06 Apr

Weiße Fliegen – mehr als nur lästig

Mottenschildlaus, Foto von CSIRO, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35444809

Im Frühling füllt sich die Luft wieder mit allerhand winzigem Getier. Über etliche Summer und Brummer freuen wir uns, andere meiden und wenige fürchten wir. Dazwischen regt sich vieles, das wir selten zur Kenntnis nehmen.

Zur letzten Gruppe zählen die sogenannten Weißen Fliegen, ein bis zwei Millimeter große schnee- bis blassweiße fliegende Punkte, die in ihrem Erscheinungsbild zwar Fliegen ähneln, aber zu den Pflanzenläusen, genauer den Mottenschildläusen gehören. Etwa 1.500 Arten gibt es weltweit davon. Die hier ins Auge gefasste Tabakmottenschildlaus zählt zu den größten Landwirtschaftsschädlingen weltweit und dies hat einen besonderen Grund.

Dieser kleine Pflanzensaftsauger bedient sich bei seinem Wirt nicht nur, sondern hinterlässt dort klebrige Ausscheidungen, Honigtau genannt, auf dem wiederum Rußpilze wachsen, die die Pflanzen verunstalten. Dies hinterlässt vor allem in Gärtnereien, die sich auf Zierpflanzen spezialisiert haben, erhebliche Schäden. Auch Pflanzenviren in nicht geringem Ausmaß werden durch den Schädling übertragen.

Normalerweise begegnen befallene Pflanzen den ungebetenen Schmarotzern mit selbst produzierten Abwehrstoffen, ähnlich unserer Immunreaktion. Wissenschaftler entdeckten jedoch kürzlich, dass die Tabakmottenschildlaus dagegen resistent ist, ebenso gegen gängige chemische Substanzen. Der Grund liegt darin, dass die Art vermutlich bereits vor langer Zeit ein Gen von der Pflanze übernommen hat, das die Pflanzenabwehrstoffe unschädlich macht.

Durch diesen Clou besitzt die Tabakmottenschildlaus einen Trumpf um “Marktanteile” im Schädlingsdasein – wenn man davon ausgeht, dass solche Insektizide grundsätzlich gegen alle anderen Schädlinge wirken. Allerdings könnte sich dieser Vorteil durch die Entdeckung ins Gegenteil verkehren, denn nun ist der Mensch in der Lage, ein Mittel zu entwickeln, das zuallererst gegen diesen Schädling wirkt.

In unseren Breiten sind Mottenschildläuse seit Jahren auf dem Vormarsch, profitieren sie doch direkt von der Klimaerwärmung. In Gärtnereien, Gewächshäusern und auch bei Besitzern von Zimmerpflanzen sind weiße Fliegen schon länger berüchtigt. Hier sorgen besonders die – daher die Bezeichnung – Gewächshaus-Weiße Fliege und auch die Tabakmottenschildlaus für Krankheiten und optische Schäden an vielerlei Blüh- und Grünpflanzen, aber auch einigen Gemüsesorten und Erdbeerpflanzen.

Probate Gegenmittel gibt es durchaus. Einerseits meiden auch die kleinen Lästlinge bestimmte Duftstoffe, weswegen Gärtner zu sogenannten Anti-Weiße-Fliegen-Mischkulturen raten. Eine weitere Strategie besteht aus dem Ansiedeln von Fressfeinden, insbesondere Schlupfwespen, die wiederum ihre Eier in den Larven der Weißen Fliegen ablegen.

Akut von Mottenschildläusen befallene Pflanzen können mit selbst hergestellten Cocktails auf der Basis ätherischer Öle oder mit gekauften Spritzmitteln behandelt werden, wobei letztere auch nützliche Insekten wie Bienen und Hummeln schädigen können. Hier ist es immer ratsam, sich mit dem Befall an einen Fachmann oder eine Fachfrau zu wenden, um den Schädling zunächst zu identifizieren. Übrigens ist nicht jeder weiße Punkt, der sich auf der Pflanze niederlässt, zwangsläufig ein Schädling. Es könnte sich auch um Springschwänze handeln, die sich als nützlich für die Humusbildung des Bodens erweisen.

Für die eigenen vier Wände haben wir natürlich noch einen sicheren Tipp: Insektenschutzgitter bzw. Fliegengitter oder, wie wir Franken sie bezeichnen, Muggergitter tragen effektiv dazu bei, dass sich die Winzlinge nicht in die Wohnräume “verfliegen”.

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