24 Dez

Weihnachten, eine segensreiche Zeit – oder nicht?

© Elisabeth Steiger

Zu Weihnachten soll es selbst auf diesem Blog erlaubt sein, das Thema Insektenschutz einmal außen vor zu lassen. (Dazu benötigen wir nicht einmal unsere Muggergitter.) Schließlich steht das weithin beliebteste Fest des Jahres auch für Besinnung auf das Wesentliche im Leben. Also tun wir heute genau dies.

Was tun Menschen gemeinhin an Weihnachten? Christlich orientierte Familien bevorzugen nach wie vor – so ist es auf jeden Fall in Franken – traditionelle Gebräuche. Das heißt, die Eckpfeiler stehen fest: Am Heiligen Abend Weihnachtsbaum schmücken (spätestens), Gottesdienstbesuch (oftmals der einzige im Jahr), Bescherung (für die meisten das Wichtigste), alljährlich die gleiche Speisenfolge wie in den Vorjahren, danach noch gemütlich einen Weihnachtsfilm ansehen und mit Vorfreude in die Feiertage schlafen, wenn sich die Verwandtschaft trifft und sich mancher Programmpunkt wiederholt. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

Anders sieht es bei Alleinstehenden aus. Da sind die, die dem heimischen Brauchtum den Rücken kehren und verreisen oder sich entspannt zurückziehen, einfach eine Auszeit nehmen. Das ist ein bewusste Entscheidung. Zahlreich ist aber die Gruppe der häufig von Einsamkeit geplagten Weihnachtsmuffel. Dort sind die Weihnachtstage oft mit Problemen behaftet, da sich bei vielen zwangsläufig die Frage stellt, warum Mann oder Frau nicht zur ersten Gruppe zählt. In der Stille dieser Tage treten gerne Lebensbrüche und ungelöste Beziehungskonflikte an die Oberfläche. Wenn jetzt depressive Verstimmungen das Kommando übernehmen, liegt das weniger daran, dass es draußen länger dunkel ist, sondern vielmehr an der Diskrepanz zwischen dem aktuellen Empfinden und verklärten Kindheitserinnerungen. Wer Weihnachten in Einsamkeit durchsteht, wird sich auch im Vorfeld kaum darauf freuen.

Menschen, die der letzten Gruppe angehören, sind dieser Gefühlsdelle jedoch nicht zwangsläufig ausgesetzt. Zum Gegensteuern gibt es jede Menge Rezepte. Beispielsweise kann man sich auf die Kernbotschaft des Weihnachtsfests besinnen, was übrigens nicht nur Anänger des christlichen Glaubens betrifft. Aus der Geschichte von Christi Geburt lassen sich Hoffnung, gegenseitige Hilfe und Gastfreundschaft ableiten und ins Heute übersetzen.

Warum also nicht etwas für die Gemeinschaft tun? Überall gibt es Möglichkeiten, Menschen zu unterstützen, denen es gerade nicht gut geht. Es muss nicht gleich eine persönliche Einladung sein. Selbst eine Geldspende schafft ein positives Gefühl. Natürlich wirkt sich ein gezieltes Miteinander, um sich gegenseitig die Einsamkeit zu nehmen, noch mehr aus.

Wer partout dazu nicht in der Lage ist, weil etwa Trauer oder innere Zerrissenheit zu stark sind, kann sich gezielt an die Wurzeln des Unbehagens begeben. Am Anfang steht auch hier eine Entscheidung. Mit oder ohne therapeutische Hilfe: Alte Konflikte aufarbeiten, vergeben und loslassen – das sagt sich leicht, ist aber ein schwieriger Arbeitsprozess und nicht ohne Nebenwirkungen. Für die Umsetzung finden sich dazu Tipps und Kniffe in unzähligen Ratgebern. Solch ein Befreiungsakt schafft Platz für Neues. Diesen könnten die Mutigen wiederum gezielt mit Erlebnissen füllen, die ihnen Freude bereiten und dafür sorgen, dass sie sich das ganze Jahr wieder auf das nächste Weihnachtsfest freuen.

Ein gutes Mittel ist, danke zu sagen: Menschen, die zufrieden mit ihrer Lebenssituation sind, dürfen an Weihnachten ganz bewusst ihrer Dankbarkeit Ausdruck verleihen. Dankbarkeit für Beziehungen, für Gesundheit, für inneren Frieden und gute Gedanken. In diesem Gefühl liegt auch der weihnachtliche Segen, der wichtig ist gerade in dieser ver-rückten Zeit.

Wir wünschen Ihnen von Herzen, dass sie ihn spüren.

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