07 Apr

Zwickt der „Ohrenzwicker“ echt ins Ohr?

I, ArtMechanic / CC BY-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)

 „Ohrenzwicker“ oder „Ohrenkneifer“. Jeder kennt die länglichen Kleintiere, die sich gerne in das Hausinnere verirren. So bekannt das Insekt ist, so unbekannt sind für viele Menschen nähere Erkenntnisse über es. Höchste Eisenbahn, um Licht ins Dunkel zu bringen und mit falschen Mythen aufzuräumen. Wozu dient beispielsweise die furchteinflößende Greifzange am Hinterleib? Können die Tierchen fliegen?

Biologisch zählt der „Ohrenzwicker“ zur Klasse der Insekten, zur Ordnung der Ohrwürmer und zur Unterklasse der Fluginsekten. Fluginsekten? Diese zehn bis zwanzig Millimeter lange Spezies kriecht doch meist langsam am Boden umher und lässt sich auch leicht einfangen. Sie mutet vom Aussehen eher einem Skorpion an. Doch Mutter Natur wartet mit einer großen Überraschung auf. Der Ohrwurm ist nämlich kein Wurm und kann tatsächlich fliegen. Er besitzt sogar gleich zwei Flügelpaare. Eines ist allerdings sehr klein und im Laufe der Evolution verhärtet. Deshalb dient es zu einer Art Schutzschild. Darunter befindet sich allerdings ein zweites Flügelpaar. Dieses kann das Insekt in Windeseile wie ein Fächer aufspannen. Dabei hilft die Zange am Hinterleib. Zur ganzen Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Tierchen sehr ungern fliegen. Das ist der Grund, warum wir Menschen sie in der Luft kaum zu Gesicht bekommen.

Viel wichtiger als die körperliche Beschaffenheit des „Ohrenzwickers“ ist für die meisten Menschen wohl der Wahrheitsgehalt der Mythen um das Kleingetier. Ist der Biss mit der Greifzange tatsächlich gefährlich für uns? Im Mittelalter ging das „gefährliche Halbwissen“ sogar noch einen Schritt weiter. Die Menschen meinten, dass das Insekt während der Schlafphase in unseren Gehörgang krabbeln und mit seinen Zangen das Trommelfell zerreißen würde. In der Fortsetzung würde es seine Eier im Gehirn seines Wirtes ablegen. Diese Horrorvorstellung verschwand ebenso wie die Hexenverbrennung von der Bildfläche. Zurecht ist lediglich die Tatsache übrig geblieben, dass die „Ohrenkneifer“ uns tatsächlich zwicken können. Allerdings ist dieser Biss weder giftig noch schmerzhaft.

Indirekt schlüpft der „Ohrenzwicker“ in zwei aus Sicht von uns Menschen unterschiedliche Rollen. Einerseits tritt er als Schädling, andererseits als Nützling auf. Wirksame Bekämpfungsmaßnahmen aufgrund seiner negativen Begleiterscheinungen sind bislang nicht auf dem Markt. Der Grund hierfür ist, dass das Insekt kaum als Schädling wahrgenommen wird. Sofern es sich unter Ernteerträge schmuggelt, so kann sich das Lebewesen durchaus daran bedienen. Die Schäden sind allerdings vernachlässigbar. Meist stillt das Kleintier seinen Hunger an ohnehin beschädigten Früchten oder Pflanzen.

Für den Menschen viel wichtiger ist der „Ohrenzwicker“ als Nützling. Er verspeist beispielsweise Pflanzenschädlinge wie Blattläuse oder die Eier von Faltern sowie Mehltaupilze. Auf dem Speiseplan von nützlichen Tieren wie Spatzen oder Igeln steht wiederum der „Ohrenkneifer”. Also auch wiederum kein Nachteil für den Menschen! Grund genug, um sich analog einem Bienenhotel ein „Ohrenkneifer-Hotel“ anzuschaffen.

Es lässt sich zusammenfassen, dass der „Ohrenzwicker“ im Garten durchaus ein guter Freund und Helfer des Menschen sein kann. In den eigenen vier Wänden hat er sicherlich nichts verloren. Größere Ansammlungen lassen sich mit Hilfe von ungiftigen Mittelchen vertreiben. Meist genügt allerdings eine Handbewegung, um den ungebetenen Gast auf die andere Seite des Insektenschutzgitters zu befördern.

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