05 Dez

Vom Glück, etwas abgeben zu können

Sebastian Gramsamer (li.) und Dr. Hans Mehringer bei der symbolischen Spendenübergabe; Foto: Spengler & Meyer GmbH

Dr. Hans Mehringer überreichte am 1. Dezember 2020 einen Scheck über 10.000 Euro an den Lions Club Ansbach. Der Muggergittermacher-Chef unterstützt damit die gemeinnützige Arbeit des Serviceclubs und hofft, dass weitere Unternehmer und gleichgesinnte Menschen seinem Beispiel folgen.

Unser Geschäftsführer ist ein Mensch, der schon immer über den eigenen Tellerrand hinausblickt und etwas übrig hat für die Mitglieder unserer Gesellschaft, mit denen es das Leben nicht so gut meint wie mit ihm. So betrachtet er es nicht nur als seinen eigenen Verdienst, wenn die Geschäfte gut laufen, sondern empfindet ehrliche Dankbarkeit und das Bedürfnis, etwas an die Gemeinschaft zurückzugeben. Seine Beweggründe, eine großzügige Summe an den Lions Club Ansbach zu spenden, erläutert er im Interview:

Frage: Herr Dr. Mehringer, was hat Sie bewogen, 10.000 Euro an den Lions Club Ansbach zu spenden?

Dr. Mehringer: Grundsätzlich halte ich es für sehr wichtig, dass man sich immer wieder aktiv von Anteilen seines Einkommens / Vermögens zugunsten anderer trennt. Begründungen dazu gibt es aus verschiedenen Blickwinkeln: In der Bibel ist zum Beispiel davon die Rede, dass man den “Zehnten” (Teil seines Einkommens zugunsten anderer spenden soll). Im Hinblick auf heutige Steuerhöchstsätze und “dass damit die soziale Fürsorge an den Staat übergegangen wäre”, könnte man das als überholt ansehen, aber ich denke, es geht hier vor allem darum, “freiwillig” etwas zu tun, also etwas, wozu man eben nicht verpflichtet ist.

Es gibt dazu aber noch interessante Ansätze aus einer ganz anderen Richtung. Ich denke, dass sich Menschen, die sehr um sich selbst kreisen, mit dem Glücklichsein schwertun werden. Der Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi, der als Schöpfer der Flow-Theorie gilt, hat formuliert, dass man einen Glückszustand erlebt, wenn man gerade nicht an sich selbst denkt, sondern ganz in der Konzentration auf eine Tätigkeit oder ein Herzensanliegen aufgeht, also eben gerade nicht um sich selbst rotiert. Und ich denke, das Abgeben bzw. Loslassen – auch von materiellen Gütern – kann in dieser Hinsicht sehr hilfreich sein. Und das übe ich immer wieder für mich – auch in dem Bewusstsein, dass man ganz zum Schluss sowieso nichts mitnehmen kann.

Frage: Warum ist “ausgerechnet” der Lions-Club in Ansbach der Empfänger?

Dr. Mehringer: Ein sinnstiftender Zusammenhalt von Lions Clubs ist soziales und gesellschaftliches Engagement, das meist durch wirtschaftliche Unterstützung von Projekten oder Hilfsbedürftigen erfolgt. Der Lions Club Ansbach hat in den letzten Jahren die dazu eingesetzten Mittel durch den über viele Jahrzehnte zur Jahresmitte stattfindenden Flohmarkt und weiterhin seit einigen Jahren durch den Bücherflohmarkt erwirtschaftet, der vor der Adventszeit im Brückencenter stattfindet. All diese Aktivitäten waren durch Corona im Jahr 2020 nicht möglich. Der Lions Club Ansbach steht daher vor der Herausforderung, neue Quellen zu erschließen, aus denen heraus auch zukünftig das soziale und gesellschaftliche Engagement wahrgenommen werden kann.

Außerdem haben in der Vergangenheit immer auch Spenden der Mitglieder zum Budget des Lions Club beigetragen.

Frage: Ist es die erste Spende dieser Art bzw. in dieser Größenordnung?

Dr. Mehringer: Persönlich halte ich es weitgehend mit einem Bibelwort aus Matthäus 6.3, in dem die Empfehlung steht, “man solle beim Almosen geben die linke Hand nicht wissen lassen, was die rechte tut”, also kein großes Aufheben um seine guten Taten machen. In Summe spende ich jedes Jahr persönlich oder über die Firma höhere Beträge, über die ich nicht rede. Mit einer Spende im Jahr lasse ich mich bezüglich der Firma aber meist von der Marketing-Idee “Tue Gutes und rede darüber” leiten. Da steckt auch etwas der Gedanke dahinter, dass ein gutes Beispiel vielleicht auch andere Menschen zu ähnlichen Überlegungen wie vorstehend genannt motivieren kann.

Frage: Was möchten Sie genau damit bezwecken?

Dr. Mehringer: Im Sinne von “Tue Gutes und rede darüber” wünsche ich mir, dass wir damit als Firma und Arbeitgeber positiv auffallen. Darüberhinaus möchte ich aber auch auf den Lions Club aufmerksam machen. Vielleicht gibt es Menschen und Organisationen, die gerne etwas spenden, aber unsicher sind, an wen. Hier erscheint mir der Lions Club bzw. das Lions Hilfswerk eine gute Adresse. Egal welche Funktion jemand in diesem Umfeld hat – Präsident des Clubs, Vorsitzender des Hilfswerks, Schatzmeister oder was auch immer – niemand bekommt für sein Engagement auch nur einen Cent, alles ist dort zu 100 % ehrenamtlich. Alles Geld kommt damit zu 100 % guten Zwecken zugute. Und die Entscheidung darüber wird immer von mehreren Personen getroffen, sodass man von sehr gut abgewogenen und verantwortlichen Entscheidungen ausgehen kann. Insofern kann diese Spende vielleicht auch andere Spender anregen, ihre Spende dem Lions Hilfswerk zur verantwortlichen Weiterverwendung anzuvertrauen.

Frage: Wann fand die “Scheck-Übergabe” statt?

Dr. Mehringer: Die symbolische Spendenübergabe fand vor wenigen Tagen, am 1. Dezember 2020, in den Räumlichkeiten der Spengler & Meyer GmbH – Die Muggergittermacher statt. Empfänger war Herr Rechtsanwalt Sebastian Gramsamer, der Vorsitzende des Lions Hilfswerks Ansbach. Tatsächlich wurde das Geld zu diesem Datum auf das Konto des Lions Hilfswerks Ansbach überwiesen.

Frage: Steht bereits der Verwendungszweck für die 10.000 Euro fest?

Dr. Mehringer: Ich habe den Wunsch, dass maximal die Hälfte an ein überörtliches Lionsprojekt weitergegeben wird, z.B. “SightFirst”. Das ist ein Projekt der weltweiten Lions,  mit dem Blindheit in Entwicklungsländern bekämpft wird. Hier können bereits kleine Beträge das Leben von Betroffenen elementar und existentiell verbessern. Mindestens aber die andere Hälfte soll in freier Entscheidung der Ansbacher Lions für Projekte und Hilfsmaßnahmen vor Ort eingesetzt werden.

Hintergrund: Die Idee des Lions Club wurde vor gut einhundert Jahren in den USA geboren. Daraus entstand bis heute ein Netzwerk von Serviceclubs in etwa 200 Ländern mit mehr als 1,4 Millionen Mitgliedern. Der Lions Club Ansbach wurde im Jahr 1971 gegründet und zählt etwa 40 Mitglieder. Die Präsidentschaft wechselt jährlich. Vor drei Jahren hatte Dr. Mehringer dieses Amt für zwölf Monate inne. Derzeitiger Präsident ist Hans-Peter Smolka.

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