16 Dez

Raupe Nimmersatt mit Nutzanteilen

Raupe des Herbst-Heerwurms, von Ernani Zimmermann - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=63554823

Spodoptera frugiperda, der Herbst-Heerwurm, ist in tropischen und subtropischen Gefilden Amerikas und Afrikas vor allem als Maisschädling gefürchtet. Doch die Raupe hat auch eine zweite Seite, die bei der Herstellung von Corona-Impfstoffen zum Tragen kommt.

So kann es gehen: Da erobert sich der unscheinbare Eulenfalter ganze Kontinente und frisst große Teile der Maisernten auf, bis er es auf die Liste der größten Landplagen der Menschheit geschafft hat. Und dann das: Jetzt dreht der Mensch den Spieß um und gewinnt dieser Raupe Nimmersatt tatsächlich etwas Positives ab. Wie konnte es nur so weit kommen?

Ehrlich muss man zugeben, dass wir alle es lieber sähen, der Herbst-Heerwurm bliebe einfach der schlimme Erntevertilger, den es zu bekämpfen gilt. Ursprünglich ist der graubraunbeige Falter ja ein echter Amerikaner, verbreitet vom Süden der USA bis nach Argentinien. Einer, der keine Kälte verträgt und sich deshalb schön aus Europa heraushält. Trotzdem hat er es in den vergangenen fünf Jahren geschafft, sich in Afrika auszubreiten. Alle Gebiete südlich der Sahara werden von ihm heimgesucht.

Mit dem Klimawandel ist bereits abzusehen, dass sich der Lebensraum von Spodoptera frugiperda in den Norden ausdehnt – nach Europa. Vorsorglich gilt der Herbst-Heerwurm in der EU und in der Schweiz gemäß Pflanzengesundheitsverordnung als Quarantäneorganismus. Doch dieses Szenario ist hier nicht der Punkt. Vielmehr haben Forscher der Pharmaunternehmen Novavax und Sanofi/GSK entdeckt, dass sich das in den Zellen der Raupe befindliche Spike-Protein dazu verwenden lässt, um sogenannte Totimpfstoffe gegen Covid-19 zu gewinnen. Angeblich warten ja sehr viele Ungeimpfte darauf.

Ganz klar wäre es uns lieber, wir hätten keine Pandemie und bräuchten dementsprechend keine Spike-Proteine aus einer Insektenlarve, doch da das Leben bekanntlich nur selten ein Wunschkonzert ist, können wir zufrieden sein, dass für die Impfstoffe reichlich Rohmaterial vorhanden ist. Und so bewahrheitet sich wieder einmal der Spruch “kein Schaden ohne Nutzen”.

Wie genau der Impfstoff aus den Raupenzellen gewonnen wird, erklärt der Medizinexperte und Wissenschaftsjournalist Dr. Christoph Specht: “Bei diesem Impfstoff werden bis zu 14 Proteine aus den Spike-Proteinen synthetisch hergestellt. Wie in vielen anderen Bereichen der Medizin wird dabei mit Zellkulturen gearbeitet, in diesem Fall sind es Insektenzellen. Diese Zellkulturen werden aufgereinigt, das heißt, es wird durch chemische Verfahren sozusagen alles Unnötige weggeschmissen, sodass nur die Spike-Proteine übrig bleiben. Dieser Vorgang wird auch gerne ‘ernten’ genannt.” (Quelle: dpa)

Insektenschutz hin oder her! Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man glatt darüber lachen. Oder etwa nicht?

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