wie bei einem Vulkanausbruch – so wie gerade auf der Kanareninsel La Palma.

Aktive Vulkane, besonders wenn sie lange geschlafen haben, sorgen nicht nur für schaurig-schöne Bewegtbilder, sondern verändern im wahrsten Sinne schlagartig ihre Umwelt. Seit Wochen liefert der Cumbre Vieja auf La Palma tägliche Hiobsbotschaften für die dortigen Anwohner, doch die feurigen Bilder bewegen auch zahlreiche Deutsche. Schließlich zählt das idyllische Eiland hierzulande zu den Ferientrauminseln und als potenzieller Altersruhesitz.

Was für Mensch und Kulturlandschaft als Katastrophe in die Annalen eingeht, bedeutet für das Leben auf der betroffenen Fläche nicht nur qualvollen Tod und Verderben, sondern auch einen regenerativen Neuanfang. Mit dem Erkalten der mineralreichen Lavaschicht setzen Erosionsprozesse ein. Im Gestein bilden sich Spalten, in denen sich feinkörnige Ablagerungen und Regenwasser sammeln können.

Dann kommt die Zeit für die Pionierpflanzen, die als erste die kahlen Oberflächen besiedeln. Es sind zunächst die anspruchslosen Organismen, die sich auf das neue Terrain wagen. Auf La Palma wachsen einige davon ohnehin und die Forscher werden bereits gespannt sein, wer sich noch als Neubesiedler zu erkennen gibt.

Einen wesentlichen Beitrag zur Neubegrünung werden auch die Kleinstlebewesen spielen, vor allem Insekten. Diese werden gebraucht, um manche Pionierpflanzenarten zu bestäuben, zu verbreiten und nicht zuletzt zu zersetzen, damit sich auf dem zerklüfteten Untergrund Humus bilden kann. Die Böden auf Vulkangestein zählen nicht umsonst zu den fruchtbarsten.

Bis auf dem soeben zerstörten Areal wieder wie vorher Bananenplantagen betrieben oder bewohnbare Traumhäuser gebaut werden können, wird es zwar etliche Jahre dauern, doch besteht in der Zwischenzeit die Gelegenheit, neue für die Menschheit wertvolle Erkenntnisse zu sammeln. Dies geschieht auch in anderen Teilen der Welt, wo Vulkane ebenfalls aktiv sind.

Das Feuer aus dem Inneren der Erde zeigt uns, wie verletzlich wir doch sind, auf einer dünnen Kruste zu leben, die unseren weitgehend glühend heißen Planeten umgibt. Gefahr und Segen liegen nahe beieinander und von außen betrachtet unterscheidet sich unsere Lage kaum von der der Insekten – Grund genug, um den Sechsbeinern mit Respekt zu begegnen. Als Pioniere sind diese jedenfalls zuerst da.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.