07 Jan

Schädlinge als Hoffnungsträger

Larve der Dörrobstmotte, von Pudding4brains - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1634931

Menschen neigen dazu, Pflanzen und Tiere nach ihrem Nutzwert einzuteilen. Ganz oben stehen Nahrungsmittel, ganz unten die Lebewesen, die eine Gefahr für uns bedeuten. Bei manchen Arten scheiden sich jedoch die Geister, denn manche der Schädlinge entpuppen sich als unerwartet nützlich.

Bei Insekten ist es besonders einfach. Arten mit Sympathiebonus beschränken sich auf Bestäuber, bunte Schmetterlinge und einige wenige Gesellen, die andere Schädlinge vertilgen. So schaffen es neben Bienen und Tagfaltern auch Marienkäfer auf die Liste der gern gesehenen Sechsbeiner.

Länger schon in exotischen Ländern, seit einigen Jahren aber auch hierzulande, finden sich Insekten, zumeist im Larvenstadium, auf dem menschlichen Speiseplan. Als nahrhafte Eiweißquellen sind sie bei manchem Feinschmecker heißbegehrt.

Larven sind kleine Fressmaschinen. Zumeist haben sich die einzelnen Arten auf Nischen spezialisiert. Wer dabei dem Menschen ins Gehege kommt, wird als Schädling bekämpft. Eher zufällig wurden bei einigen aus dieser Kategorie Eigenschaften entdeckt, die dem Menschen unerwarteten Nutzen bringen können, und zwar bei der Verwertung von Plastikmüll.

Mindestens drei Kandidaten sind auf diese Weise aufgefallen. Die große Wachsmotte hat sich einen miserablen Ruf erworben, weil sie als Parasit ihren Hunger an Bienenwaben stillt. Mit ihrem Fraß und ihrem Kot schädigt sie nicht nur Honigbienen und damit die Imkerei, sondert gefährdet auch Wildbienenarten wie etwa Hummeln. Allerdings vertilgt sie dort auch Altmaterial und verhindert dadurch die Ausbreitung von Krankheiten.

Vor wenigen Jahren wurde entdeckt, dass sich die Larven auch durch Plastik, genauer Polyethylen, fressen können. Untersuchungen ergaben, dass sie den Kunststoff, aus dem zum Beispiel Plastiktüten bestehen, in ihrem Darm vollständig abbauen, und zwar wesentlich schneller als darauf spezialisierte Bakterien.

Die gleiche Fähigkeit besitzen die Larven der Dörrobstmotte. Das Vorkommen der Falter in der Nähe unserer Speisekammern und Vorratsschränke gilt als Alarmzeichen und lässt uns diese regelmäßig auf Befall prüfen. Sicherheitshalber sollte man seine Vorräte in festen Verpackungen wie Gläser und dickwandige Kunststoffbehälter lagern.

Ein weiterer Nahrungsschädling mit Vorliebe für stärkehaltige Lebensmittel ist der Mehlkäfer. Im Larvenstadium, besser bekannt als Mehlwurm, begnügt er sich jedoch auch mit Polystyrol bzw. Styropor. Dies kann sowohl Vor- als auch Nachteil sein, je nachdem, ob es sich dabei um wertvolles Dämm- oder zu entsorgendes Altmaterial handelt. Ganz nebenbei zählen Mehlwürmer zu den gängigsten Speiseinsekten für Mensch und Tier.

Die Zukunft wird zeigen, in welchem Ausmaß die Kleintiere zur Plastikentsorgung beitragen können. Mithin stellen wir fest: Die Einteilung in Nützlinge und Schädlinge ist gar nicht so einfach und in manchem unscheinbaren Lebewesen steckt Ungeahntes. Das ist bei Menschen übrigens nicht anders.

Übrigens: Nahrungsschädlinge finden auf verschiedenen Wegen zu ihren Futterplätzen. Bei Verwendung von stabilen Insektenschutzgittern an den Fenstern ist es ein Weg weniger…

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